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Super Freitag - maues Team Skispringer bremsen Medaillen-Hoffnungen

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Richard Freitag springt vorneweg - das Team leider meist nur hinterher.

(Foto: AP)

Richard Freitag meldet sich bei der Skiflug-WM mit einem dritten Platz imposant zurück. Kurz vor den Olympischen Winterspielen sorgt er damit beim Deutschen Skiverband für Zuversicht auf Edelmetall. Doch Bundestrainer Schuster rechnet nicht mit einem Medaillenregen.

Werner Schuster wirkte reichlich verschnupft. Und das lag keineswegs nur an der Grippe, die den Skisprung-Bundestrainer zu Beginn der Flug-WM in Oberstdorf ans Bett gefesselt hatte. "Um es ganz nüchtern zu sagen: Uns hat die Qualität gefehlt", meint ein zerknirschter Schuster nach dem missglückten Abschluss der Titelkämpfe. Platz vier im Team-Wettbewerb war ein Warnschuss: Keine drei Wochen vor Olympia ist nur der grandios zurückgekehrte Richard Freitag ein Medaillenanwärter.

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Comeback nach Maß: Freitag holte bei der Skiflug-WM direkt die Bronzemedaille.

(Foto: imago/Eibner Europa)

Verständlich, dass Freitag, der nach zwei Wochen Verletzungspause mit Einzel-Bronze gleich wieder durchstartete, von einem "geilen Wochenende" sprach und die "Stimmung mitnehmen" will in Richtung Pyeongchang, wo am 10. Februar die erste olympische Entscheidung ansteht. Der Sachse ist derzeit die klare deutsche Nummer eins, seine Rückkehr für Oberstdorf war geradezu herbeigesehnt worden - die vor Saisonbeginn höher gehandelten Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler können trotz vereinzelter Lichtblicke derzeit die hohen Erwartungen nicht erfüllen. "Die anderen sind im Moment nicht auf dem Niveau, mit dem wir um Medaillen mitspringen können", sagt Schuster nach der Enttäuschung im Teamfliegen, als Sieger Norwegen fast 70 Meter Vorsprung auf die DSV-Adler hatte. Ohne Freitags Rückkehr wäre die gesamte WM eine komplette Pleite geworden.

Im Einzel Top, im Team Flop

Sorgenkind ist vor allem der Teamwettbewerb. 2015 und 2017 blieb Deutschland trotz herausragender Ergebnisse in den Einzelwettbewerben ohne WM-Medaille, ein erneuter Sensationscoup wie beim Olympiasieg 2014 in Sotschi scheint illusorisch, auch wenn Schuster sagt: "So weit ist Norwegen nicht voraus, bei den nächsten Großereignissen wird es enger. Zwischen Platz eins und sechs ist alles möglich." Aus dem Sotschi-Goldteam, in dem Freitag einst aus Formschwäche keinen Platz fand, ist nur noch Wellinger dabei. Andreas Wank und Marinus Kraus sind völlig außer Form - und Leitwolf Severin Freund fällt seit mehr als einem Jahr verletzt aus.

Erstaunlicherweise sorgt aber das Fehlen einer deutschen Nummer eins regelmäßig für einen Leistungsschub in der zweiten Reihe. Als Freund dominierte, machten es sich Freitag und Wellinger dahinter in der Komfortzone bequem, nach Freunds Verletzung schossen in der Vorsaison Wellinger und Eisenbichler durch die Decke. Und Wellinger drehte zuletzt nach Freitags Sturz und Ausfall richtig auf, wurde Tourneezweiter.

Jetzt glänzt Freitag wieder, doch er allein reicht nicht. "Was nutzt es im Teamwettbewerb, wenn Richard einem Stoch 20 Punkte abnimmt, Eisenbichler gegen Kubacki aber 30 Punkte verliert?", fragt Schuster. Hinzu kommt das Problem mit Position vier. Bei der WM 2017 war es dort Stephan Leyhe, der die Team-Medaille verspielte. Auch in Oberstdorf komplettierte Leyhe das Quartett, solide, aber als klar schwächster Deutscher. Mit Karl Geiger, einzige Alternative in Pyeongchang, hätte es nicht anders ausgesehen. "Unser vierter Mann ist nicht in der Lage, Akzente zu setzen. Er wird mitgezogen", sagt Schuster.

Und nun? "Wir müssen schauen, dass wir im Wettkampfrhythmus bleiben und uns gut auf Pyeongchang einstellen", so der Bundestrainer. Vor Olympia stehen nur noch die stressigen "Party-Weltcups" in Zakopane und Willingen an. Schusters Planungen macht dies nicht leichter.

Quelle: n-tv.de, Christoph Leuchtenberg, sid

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