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Darts-Weltmeister bald Nummer 1? Plötzlich ist Peter Wright unbezwingbar

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Ein beeindruckender Endspurt sichert Peter Wright den zweiten WM-Titel.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Ein nie dagewesener Endspurt bringt Peter Wright den zweiten Titel in einem dramatischen Endspiel der Darts-WM. Am Ende fließen Tränen, beim Sieger und Verlierer. Wright kann sich schon bald den nächsten Traum erfüllen.

Was für ein epischer Endspurt nach 16 Tagen Darts-WM. Michael Smith ist dem größtmöglichen Sieg im Darts so nah wie nie zuvor. Mit 5:4 in den Sätzen und 2:0 in den Legs führt der Engländer im Finale der Darts-Weltmeisterschaft im Londoner "Ally Pally". Ein weiteres Leg und Smith ist fast am Ziel. Doch 15 Minuten später ist der Traum ausgeträumt, weil sein Finalgegner Peter Wright plötzlich Roboter-artig spielt. Was ist da passiert?

Peter Wright war als leichter Favorit in das WM-Finale gegangen. Erst recht nach dem beeindruckenden Sieg im schottischen Halbfinale gegen Gary Anderson. Und Wright wird der Favoritenrolle zu Beginn des Endspiels gerecht. Die ersten zwei der benötigten sieben Sätze schnappt sich Wright schnell. Im richtigen Moment landen die Darts da, wo sie hin sollen. Auch ohne das absolute Topniveau auszupacken, kommt Wright seinem zweiten Titel direkt ein Stück näher.

Das WM-Finale droht zu einer einseitigen Angelegenheit zu werden, doch Smith hebt sein Niveau an, Wright lässt ein paar Chancen aus. So steht es wenig später 2:2. Von da an entwickelt sich eine Darts-Schlacht auf hohem Niveau. Mal trifft Smith die Triple- und Doppelfelder häufiger, mal Wright. Mal lässt Smith große Chancen aus, mal Wright. So steht es nach gut eineinhalb Stunden 4:4 in den Sätzen.

Smith kurz vor dem Sieg

Der neunte Satz ist schließlich einer, von dem man hinterher gut und gerne hätte sagen können, es war der Schlüsselmoment im Spiel. Peter Wright lässt gleich fünf Darts auf Doppel zur erneuten Führung liegen, Smith stibitzt "Snakebite" den Satz aus den Händen. Der "Bully Boy", wie der 31-jährige Engländer wegen einer Bullen-Attacke im Kindesalter genannt wird, kommt seinem ersten großen Sieg nah. Kurze Zeit später deutet schließlich alles auf den Triumph von Smith an. Er führt im zehnten Satz mit 2:0, braucht bei eigenem Anwurf nur noch ein Leg zur vorentscheidenden 6:4-Führung.

Das ist der Moment, in dem Peter Wright von einem starken Finalgegner zu einem unbezwingbaren Darts-Monster wird. Aus einem 0:2 im zehnten Satz wird in wenigen Minuten ein 3:2. Für den Satzgewinn braucht Wright nur 39 Darts, im Schnitt 13 pro Leg. Absolute Weltklasse.

Aber noch nicht genug. Wright nimmt das im Dartsport so wichtige Momentum mit in den nächsten Satz, gewinnt diesen zu Null. Diesmal braucht Wright 40 Darts für den Satzgewinn, erneut absolute Weltklasse. Smith hat nichts mehr entgegenzusetzen. Peter Wright legt einen nie dagewesenen Endspurt hin. Im zwölften Satz gewinnt Smith immerhin noch ein einziges Leg, doch der WM-Traum ist für ihn längst zu den Akten gelegt. Diesmal sind es 38 Darts für drei Legs, in Kombination mit den zwei Sätzen zuvor eine schier unfassbare Leistung. Wright gewinnt neun der letzten zehn Legs und krönt sich zum zweifachen Weltmeister.

Wright ist auch Weltmeister der Empathie

"Ich kann mir nicht erklären, was heute Abend mit meinem Spiel schiefgelaufen ist, ich habe immer wieder Darts ausgetauscht, um etwas zu finden, das funktioniert. Zum Glück hatte ich am Ende einen guten Lauf. Ich bin überglücklich, dass ich diese tolle Trophäe zum zweiten Mal gewinnen konnte", sagt Peter Wright nach dem Spiel.

