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"Das ist rassistisch, ganz klar" Olympia-Radfahrer äußert sich zu Fall Moster

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Moster hatte sich in Tokio sehr danebenbenommen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Für den deutschen Radsport-Funktionär Patrick Moster waren die Olympischen Spiele vorzeitig beendet, nachdem er sich eine üble verbale Entgleisung geleistet hat. Nun spricht ein Athlet des Flüchtlingsteams über die Aussagen des 54-Jährigen. Er urteilt deutlich, stellt sich aber gegen pauschale Kritik.

Radfahrer Adreddin Wais hat dem suspendierten Radsport-Funktionär Patrick Moster Rassismus vorgeworfen. "Niemand bestreitet, dass der Funktionär dieses Wort benutzt hat, um die anderen Fahrer zu beschämen. Da geht es nicht darum, Respekt auszudrücken, sondern zu erniedrigen. Und das hat er getan, indem er einen Sportler aus einem anderen Land pauschal abgetan hat. Das ist rassistisch, ganz klar", sagte der 30-jährige Syrer in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Moster, Sportdirektor vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR), hatte bei den Olympischen Spielen in Tokio im Einzelzeitfahren den Kölner Nikias Arndt an der Strecke mit den Worten "Hol' die Kameltreiber, hol' die Kameltreiber, komm" angefeuert, die vor ihm fahrenden Azzedine Lagab aus Algerien und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea noch einzuholen. Die Rufe waren vom Fernsehen eingefangen und live übertragen worden.

Danach war der 54-Jährige vom BDR schriftlich abgemahnt und von seinen internationalen Aufgaben "bis auf Weiteres entbunden" worden. Der Weltverband UCI hatte Moster auch vorläufig suspendiert. Moster hatte sich entschuldigt, auch bei den beiden Athleten. Der BDR hatte zudem angekündigt, die beiden Fahrer und ihre Verbände nach Deutschland einzuladen.

Der betroffene Lagab hatte direkt bei den Olympischen Spielen auf die Entgleisung reagiert: "Nun, es gibt kein Kamelrennen bei Olympia, deshalb betreibe ich Radsport. Wenigstens war ich in Tokio dabei", schrieb Lagab auf Twitter. Der 34-Jährige ist einer der erfolgreichsten Radrennfahrer Algeriens und unter anderem amtierender nationaler Zeitfahrmeister.

Wais, der in Tokio dem olympischen Flüchtlingsteam angehörte, glaubt aber auch, "dass ein Mensch nicht gleich ein Rassist ist, wenn er solch einen Begriff verwendet. Da ist mir die Kritik manchmal zu pauschal, vor allem in den sozialen Netzwerken." Viele Menschen müssten noch immer "sensibilisiert werden, wie man respektvoll miteinander umgeht. Und dass man nicht die eigene Nationalität hernehmen muss, um Stolz zu empfinden", sagte Wais.

Quelle: ntv.de, ara/dpa

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