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Raketenstart ins WM-Jahr Speerwerfer Röhler bangt um Kameramänner

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Thomas Röhler hat im Speerwerfen einen neuen deutschen Rekord aufgestellt - der bald der Weltrekord sein könnte.

(Foto: picture alliance / Michael Kappe)

Thomas Röhler sorgt gleich im ersten Leichtathletik-Wettkampf des Jahres für mächtig Aufsehen. Sein deutscher Rekord könnte bald sogar der Weltrekord sein. Dabei gehe es noch weiter, sagt der 25-Jährige und hat eine Bitte an die Kameramänner.

Da hatte der Kameramann mächtig Glück: 95 Meter hinter der Abwurflinie der Speerwerfer hatte er seine Position bezogen - bei 93,90 Meter schlug der Speer von Thomas Röhler ein. Direkt vor dem hartgesottenen Mann, der noch nicht einmal zuckte. Konnte ja auch niemand ahnen, dass der 25-Jährige direkt im ersten Wettkampf der Saison - beim Diamond-League-Meeting in Doha (Katar) - den deutschen Rekord verbessert. Der wurde seit 1995 von Raymond Hecht gehalten und stand bei 92,60 Meter.

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Wobei, dass niemand daran geglaubt hat, ist nicht richtig: Thomas Röhler selbst schon. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte er dem Portal leichtathletik.de gesagt: "Der deutsche Rekord ist die nächste Etappe, die ich im Kopf habe. Der ist nicht so weit weg. Da geht was." Damals hatte er gerade den Olympiasieg in Rio de Janeiro gefeiert und seine persönliche Bestleistung auf 91,28 Meter verbessert.

"Weltrekord ist im Kopf näher gerückt"

Und wie reagiert ein Olympiasieger auf die herausragende neue persönliche Bestleistung zum Saisoneinstieg und den damit weitesten Wurf seit 20 Jahren? "Wie nah das am perfekten Wurf war? Zumindest war er nicht perfekt", sagte der Jenaer: "Es hat ja schließlich schon jemand weiter geworfen, also kann es noch besser gehen." Genau einer hat schon weiter geworfen: Der Tscheche Jan Zelezny - und zwar 98,48 Meter. Das war im Jahr 1996 und wirkt wie aus einer anderen Zeit.

Geht es nach dem Europäischen Leichtathletik-Verband EAA, könnte dieser Fabel-Weltrekord bald gestrichen werden. Geplant sind mit einer Doping-Reform, dass Weltrekorde nur noch gültig sind, wenn die Athleten unter anderem eine Mindestanzahl an Dopingproben vorweisen können. Und so könnte der im Jahr 2006 zurückgetretene Zelezny seinen Weltrekord bald verlieren.

Nutznießer wäre dann Röhler, der sagt, dass er "nie ein großer Freund von Zahlen und Statistiken" war. Dennoch, der Weltrekord beschäftigt ihn. Im Januar hatte er leichtathletik.de gesagt: "Der Weltrekord ist im Kopf wesentlich näher gerückt. Der Trainer (Harro Schwuchow, Anm.d.Red.) und ich bemühen uns immer, die Grenzen im Kopf offen zu halten, um alles möglich zu machen. Es wäre falsch, wenn mein Kopf mir vorgeben würde: 'Halt mal den Ball flach, so weit kann man gar nicht werfen.'" Sein Trainer betone immer wieder, dass es nur physikalische Grenzen gebe. Und die würden nicht einmal die 100-Meter-Marke verbieten.

32 Meter mit dem Streichholz

Aller Rekorde zum Trotz; lieber beschäftigt er sich mit seiner aktuellen Konkurrenz - die zu großen Teilen aus dem eigenen Land kommt und mit denen er im Trainingslager ein Video zur Eigenwerbung veröffentlichte - und seiner Technik. Im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten ist er kein Muskelprotz. Dies begründet der 25-Jährige damit, dass die Explosivität entscheidend sei, nicht die Masse: "Klar, eine gewisse Grundstärke braucht man auch, um den leichten Speer zu beschleunigen, aber die kann in jeder Größe von Muskel stecken."

Thomas Röhler schafft es übrigens noch sehr viel leichtere Dinge als den Speer zu beschleunigen: Ein Streichholz etwa. Das wenige Gramm leichten Hölzchen wirft er, wie er sagt, auf 32 Meter. Mit dem 800 Gramm schweren Speer geht es natürlich viel weiter. Dass nun gleich zu Saisonbeginn der deutsche Rekord fällt, damit hatte Röhler nicht gerechnet: "Zu diesem frühen Saisonzeitpunkt sind die 93 von heute schon gigantisch. Wir werden aber von unserem Weg Richtung WM nicht abweichen." Denn im August könnte er sich in London als erst dritter Speerwerfer nach Zelezny und dem Norweger Andreas Thorkildsen zum Olympiasieger und Weltmeister krönen.

Dann sollte der Kameramann vorsichtshalber ein paar Meter zurückrücken. Das wünscht sich übrigens auch Röhler: Er möchte "keinesfalls eines Tages einen Kameramann treffen", sagte er: "Deshalb sollten sie fünf Meter weiter nach hinten platziert werden. Dann sind alle Kameramänner erst einmal wieder sicher - eine Zeit lang."

 

Quelle: n-tv.de

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