Alte Fehde zur EM angefeuertÖsterreich schimpft auf deutschen Handball-Titan

Wenn die deutsche Handball-Nationalmannschaft in die Europameisterschaft startet, ist sofort Druck auf dem Kessel: Die Ziele des DHB-Teams sind groß, einen Kaltstart darf man nicht hinlegen. Auch Torwart-Titan Andreas Wolff sorgt noch für ein bisschen Extra-Motivation beim Gegner.
"Anti-Handball"! "Das möchte eigentlich keiner sehen"! "Sehr unattraktiv, auch für uns Spieler"! Rumms! Deutschlands Handball-Titan Andreas Wolff sorgt mit einem Interview vor dem EM-Auftakt der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch gegen Österreich (20.30 Uhr/ARD und im Liveticker auf ntv.de) für Aufsehen. Der deutsche Weltklasse-Torhüter warnt mit wenig schmeichelhaften Worten vor der besonderen Spielweise des Gegners. Beim Nachbarn kommt das nicht gut an: So schrieb der "Kurier", dass Wolff "seit Kurzem alles, nur kein Sympathieträger" sei.
Das Portal Heute.at wiederum titelte in Anlehnung an die Niederlage der deutschen Fußballer gegen Österreich bei der WM 1978, die als Schmach von Cordoba in die Geschichtsbücher einging: "Deutscher Tormann poltert vor Handball-Cordoba". Zahlreiche österreichische Handball-Fans senden dem Europameister von 2016 wüste Verwünschungen, andere freuen sich über die Extra-Motivation. "Uns spornt das nur noch mehr an", sagte Österreichs Starspieler Nikola Bilyk in der "Kronenzeitung".
Wolff fuhr in seiner Analyse fort: Mit Constantin Möstl vom TBV Lemgo Lippe stehe ein fantastischer Torhüter zwischen den Pfosten, und mit Möstls Teamkollegen Lukas Hutecek und Bilyk (THW Kiel) würden "zwei Anführer das Angriffsspiel in seiner Hässlichkeit leiten. Es wird kein Handball-Leckerbissen. Aber wir müssen uns durchbeißen, unsere Qualität einbringen und aus der Defensive zu einfachen Toren kommen", sagte der 34-jährige Wolff. Er kritisierte mit seiner Tirade vor allem grundsätzlich die in der Handballwelt nicht nur bei Ästheten äußerst umstrittene Sieben-gegen-Sechs-Angriffsvariante - und nicht die österreichischen Spieler an sich. Die würden "mit sehr viel Härte und Leidenschaft verteidigen. Sie haben ein bisschen den Bonus, dass sie ein Stück weit als Außenseiter gesehen werden. Da wird ihnen das eine oder andere Foul durchgehen gelassen."
"Mehr Glück als Verstand"
Mit den Österreichern verbindet die deutsche Mannschaft eine ungute und noch recht junge Erinnerung: Bei der Heim-EM 2024 quälte sich das DHB-Team in der Hauptrunde mit einer desaströsen Angriffsleistung zu einem 26:26. Unglaubliche 22 Fehlwürfe produzierten Wolffs Vorderleute gegen Möstl und Co, immerhin holte der Gastgeber vor den Augen von knapp 20.000 erst entsetzten, lange fassungslosen und schließlich erleichterten deutschen Fans in den letzten zwölf Minuten einen Fünf-Tore-Rückstand auf. "Es ist letztendlich eine Frage, wie du erfolgreich sein kannst. Die Österreicher haben mit der Art und Weise in den letzten Turnieren auf sich aufmerksam gemacht und Überraschungserfolge erzielt", erinnert sich auch Wolff an den finsteren Abend.
Das Spiel hallte nach: "Schade, dass das deutsche Publikum uns weiterhin ausgepfiffen hat. Ich kann mir so ein Verhalten einfach nicht erklären", sagte Österreichs Kreisläufer Tobias Wagner später. "Wahrscheinlich war es, weil sie gegen uns mehr Glück als Verstand hatten." In der EM-Qualifikation im vergangenen März war die DHB-Auswahl in Wien nicht über ein 26:26 hinausgekommen. Diesmal sei es den Österreichern "definitiv auch möglich, Deutschland zu schlagen", sagte Nikola Bilyk. Mit ihrer Art von Handball.