Sport

Herrmann relativiert Aussagen Schlüsselfrage im Segel-Drama wohl geklärt

Beinahe einmal rund um die Welt segelt Boris Herrmann unfallfrei, kurz vor dem Ziel der Vendée Globe wird der Deutsche aber jäh gebremst: Die Kollision mit einem Fischerboot zerstört die Hoffnungen auf eine Sensation. In der Schuldfrage gibt es eine Annäherung.

Weltumsegler Boris Herrmann hat der Darstellung des Kapitäns des spanischen Fischkutters, mit dem er bei der Vendée Globe zusammengestoßen war, widersprochen. In der "Süddeutschen Zeitung" hatte Kapitän Josu Zaldumbide von der "Hermanos Busto" gesagt, er und seine Mannschaft hätten Herrmanns Jacht nicht kommen sehen. "Unser AIS (Automatische Identifikationssystem) hat das Segelboot auch nicht angezeigt, zu keinem Zeitpunkt", sagte er und betonte, dass das AIS, durch das Schiffe Navigations- und Schiffsdaten austauschen, eingeschaltet gewesen sei.

Dem widersprach Herrmann: "Das war es eindeutig nicht. Das können wir ja sehen im Daten-Log", sagte er in der ARD. Fischer würden ganz oft das AIS ausschalten. "Kein Vorwurf an irgendjemanden. Das ist wahrscheinlich ganz normal. Die stehen ja auch in Konkurrenz zueinander und man will ja auch nicht immer seine Position verraten", sagte der Hamburger. "Das war Riesenpech". Der 39-Jährige hatte sich schon zuvor ähnlich geäußert. "Das sollte er nicht sagen, verdammt!", meinte Zaldumbide in der "Süddeutschen Zeitung" dazu.

Später relativierte Herrmann seine Aussagen dann: "Ich habe den Schiffseigner angerufen und erst einmal gefragt, ob alles okay ist", sagte der Hamburger am Freitag in einer Online-Pressekonferenz. "Wir haben uns nett unterhalten. Auf jeden Fall keine Vorwürfe von meiner Seite." Sie hätten sich "nett gegenseitig beieinander entschuldigt", so der Weltumsegler. "In der Hast der Situation habe ich das als die einfachste und naheliegendste Erklärung wahrgenommen, weil ich schon das ein oder andere Fischerboot gesehen habe, das kein AIS anhatte."

Der Umweltverband WWF Deutschland bekräftigte, dass in der Fischerei das AIS häufig unerlaubt ausgeschaltet werde. "So lassen sich die Aktivitäten auf dem Meer nicht mehr nachvollziehen", sagte WWF-Fischereiexperte Philipp Kanstinger. Das führe nicht nur dazu, dass sich die Unfallgefahr auf See erhöhe, sondern auch, "dass geltende Gesetze auf See umgangen und Überfischung und illegaler Fangpraxis die Tore geöffnet werden".

Das Portal Marine Traffic, über das sich die Positionsdaten von Schiffen weltweit nachvollziehen lassen, stützt ebenfalls die Aussagen von Herrmann: Das Unternehmen generiert seine Daten "aufbauend auf einer Datenbasis, die von unserem Netzwerk von AIS-Empfangsstationen an der Küste gesammelt und durch Satellitenempfänger ergänzt wird". Dort stammt das letzte Signal der "Hermanos Busto" vom 20. Januar 2021.

Herrmanns unheilvolle Begegnung mit dem Fischerboot geschah etwa 90 Seemeilen vor dem französischen Küstenort, ausgerechnet während einer kurzen Schlafphase des Seglers, in der die Jacht auf Autopilot läuft und die Warnsysteme für Schutz sorgen sollen. "Ich habe an einer riesigen Wand hochgeschaut", schilderte Herrmann die bangen Momente später. Unter anderem verfing sich ein Vorsegel in den Kränen des Trawlers, einer seiner Tragflügel (Foils) brach. Dazu hörte er seinen Ausleger mehrfach in die Bordwand des anderen Bootes hämmern. "Es waren echte Schockmomente", erzählte er. Zu seinem Glück schob sich die Rennjacht am anderen Boot vorbei, der Mast blieb stehen. Herrmann und die Besatzung des Trawlers blieben bei dem Unfall unverletzt.

"Unser Schiff hat ein paar Kratzer abbekommen. (...) Ein bisschen Material ist kaputt, wir haben Lackschäden, und wir haben ein bisschen pfuschen müssen, um dann den Fang noch zu beenden", berichtete Zaldumbide. Das AIS habe das Segelboot nicht angezeigt. Er habe versucht, die Seewacht zu erreichen, und in Sorge um Herrmann auch der Jacht zu folgen: "Aber da hatten wir keine Chance." Herrmann solle "ruhig Bescheid sagen, wenn er wieder vorbeikommt", sagte Zaldumbide, "dann gehen wir alle an Deck und applaudieren - aber aus der Ferne."

Quelle: ntv.de, ter/tsi/dpa

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