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Athletinnen gedemütigt Neue Vorwürfe im Chemnitzer Turn-Skandal

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Weltmeisterin Schäfer hatte den Skandal aufgedeckt.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

Eine Trainerin des Turn-Stützpunkts in Chemnitz ist bereits suspendiert. Sie soll ihre Schützlinge genötigt und ihnen überhartes Training zugemutet haben. Nun wird bekannt, dass ein weiterer Coach umstritten ist. Er hatte früher schon eingeräumt, dass er Athletinnen gedemütigt hat.

Erneut sind die Trainingsumstände für die Kunstturnerinnen am Stützpunkt Chemnitz ins Zwielicht geraten. Wie der "Spiegel" berichtet, ist der umstrittene niederländische Coach Gerrit Beltman seit 1. August beim TuS Chemnitz-Altendorf als Coach angestellt.

Der 64-Jährige hatte selbst im Sommer in einem Interview mit der Zeitung "Noordhollands Dagblad" eingeräumt, in der Vergangenheit junge Athletinnen während des Trainings gedemütigt zu haben: "Ich wollte Medaillen, ich stellte mir nie die Frage, ob die Turnerinnen das auch wollten."

Laut "Spiegel" hatte sich für die Beschäftigung von Beltman dessen Trainerkollegin Gabi Frehse stark gemacht. Frehse ist aktuell als Trainerin am Olympiastützpunkt freigestellt, nachdem ihr unter anderem von der ehemaligen Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer verbale Nötigung und überhartes Training vorgeworfen worden war.

Vorwürfe "unwahr" und "haltlos"

Frehse selbst weist die Anschuldigungen zurück. Es gebe in den Darstellungen der Sportlerinnen "viele Punkte", die unwahr oder haltlos seien, sagte die 60-Jährige. Sie habe die "größte Hochachtung" für die Sportlerinnen, die einen anstrengenden Alltag zu bewältigen hätten und oft schon mit zehn Jahren ihr Zuhause verlassen: "Aber dass man sich im Leistungssport eben quälen, auch mal schinden muss, ab und zu ein härteres Wort fällt, ist im Spitzensport so. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Turnerinnen durch meinen Ton zu verletzen."

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In einer Mitteilung des Deutschen Turner-Bundes (DTB) heißt es, man lehne das Engagement Beltmans beim TuS Chemnitz-Altendorf ab, könne aber dessen Beschäftigung dort juristisch nicht verhindern. Zu DTB-Lehrgängen und Wettkämpfen sei er grundsätzlich nicht zugelassen. Aufmerksam gemacht auf die Arbeit von Beltman in Chemnitz hatte dessen ehemalige Athletin Simone Heitinga. "Leute wie Beltman haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen", sagte die mittlerweile 41-Jährige.

Heitingas Lebensgefährte kontaktierte in diesem Zusammenhang im August die Kölner Sportwissenschaftlerin Britt Dahmen, die beim DTB als Ombudsperson fungiert. Ihm zufolge gab es seither keinen direkten Kontakt mehr zu ihr.

Quelle: ntv.de, ara/sid