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Dopingjäger fordert Transparenz "Olympia 2016 darf sich nicht wiederholen"

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Die NADA ist für die Kontrollen in Deutschland zuständig.

(Foto: imago images/Agentur 54 Grad)

Der olympische Sport vertraut auf die Arbeit der Anti-Doping-Agenturen. Wer wann wo getestet wird, ist öffentlich aber nicht einsehbar. USADA-Boss Travis Tygart wünscht sich eine Datenbank, die in Echtzeit ausgibt, welche Proben analysiert werden. Aus Deutschland kommt Zuspruch und Skepsis.

Travis Tygart, Geschäftsführer der US-Anti-Doping-Agentur USADA, wünscht sich die Veröffentlichung weltweiter Teststatistiken. "Alle Länder sollten die genaue Anzahl der Tests, die durchgeführt wurden, mit den Namen der jeweiligen Sportler in Echtzeit veröffentlichen", sagte der 50-Jährige der "Sport Bild".

"Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hat diese Daten. Sie könnte diese veröffentlichen. Wir denken, dass es nur fair wäre - besonders im Hinblick auf die Corona-Situation und den Dopingskandal in Russland", so Tygart: "Denn nur so bekommen wir alle wieder Vertrauen in die Athleten und die Kontrollen, die rund um den Globus gemacht werden."

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Travis Tygart.

(Foto: imago/Martin Hoffmann)

Besonders mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio sei dies notwendig: "Wir fürchten alle eine große Unbekannte, denn leider ist nicht öffentlich, wer und wie oft weltweit kontrolliert wird", sagte Tygart: "Fest steht: Was wir 2016 bei den Spielen in Rio erlebt haben, darf sich nicht noch einmal wiederholen. Damals gab es 1913 Athleten in den zehn Sportarten mit dem höchsten Dopingrisiko, die vor den Spielen keine einzige Kontrolle hatten. Dass so etwas passiert, ist komplett inakzeptabel."

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) begrüßte auf SID-Anfrage die Initiative, da der Vorstoß für mehr Transparenz stehe. Allerdings müsse sich eine Veröffentlichung personenbezogener Daten immer an den Anforderungen des geltenden Rechts messen lassen. In Deutschland und Europa gebe die Datenschutzgrundverordnung die Spielregeln hierfür vor. "Eine öffentliche Zuordnung von durchgeführten Dopingkontrollen zu personenbezogenen Daten ist daher nicht ohne Weiteres möglich", teilte die NADA mit.

Tygart sieht in diesem Zusammenhang die Teilnahme russischer Sportler in Tokio besonders kritisch. Russland habe "bereits Olympia 2012 und 2014 beschmutzt". 2021 würden "bereits die fünften Spiele, die die Russen beschmutzen - und dieser Skandal um das russische staatliche Dopingsystem läuft immer noch", sagte Tygart: "Sie kommen immer noch damit durch. Sie werden Erfolge feiern, und keiner weiß, wie sauber diese wirklich sein werden. Das sollten wir aber endlich wissen."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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