Als Wright während des Siegerinterviews sieht, wie sein unterlegener Konkurrent weint, bekommt er selbst glasige Augen. "Michael ist die Zukunft des Darts. Ich fühle mit ihm, weil ich selbst in dieser Lage war", sagt der 51-Jährige mit Blick auf sein erstes verlorenes Endspiel 2014 und die lange erfolglose Hatz nach dem ersten WM-Titel.

Smith, der bereits 2019 das WM-Endspiel verloren hatte, sagt mit gebrochener Stimme: "Diesmal habe ich fünf statt drei Sätze gewonnen, aber diese Endspiele zu verlieren, macht mir zu schaffen." Wright versucht ihn aufzubauen, ringt nach Worten und findet einen angemessen Umgang mit der Situation, entlockt Smith sogar ein Lachen: "Trainiere bloß nicht deine Doppel, mein Freund." Humor, den Smith versteht und der der Situation angemessen ist. Peter Wright ist zweifacher Darts-Weltmeister und an diesem historischen Darts-Abend auch Weltmeister der Empathie.

Wright will noch drei WM-Titel

Auf der Pressekonferenz nach dem Triumph schwingen dann weniger leise Töne mit, als der Schotte mit dem roten Irokesenschnitt selbstbewusst eine neue Darts-Ära ankündigt: "Natürlich kann ich noch drei Weltmeisterschaften gewinnen, bevor ich zu alt bin." Dabei bringen schon zwei WM-Triumphe Wright in der Legendenliste des Darts weit nach oben. Der 51-Jährige ist erst der sechste Spieler, der mehr als eine Weltmeisterschaft gewonnen hat.

Bevor er sich weitere WM-Träume erfüllen will, ist jetzt die Eroberung von Weltranglistenplatz 1 das nächste große Ziel von "Snakebite". In der sogenannten Order of Merit, die nach dem gewonnen Preisgeld innerhalb von zwei Jahren ermittelt wird, schlagen die 500.000 Pfund WM-Belohnung hart ins Kontor. Läppische 15.250 Pfund trennen Wright noch von Platz 1, den Vorjahres-Weltmeister Gerwyn Price trotz Viertelfinal-Aus verteidigt hat. "Am Ende dieses Jahres sollte ich die Nummer eins sein. Und das als erster Schotte in der Geschichte", betont Wright.

Wright warf Dartpfeile auf Bäume

Dass diese Töne mal aus dem Mund des Schotten kommen würden, war Jahrzehnte lang nicht absehbar. Wright, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst, wirft als Kind Dartpfeile auf Bäume, auf die er vorher eine Scheibe gemalt hatte. Doch mit der Darts-Karriere wird es zunächst trotz großem Talent nichts, stattdessen muss sich Wright mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Auf dem Bau, am Fließband, als Reifenmonteur. 1995 taucht Wright zum ersten Mal im Fernsehen auf, als er bei der Amateur-Weltmeisterschaft in der ersten Runde ausscheidet. Damals noch ohne Irokese.

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Peter Wright mit seiner Frau Joanne und Schwiegervater Paul.

(Foto: picture alliance / empics)

2004 wechselt Wright schließlich zur Profidartorganisation PDC. In der Hoffnung auf höheres Preisgeld. Doch die Erfolge bleiben jahrelang aus. Er verbessert sich bis Ende 2013 zwar auf Rang 16 in der Weltrangliste, seine Einnahmen decken aber immer noch nicht die Ausgaben, um weiter ein Leben als Vollprofi zu führen. Deshalb fasst Wright einen Entschluss: Nach der WM Ende 2013/Anfang 2014 soll Schluss sein mit Darts.

Doch dann erreicht Wright sensationell das WM-Finale und wird deshalb in die finanziell lukrative Premier League eingeladen. Wright hat Anfang 2014 wieder Geld in der Tasche. Er macht weiter und ist acht Jahre später zweifacher Darts-Weltmeister.

Im Team mit seiner Frau Joanne, die nicht von seiner Seite geht. Sie ist es, die ihn immer wieder auf den richtigen Weg bringt. Joanne ist nicht nur Partnerin und Vertraute, sondern auch Managerin und Stylistin ihres Mannes. Vor seinen Spielen übernimmt die Besitzerin eines Friseursalons die zeitintensive Aufgabe, Wrights Irokesenfriseur und Outfits zu gestalten. Und wenn er jetzt gehen würde, so als zweimaliger Weltmeister, wird Wright nach seinem Triumph gefragt. "Ich trete nicht zurück, nicht jetzt. Joanne würde mich nicht lassen."

Quelle: ntv.de

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