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"MvG" bei furioser WM entthront Sherrock und Wright mischen Darts-Welt auf

Unfassbare Präzision an der Scheibe, verrückte Fans im Publikum - die Darts-WM hat die Zuschauer knapp drei Wochen lang verzückt. 849 Mal warfen die 96 Spieler im Londoner Alexandra Palace die Maximalpunktzahl von 180, von der Hobby-Spieler meist ein Leben lang träumen. Das wichtigste Turnier der Welt bot große Emotionen, nicht für möglich gehaltene Sensationen, einen fast handfesten Streit und eine große Überraschung im Titelrennen.

Der Weltmeister: Peter Wright wurde von den großen Rivalen zeitweise als ewiger Zweiter verspottet. Nun hat der Schotte sie eines besseren belehrt: Im Finale besiegte der 49-Jährige nicht bloß seinen Finalfluch - er entthronte Vorjahressieger Michael van Gerwen spektakulär und ist nun neuer Darts-Weltmeister. "Ich wurde Clown genannt, aber wer lacht am Ende am besten?", fragte "Snakebite" rhetorisch nach seinem größten Triumph. Mit dem 7:3-Sieg beendete er furios seine Misere gegen van Gerwen, dem er zuvor in neun Major-Finals immer unterlag. Wright warf gegen seinen bisherigen Angstgegner "MvG" sieben perfekte Darts und checkte mit beeindruckender Sicherheit aus. Ziemlich weltmeisterlich also. Dass der oft gebeutelte Außenseiter und nicht der Primus aus den Niederlanden am Ende die 25 Kilogramm schwere Sid Waddell Trophy und den Siegerscheck von 500.000 Pfund erhielt, passte zu einer WM mit dem Darts-Märchen von Fallon Sherrock (siehe weiter unten).

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Der entthronte Primus: Dass er nun seit genau sechs Jahren die Weltrangliste anführt, konnte Michael van Gerwen kaum trösten. "The Green Machine", wie der Niederländer genannt wird, verpasste seine erste Titelverteidigung und muss weiter auf WM-Titel Nummer vier warten. "Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber was soll ich machen? Peter hat hervorragend gespielt", sagte van Gerwen im Anschluss an die Partie. Er zeigte sich als fairer Verlierer. Der Ranglistenerste hat zwar 15 Titel und damit so viele wie kein anderer Spieler in dieser Saison geholt - der wichtigste Pokal des Jahres ging allerdings an Wright, der ab sofort als Nummer zwei der Welt geführt wird. Festzuhalten bleibt aber: Das Duell auf allerhöchstem Niveau war nach knapp drei Wochen WM ein beeindruckender Schlusspunkt und echte Werbung für den Sport.

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Der Darts-Traum von Fallon Sherrock geht weiter.

(Foto: dpa)

Die Palastkönigin: Fallon Sherrock schaffte es mit ihrem furiosen Lauf ebenfalls in die Geschichtsbücher. Die Engländerin hat mit dem ersten Sieg einer Frau bei einer WM für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Doch damit nicht genug: Wenige Tage später schlug die 25-Jährige auch noch Österreichs Weltklassespieler Mensur Suljovic und erreichte die dritte Runde. Der Weltverband PDC vermarktet die Sensation so gut wie irgendwie möglich. Die alleinerziehende Friseurin darf in Kürze als erste Frau in der Premier League spielen, bei der Welttournee wird sie Auftritte in den USA, Neuseeland und auch in Deutschland haben. Ihre Teilnahme an der Frauen-WM zu Jahresbeginn hat sie abgesagt, nachdem kurzfristig die Preisgelder gekürzt wurden.

Der ewige Rüpel: Viel hat nicht gefehlt, und es wäre im Halbfinale auf der großen Bühne im "Ally Pally" zu einem handfesten Eklat gekommen. Der frühere Rugby-Profi Gerwyn Price jubelte einmal so überschwänglich mit der Faust in Richtung seines Rivalen Peter Wright, dass kurzzeitig eine Eskalation befürchtet werden musste. Muskelprotz Price musste sich aber trotz großspuriger Ansagen und provokanter Posen vorzeitig aus dem Turnier verabschieden, er verpasste das Traumfinale gegen Primus Michael van Gerwen. Seine Pleite gegen Wright kam überraschend, schließlich hatte der Waliser einen "6:0-Sieg" angekündigt. Eine Erklärung für das Aus hatte er schnell, er machte die von Wright herausgestreckte Zunge verantwortlich. "Ich habe mich danach nie wohlgefühlt und es hat mich angepisst. Ich war ab diesem Punkt Müll und es hat mich einen Platz im WM-Finale gekostet", wütete Price. Stunden später versöhnte sich das Duo.

Die Deutschen: Als großer Hoffnungsträger für die kommenden Jahre darf Deutschlands Nummer eins Max Hopp weiter gelten. Den Durchbruch bei der WM hat er aber erneut verpasst. Der Hesse verlor in Runde drei gegen Litauens Außenseiter Darius Labanauskas und ließ damit eine für ihn günstige Auslosung leichtfertig ungenutzt. Für mehr Begeisterung sorgte derweil Debütant Nico Kurz, der nacheinander die Engländer James Wilson und Joe Cullen besiegte und mit seinem Sprung in Runde drei mehr als zufrieden war. 2020 stehen erneut einige große Events in Deutschland an, unter anderem die Team-WM in Hamburg oder die Europameisterschaft in Dortmund.

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Die nächste Generation: Jung, schlank und selbstbewusst: Niemand verkörpert den Generationswechsel am Darts-Board so sehr wie der Engländer Nathan Aspinall. Der 28-Jährige erreichte zum zweiten Mal in Serie das WM-Halbfinale und verkündete bei Sport1: "Wir haben Hunger. Wir wollen das Geld, und wir wollen die Titel. Wir haben keine Angst mehr vor den großen Namen, vor den Arrivierten."

Quelle: ntv.de, cri/dpa