Sport

"Wenn es Schwarze gewesen wären" Stars kritisieren Polizei nach Kapitol-Sturm

fb99544fe02c007a5eaa01473860e437.jpg

Protestaktionen gab's bei gleich mehreren Spielen der NBA.

(Foto: USA TODAY Sports)

Kaum eine Liga im US-Sport hat sich seit dem Frühjahr so für einen Wandel in der Gesellschaft eingesetzt und Rassismus verurteilt wie die NBA. Vor allem die Basketballer reagieren nun geschockt auf den Sturm auf das Kapitol und sind besonders sauer über die Umstände.

US-Sportler haben entsetzt auf den Sturm von Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump auf das Kapitol in Washington reagiert und eine offensichtliche Ungleichbehandlung angeprangert. Im Gegensatz zur Absicherung der Regierungsgebäude im Sommer wegen der Demonstrationen unter dem Motto "Black lives Matter" habe er weder die Armee noch die Nationalgarde gesehen, sagte der Trainer der Philadelphia 76ers, Doc Rivers, vor dem Heimspiel gegen die Washington Wizards.

"Das ist in vielerlei Hinsicht ein Beweis für ein privilegiertes Leben", sagte Rivers. "Können Sie sich heute vorstellen, was passiert wäre, wenn das alles Schwarze gewesen wären, die das Kapitol gestürmt hätten?", fragte Rivers. "Keine Polizeihunde, die gegen Menschen eingesetzt wurden, keine Schlagstöcke, die Menschen treffen. Leute, die friedlich aus dem Kapitol eskortiert werden. Also zeigt das, dass man eine Menge auch friedlich auflösen kann."

"Peinlich und beschämend" nannte der Coach der New Orleans Pelicans, Stan Van Gundy, den Sturm auf das Kapitol in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Der Trainer der Orlando Magic, Steve Clifford, sagte: "Unser Land wird in der ganzen Welt ausgelacht. Angefangen damit, wie wir mit der Pandemie umgegangen sind, bis zu dem jetzt (...) es ist ein trauriger Tag für jeden."

Symbolische Aktionen vor NBA-Spielen

Die Basketball-Profis der Boston Celtics um Nationalspieler Daniel Theis und von Vizemeister Miami Heat knieten beim Abspielen der Nationalhymne vor der Partie. Zudem veröffentlichten die Spieler eine gemeinsame Stellungnahme. "Der drastische Unterschied zwischen dem Weg, wie Demonstranten im vergangenen Frühjahr und Sommer behandelt wurden, und der Ermunterung für die Demonstranten heute, die illegal gehandelt haben, zeigt, wie viel mehr Arbeit wir zu erledigen haben", hieß es.

"Sie arbeiteten mit einer "Gewinne-um-jeden-Preis"-Attitüde", kritisierte Celtics-Coach Brad Stevens die Trump-Administration. Es werde ein schlimmes Ende mit der Regierung nehmen, worauf er sich freue, sagte der NBA-Coach. Celtics-Star Jaylen Brown verlor nach dem 107:105-Sieg zunächst kein Wort über die Partie, sondern sprach von der Ungleichbehandlung von weißen und schwarzen Amerikanern.

Die Spieler der Milwaukee Bucks und der Detroit Pistons gingen nach dem Sprungball auf ein Knie und wiederholten die Geste nach dem Wechsel des Ballbesitzes ein zweites Mal. Die Phoenix Suns und die Toronto Raptors hakten sich bei der Hymne in einem großen Kreis unter, vor dem Duell der Golden State Warriors mit den Los Angeles Clippers gingen die Teams ebenfalls auf ein Knie. "Sie sind keine verdammten Demonstranten, es sind verdammte Terroristen", sagte Warrior Draymond Green.

Kritik an den Sicherheitskräften

US-Fußballerin Megan Rapinoe und die Turnerin Simone Biles teilten mehrere Tweets, die das Verhalten der Sicherheitskräfte im Vergleich zu deren Umgang mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt kritisierten. Der Quarterback der Seattle Seahawks, Russell Wilson, appellierte, die USA "müssten als Nation zusammenkommen". Für Mittwoch waren elf NBA-Spiele angesetzt, jede Partie wurde zu Ende gespielt. Noch ist unklar, ob die Teams, die während der Hymne knieten, eine Strafe befürchten müssten. Die NBA hat seit Jahrzehnten eine Regel, wonach Spieler und Trainer beim Spielen der Nationalhymne stehen müssen.

Der Angriff auf das Kapitol war erfolgt, nachdem der noch amtierende US-Präsident Donald Trump bei einem Auftritt vor seinen Anhängern dazu ermutigt hatte, zum Parlamentssitz zu marschieren - allerdings friedlich. Dort sollte der Kongress die Ergebnisse der Präsidentenwahl zertifizieren, bei der Trump dem Demokraten Joe Biden unterlegen war. Trump behauptet, er sei durch massiven Wahlbetrug um den Sieg gebracht worden. Dafür gibt es keine Beweise.

Quelle: ntv.de, tno/dpa