Die US-amerikanische Tennisspielerin Serena Williams hat sich nach ihrer Niederlage im emotionalen US-Open-Finale im September 2018 in therapeutische Behandlung begeben. In einer Kolumne für das US-Magazin "Harper's Bazaar" erklärte die 37-Jährige, sie habe nach der Niederlage gegen die Japanerin Naomi Osaka nach Antworten gesucht. "Und obwohl ich das Gefühl hatte, Fortschritte zu machen, war ich noch nicht bereit, einen Schläger in die Hand zu nehmen", schrieb sie für das Magazin, in dem sie ungeschminkt in teilweise freizügigen Fotos zu sehen ist.

Beim Endspiel gegen Osaka hatte die jahrelange Nummer eins der Weltrangliste nach verbotenen Zeichen ihres Trainers und heftiger Schiedsrichter-Kritik drei Strafen kassiert, darunter einen Spielverlust. Anschließend hatte sie dem Unparteiischen unterstellt, er würde Männer in dieser Situation anders behandeln. Davon wich sie auch jetzt nicht ab: "Warum werden Frauen als emotional, verrückt und irrational abgestempelt, wenn sie leidenschaftlich werden? Aber wenn das Männer machen, werden sie als leidenschaftlich und stark angesehen?"
In Wimbledon gegen Strycova
Durch den emotionalen Ausbruch war der erste Grand-Slam-Titel für Osaka nach dem Endspiel in den Hintergrund gerückt. Der einzige Weg, die Niederlage abzuhaken, sei eine Entschuldigung bei der 21-Jährigen gewesen, berichtete Williams. Osaka habe sie in ihrer Antwort darin bestärkt, für das zu kämpfen, woran sie glaube. "Als Naomis Antwort kam, sind mir die Tränen das Gesicht heruntergelaufen", schrieb Williams. "Manche Leute verwechseln Wut mit Stärke, weil sie die beiden nicht auseinanderhalten können", habe Osaka ihr mitgeteilt.
Williams bestreitet an diesem Donnerstag das Halbfinale in Wimbledon gegen Barbora Strycova. Die ungesetzte Tschechin, die auf dem 54. Platz der Weltrangliste steht, hatte im Viertelfinale gegen die britische Hoffnung Johanna Konta mit 7:6 (7:5) und 6:1 gewonnen. Mit einem Triumph beim Rasen-Klassiker in London würde Williams, die das Turnier bereits sieben Mal gewonnen hat, ihren 24. Grand-Slam-Titel feiern und den Rekord der Australierin Margaret Court einstellen. Dies war ihr bei den US Open durch die Final-Niederlage in New York nach der Wimbledon-Niederlage im vergangenen Jahr gegen die Deutsche Angelique Kerber erneut verwehrt geblieben.
