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Brisante Rückkehr nach 700 Tagen Skandal-Quarterback kämpft gegen alle Zweifel

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Deshaun Watson musste lange pausieren, jetzt kehrt zurück.

(Foto: AP)

Missbrauch und Millionen: Der 27-jährige Deshaun Watson ist einer der talentiertesten Quarterbacks in der NFL, aber auch einer der umstrittensten. Nun gibt er nach elf Spielen Sperre sein Comeback in der stärksten Liga der Welt -ausgerechnet gegen sein Ex-Team.

Rekordvertrag trotz mehr als zwei Dutzend Missbrauchsvorwürfen, Hoffnungsträger eines Football-Teams trotz elf Spielen Sperre: Das Comeback von Deshaun Watson als Profi in der National Football League am Sonntag ist keine normale Rückkehr eines Top-Sportlers. Erzwungene sexuelle Handlungen, obszöne Millionen-Summen, unfassbares sportliches Talent - viel zu viel kommt bei dem 27-Jährigen zusammen.

Watson blickt derweil bei einem Foto in den sozialen Medien durch das Gitter seines Helmes lässig und selbstbewusst in die Kamera, eine weiße "4" prangt auf dem braun-orangenen Trikot - er wirkt absolut bereit. Unter dem jüngsten Instagram-Post des Star-Quarterbacks überschlagen sich seine Follower in Vorfreude. "Die Rückkehr", schreiben die einen und: "Lasset die Wiedergutmachung beginnen!"

Denn das 55. Spiel seiner Karriere ist nicht nur das erste im Trikot der Cleveland Browns, sondern 700 Tage nach seinem bislang letzten Einsatz auch sofort ein Duell mit seinem Ex-Team, den Houston Texans. Und dort, in Texas, wollen nach Angaben ihres Anwalts etwa 10 der 25 Frauen, die ihn verklagt hatten, ins Stadion kommen und dafür sorgen, dass sie nicht in Vergessenheit geraten. Eine explosive Mischung und alles in allem ein enormer Druck für Watson, dem die Browns trotz aller Vorwürfe einen NFL-Rekordvertrag gaben. 230 Millionen US-Dollar bei fünf Jahren Laufzeit, jeder Cent garantiert auch bei Verletzungen oder Sperren.

Kaum noch Hoffnung auf die Playoffs

"Wir haben lange Zeit darauf gewartet, dass er zurückkommt", sagte Runningback Nick Chubb am Mittwoch und berichtete von einer vorfreudigen Atmosphäre in der Mannschaft. Mit vier Siegen und sieben Niederlagen in den Partien ohne Watson sind die Playoff-Hoffnungen nur noch minimal. Die Umstände aber sind alles andere als ideal, schließlich kommt zu den psychischen Aspekten auch ganz praktisch die seit fast zwei Jahren fehlende Spielpraxis - wohl auch deswegen schwieg Watson selbst und vermied rund um das Training den in dieser Saison zu diesem Termin bislang üblichen Austausch des Startelf-Quarterbacks mit den US-Journalisten.

Stattdessen versteckte er sich den Angaben zufolge in der Kabine hinter dicken Kopfhörern und scheinbar beschäftigt mit seinem Smartphone und tat nicht ansprechbar, solange die Journalisten, wie im US-Sport üblich, Zutritt hatten. Gefragt nach den Gründen, verwies Browns-Trainer Kevin Stefanski an die Pressestelle. Dabei waren die ohnehin jedem klar: Watson will seine Ruhe, solange er kann. Der Coach selbst sagt kurz und knapp: "Wir freuen uns, dass Deshaun für uns spielen kann".

Das allerdings passiert zu Leidwesen von Jacoby Brissett. Der Ersatz-Quarterback spielte bislang eine solide Saison, rückt jetzt aber zurück ins zweite Glied. Für das Team anscheinend kein Problem. "Er ist besonders", schwärmte Running Back Nick Chubb von Watson: "Er bringt den Ball genau dorthin, wo er ihn haben will. Die Jungs mögen das. Die Jungs sind begeistert."

Sperre, Geldstrafe, Therapie

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Elf Spiele Sperre, eine Geldstrafe in Höhe von fünf Millionen US-Dollar und eine Therapie: Dazu verdonnerte ihn die NFL, obwohl zwei Geschworenengerichte in Texas auf eine strafrechtliche Anklage verzichteten. Zivilrechtlich gab es in 23 der Fälle inzwischen einen Vergleich mit den Frauen, die Watson für Massagen gebucht und dann mit Berührungen, Ausziehen und sexuellen Handlungen missbraucht haben soll. Als er vor drei Monaten das letzte Mal vor der Presse sprach, beteuerte er wie schon zuvor, nichts falsch gemacht zu haben.

Rein sportlich zeigt sich ab Sonntag, ob Watson noch der Spieler ist, der in seinen Jahren bei den Texans zu den gefährlichsten und besten Quarterbacks der Liga gehörte. Und der dann einen Wechsel erzwingen wollte, weil ihm die Erfolgsaussichten in Houston nicht gut genug waren. Die Aufregung über die Forderung und alle Wechselgerüchte wurden schließlich überlagert von der rasch steigenden Zahl an Klagen. Auch wenn NFL-Boss Roger Goodell ihn wohl gerne noch länger gesperrt hätte - zur Persona non grata wurde Watson trotz alledem in der Liga nicht. Die Browns waren nicht das einzige Team, das ihn verpflichten wollte.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

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