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Nadals sagenhafte Finalshow Nie war ein Tennisspiel so perfekt

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Maximal dominant.

(Foto: dpa)

Die French Open erleben das erhoffte Herren-Finale der Superlative: Novak Djokovic gegen Rafael Nadal - kein anderes Duell gab es bislang häufiger in der Geschichte des Profi-Tennis. Es endet mit einem schier surreal anmutenden Ergebnis.

Novak Djokovic spielte kein schlechtes Tennis. Der laut Rangliste derzeit beste Spieler der Welt spielte sogar eigentlich gutes Tennis. Und an einem Tag, der nicht der 11. Oktober 2020 gewesen wäre, hätte das, was Novak Djokovic auf dem Court Philippe Chatrier anbot, womöglich gereicht, um diese French Open zu gewinnen. Doch der 11. Oktober 2020 war eben der Tag, an dem Rafael Nadal der Welt zeigte, wie perfekt ein Tennismatch sein kann. Mit 6:0 (!), 6:2 (!) und 7:5 donnerte der Spanier über den Serben hinweg.

"Was du auf diesem Platz hier machst, ist unglaublich. Jeder weiß, warum man dich den Sandplatz-König nennt. Heute habe ich es am eigenen Leib erfahren", sagte Djokovic nach einem "sehr harten Match" für ihn. "Alle Superlative, die man benutzen kann, verdient er hier", befand der Serbe, der am Sonntag erst seine zweite Niederlage in diesem Jahr, seine erste sportliche - Corona-bedingt allerdings auch mit deutlich weniger Turnieren - kassierte. Es war die vielleicht schmerzhafteste seiner Karriere. Die schmerzhafteste gegen Nadal im 56. direkten Aufeinandertreffen war es auf jeden Fall.

Der Spanier, man kann es nach dieser sagenhafte Finalshow kaum glauben, war mit Zweifeln in die French Open gestartet. Doch er spielte sich genauso frei wie Djokovic, dem seine bizarre Disqualifikation bei den US Open (erste Niederlage) zunächst noch ein paar Tage nachhing. Doch im Endspiel war nun alles vergessen. Das grenzwertige Wetter, die Corona-Probleme in der Metropole, einfach alles, was an Nebengeräuschen aufgetreten war. Und so war dieses Endspiel dann auch einfach nur spektakulär. "Das ist ein unglaublich hohes Niveau", staunte Boris Becker bereits während des Spiels bei Eurosport: "Nadal spielt in einer anderen Welt, die nur er kennt."

Der Sieg gegen Djokovic war bereits der 100. (!) bei den French Open. Nur zweimal hat er überhaupt auf der heiligen roten Asche verloren - einmal gegen den Serben und einmal gegen einen Mann, der Robin Söderling heißt und damals die Nummer 25 der Welt war. Trotz 59 unerzwungener Fehler gewann der Schwede damals sensationell mit 6:2, 6:7, 6:4 und 7:6.

Nadal war auf Sand noch nie besser

Djokovic versuchte es immer wieder mit Stopps, um den Grundlinienduellen mit Nadal aus dem Weg zu gehen. Die Taktik wirkte gut durchdacht, aber der Spanier hatte stets die bessere Antwort. Nadal spielte mit seinen harten Grundschlägen, mit seiner aggressiven und offensiven Art ganz nah an der Perfektion, in den ersten beiden Sätzen leistete er sich gerade einmal sechs vermeidbare Fehler - Djokovic stand da schon bei 30. Der Serbe steigerte sich noch mal, hielt weiter dagegen, zeigte im dritten Satz ebenfalls überragende Ballwechsel und krachende Gewinnschläge - vergebens. Per Ass krönte sich Nadal schließlich nach 2:41 Stunden zum Champion, zum bereits 13. (!) Mal in Paris. "Groß unter den Großen!", schwärmte die spanische Zeitung "AS". Die "L'Equipe" euphorisierte sich gar zu einer "Göttlicher Nadal!"-Schlagzeile.

"Ich habe Rafael noch nie besser Tennis spielen sehen auf Sand", staunte Becker später noch ein wenig mehr. Auf Sand, das weiß man ja, ist Nadal am besten. Allerdings hat er auch bereits auf allen Belägen große Titel gewonnen. "Der Junge ist 34, wie geht denn so was?", fragte sich Becker. In Paris erneut zu gewinnen, das "bedeutet in so einem schweren Jahr alles für mich", gestand der Spanier. Mit 20 Grand-Slam-Titeln steht er nun in der ewigen Bestenliste auf einer Stufe mit Roger Federer. "Heute denke ich nicht an Roger und die großartigen Zahlen, sondern nur an meinen 13. Titel hier in Roland Garros." Später räumte er ein, dass er es "lieben würde", seine Karriere mit den meisten Titeln zu beenden.

Der Schweizer, mit dem sich Nadal ebenfalls bereits eine aberwitzige Anzahl an epischen Duellen geliefert hatte, sandte unterdessen herzliche Glückwünsche an seinen langjährigen Rivalen. "Ich hatte schon immer den größten Respekt vor meinem Freund Rafa als Person und Champion", schrieb Federer, der sich aktuell von einer Knie-Operation erholt und in diesem Jahr wohl kein Tennis mehr spielen wird, bei Twitter: "Es ist eine große Ehre für mich, ihm zu seinem 20. Grand-Slam-Sieg zu gratulieren."

Wie es für Nadal weitergeht, steht noch nicht fest. "Ich weiß noch nicht, wo ich spielen werde. Ich kann im Moment nicht sagen, ob ich in den kommenden Monaten spielen werde oder nicht." Anfang November steht laut der neuen Jahresplanung der Herren-Organisation ATP das Hallen-Masters in Paris-Bercy an, Mitte November dann die ATP-WM der besten acht Profis des Jahres in London. Der Titel beim Abschluss der Saison fehlt Nadal noch. "Aber es ergibt heute keinen Sinn, darüber zu sprechen, weil ich wirklich nicht weiß, ob ich dort spielen werde oder nicht", sagte der Mallorquiner. Dies müsse er auch mit seiner Familie und seinem Team besprechen und dann entscheiden. Er brauche jetzt erst einmal etwas Ruhe.

Quelle: ntv.de