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Jung, talentiert, stottert nicht: Fabiano Caruana hat das Zeug zum Posterboy.
Jung, talentiert, stottert nicht: Fabiano Caruana hat das Zeug zum Posterboy.(Foto: dpa)
Mittwoch, 28. März 2018

Hoffnung auf Hype um Caruana: Smarter US-Boy macht Schachwelt glücklich

Die Schach-Offiziellen hätten sich das Auswahlturnier zur WM nicht besser ausdenken können: Ihr Wunschkandidat Fabiano Caruana darf sich mit Weltmeister Magnus Carlsen duellieren. Der zurückhaltende US-Amerikaner gilt als neuer Posterboy des Sports.

Beim Gang durch das Blitzlichtgewitter der Fotografen wirkte Fabiano Caruana ein wenig verloren. Dass er nach seinem Erfolg beim Schach-Kandidatenturnier in Berlin derart im Mittelpunkt des Interesses stand, war dem schüchternen US-Amerikaner sichtbar unangenehm.

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Doch Caruana wird sich daran gewöhnen müssen. Denn sein WM-Kampf im November in London gegen den norwegischen Weltmeister Magnus Carlsen elektrisiert die Schach-Welt schon jetzt. Besonders für Ausrichter Agon, der sich eine bessere Vermarktung des kühlen Denkersports auf die Fahnen geschrieben hat, ist das bevorstehende "CaCa-Duell" schließlich ein Geschenk. Erstmals seit dem legendären Bobby Fischer kämpft ein US-Amerikaner um die Krone. Die Offiziellen hoffen nun auf einen Hype, vergleichbar mit dem um Fischer in den 1970er-Jahren - oder mit dem "Wahnsinn" um Carlsen. Nach dessen erstem WM-Triumph waren in Norwegen prompt die Schachbretter ausverkauft gewesen.

Caruana ist der "würdigste Kontrahent"

"Das ist ohne Zweifel der größte Moment meiner Karriere", sagte Caruana, nachdem er sich im achtköpfigen Teilnehmerfeld von Berlin durch den fünften Sieg bei acht Unentschieden und einer Niederlage durchgesetzt hatte. An Carlsen schickte der 25-Jährige zudem eine vorsichtig formulierte Kampfansage. "Er ist zwar der beste Schachspieler der Welt und einer der Größten aller Zeiten", sagte Caruana dem ZDF, "aber er ist noch immer ein Mensch. Auch er macht Fehler." Carlsen wiederum gratulierte via Twitter umgehend zu "einem hochverdienten Sieg". Schon während des 18-tägigen Turniers hatte der Titelverteidiger Caruana als seinen "würdigsten Kontrahenten" geadelt.

Anders als gegen viele andere Spitzenspieler liegt er in der Bilanz gegen den zwei Jahre jüngeren Kontrahenten nur leicht vorne. Der Respekt vor dem neuen Herausforderer, der mit 2844 einst die dritthöchste Elo-Zahl der Geschichte aufwies, ist entsprechend groß. Wie viele Schachspieler ist Caruana im Grunde ein eher unscheinbarer Typ. Ein schmächtiger Junge mit dicken Brillengläsern und krausem Lockenkopf. Doch in der nach wie vor etwas eigenen Welt des Schachsports ist er damit quasi schon ein Posterboy. Er stottert oder lispelt nicht wie einige seiner Konkurrenten und ist mit seiner nüchternen Klarheit beinahe ähnlich charismatisch wie der Schach-Popstar Carlsen.

Mit 10 besiegte er erstmals einen Großmeister

1992 in Miami als Sohn eines US-Amerikaners und einer Italienerin geboren, wuchs er im New Yorker Stadtteil Park Slope auf, dort, wo einst auch Bobby Fischer lebte. Im Alter von sechs Jahren nahm er Unterricht beim bekannten Schach-Lehrer Bruce Pandolfini, schlug mit zehn erstmals einen Großmeister. Als er zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Europa, wo er bald internationale Turniere für Italien spielte.

Zehn Jahre lang saß Caruana für Italien am Brett, erst im Mai 2015 wechselte er zurück zum Verband der USA. Sein Stern war da bereits aufgegangen. Beim Sinquefield Cup 2014 glückten ihm sieben Siege in Serie gegen die Besten der Welt, darunter einer gegen Carlsen. Schon für das Kandidatenturnier 2016 galt er daraufhin als Favorit, doch der Russe Sergej Karjakin schnappte ihm den Sieg in der letzten Runde vor der Nase weg.

Zwei Jahre später ist es nun so weit - und die Schach-Welt jubiliert angesichts des Duells der beiden einstigen Wunderkinder. Ein erstes Aufeinandertreffen der Kontrahenten könnte es bereits am Wochenende in Karlsruhe bei den "Grenke Chess Classic" geben. Caruana gibt sich selbstbewusst: "In Karlsruhe werde ich Magnus einen Vorgeschmack darauf geben, was ihn bei der WM erwarten wird."

Quelle: n-tv.de