Ins Fangnetz eingeschlagenSki-Star Vonn stürzt im letzten Rennen vor Olympia

Ihr Traum von Olympia-Gold erhält offenbar einen heftigen Dämpfer: Lindsey Vonn stürzt beim letzten Weltcup vor den Olympischen Spielen. Nach einem weiten Sprung gerät sie aus dem Gleichgewicht und schlägt ins Fangnetz ein.
Speed-Queen Lindsey Vonn ist bei der letzten Abfahrt vor den Olympischen Spielen schwer gestürzt. Die Skirennläuferin aus den USA verlor neun Tage vor dem Goldkampf in Italien beim Weltcup-Rennen in Crans-Montana nach dem ersten Sprung das Gleichgewicht, geriet in Rückenlage und schlug schließlich im Fangnetz ein. Ob sie sich verletzte, ist noch unklar. Das Rennen wurde danach wegen schlechter Sicht bei zunehmendem Schneefall abgebrochen.
"Wir sind nicht ganz sicher, sie wird jetzt untersucht", sagte Vonns Trainer, der frühere Weltklasse-Abfahrer Aksel Lund Svindal, im ORF über die 41-Jährige. Sie habe "ein bisschen Schmerzen im linken Fuß und linken Knie" gehabt, "aber ich bleibe positiv", ergänzte der Norweger.
Vonn blieb anfangs schwer atmend im Schnee liegen, richtete sich aber bald auf. Nach einigen Minuten Behandlungszeit konnte sie selbstständig zu Tal fahren. Unterwegs blieb sie allerdings mehrmals stehen und hielt sich ihr linkes Knie. Die Teilprothese, die ihr das erfolgreiche Comeback ermöglichte, hat sie rechts.
Im Ziel winkte Vonn ins Publikum und verschwand im Untersuchungszelt. Die 41-Jährige ist nach ihrem Comeback die beste Abfahrerin dieses Winters und damit auch Favoritin auf Olympia-Gold.
Vor Vonn, die mit der Startnummer fünf auf die anspruchsvolle Piste "Mont Lachaux" gegangen war, stürzten bereits zwei weitere Athletinnen. Die Österreicherin Nina Ortlieb kam mit einem "blauen Fleck am Kinn" davon, wie sie erzählte. Marte Monsen aus Norwegen musste mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden.
Unverständnis über Abbruch
"Crans-Montana war schon immer eine schwierige Abfahrt, die ein gewisses Limit von den Frauen fordert", sagte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier im ZDF: "Die Präparation ist nicht schlecht, aber nicht ganz gleichmäßig, das ist eine extreme Herausforderung." Die Stürze führte er auf "individuelle skifahrerische Fehler" zurück.
Die Athletinnen im Startbereich, darunter Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann, reagierten mit Unverständnis auf den Abbruch und diskutierten die Entscheidung aufgebracht untereinander. "Alle haben gesagt: Wir verstehen die Absage nicht so hundertprozentig", meinte Athletensprecherin Cornelia Hütter aus Österreich. Renndirektor Peter Gerdol hielt dem entgegen: "Wir wollen keine Verletzungen haben."
"Es hat sich nicht wie irgendetwas Verrücktes angefühlt", sagte Jacqueline Wiles aus den USA, die zu diesem Zeitpunkt in Führung lag und Vonn im Ziel getröstet hatte, über ihre Fahrt. Wiles zeigte aber auch Verständnis für die Rennjury: "Es ist ein harter Tag. Man sollte jede schützen." Ortlieb ergänzte: "Wenn die beste Skifahrerin, Lindsey Vonn, auch scheitert, dann zeigt das schon, dass die Piste aktuell sehr anspruchsvoll ist."
Weidle-Winkelmann fand es "trotzdem gut, dass wir Rennen fahren können". Das gilt für sie nun erst am Samstag. Dann ist ein Super-G angesetzt, am Sonntag (jeweils 11.00 Uhr) soll als letztes Rennen vor Olympia eine Männer-Abfahrt stattfinden.