Van Allmen überfährt KameraSki-Gigant Odermatt verzwergt Rivalen trotz radikal verkürzter Strecke

Beim Abfahrtsklassiker in Wengen kann es nur einen Sieger geben: Lokalmatador Marco Odermatt schlägt nach der kleinen Enttäuschung im Super-G zurück. Auf der verkürzten Strecke fährt der Schweizer in einer eigenen Liga.
Dank einer Machtdemonstration erster Güte hat der Schweizer Marco Odermatt die legendäre Abfahrt am Lauberhorn in Wengen gewonnen. Auf seiner wegen des Windes um 1,8 Kilometer verkürzten "Hausstrecke" siegte der 28 Jahre alte Weltcup-Dominator mit 0,79 Sekunden Vorsprung vor dem Österreicher Vincent Kriechmayr. Der Italiener Giovanni Franzoni, am Vortag Erster im Super-G, fuhr mit der hohen Startnummer 28 auf Rang drei (+0,90).
"Ich war heiß und wusste, dass ich in dem verkürzten Rennen ab dem ersten Stockstoß parat sein muss", sagte der Sieger dem SRF. "Darum habe ich viel riskiert. Es hat alles perfekt gepasst. Was ich im Super-G im Kernen-S verloren habe, habe ich dieses Mal gewonnen." Für Odermatt war es disziplinübergreifend bereits der siebte Saisonsieg. Vor einer Woche hatte er schon beim stimmungsvollen Riesenslalom in Adelboden einen Heimerfolg gefeiert. Auch Wengen bleibt ein Lieblingsort des viermaligen Gesamtweltcup-Siegers. Zum fünften Mal stand er dort nun ganz oben auf dem Podest; zum vierten Mal in einer Abfahrt.
Wegen des "Giggiföhns" war die längste Abfahrt im Weltcup rund 70 Minuten vor dem Start zur Sicherheit von 4,5 auf 2,7 Kilometer verkürzt worden. Los ging es deshalb direkt am "Hundschopf", dadurch fehlten die ersten 50 Fahrsekunden. Odermatt, Abfahrtsweltmeister von 2023, hielt dies nicht davon ab, seine siebte Weltcup-Abfahrt zu gewinnen. Es war sein 52. Weltcup-Sieg. Entspannen wollte er sich aber erst, als Franzoni im Ziel war.
Sein eigentlich stärkster Rivale, Teamkollege Franjo van Allmen, riskierte einmal mehr zu viel und wurde Vierter. Ändern möchte er an seinem Fahrstil aber nichts: "Ohne Action wär’s langweilig. Wir haben noch besprochen, wie wir das Brüggli fahren wollen", sagte er dem SRF und machte es doch anders. Nicht gut. "Schlussendlich fahren wir momentan so ein hohes Niveau. Wenn du das verbremst, fährst du nicht aufs Podest." Für einen spektakulären Moment sorgte er auf der Strecke, als er eine Kamera überfuhr: "Die Kamera, die ich abgeräumt habe, habe ich gesehen, ich bin drauf gefahren", sagte er und lachte.
Bester der drei deutschen Starter war der bereits für Olympia qualifizierte Simon Jocher (+2,01). Er holte als 22. immerhin Weltcup-Punkte. Der junge Luis Vogt (37./+2,67) und Routinier Romed Baumann (45./3,17) dagegen, beide noch ohne Teilnorm für die Teilnahme an den Winterspielen, kamen nicht unter die ersten 30.