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Historisches Brüder-Duell in NBA Steph oder Seth - wer wird der Curry-King?

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In der regulären Saison ist das Curry-Duell zwischen Seth (l.) und Steph kein Aufreger mehr. Doch in den NBA-Halbfinals treffen zum ersten Mal in der Liga-Geschichte zwei Brüder aufeinander.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Das gab es in der NBA-Historie noch nie: Mit Steph und Seth Curry treffen erstmals zwei Brüder im Playoff-Halbfinale aufeinander. Steph ist mit Golden State der Favorit, Seth steht erstmals in der K.-o.-Runde. Bislang hat er diese Spiele als Zuschauer verfolgt - und als Fan des Bruders.

Sonya und Dell Curry haben ein Problem - zugegeben ein luxuriöses. Ihre beiden Söhne, Steph und Seth, stehen sich ab der Nacht zu Mittwoch im Playoff-Halbfinale der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA gegenüber. Steph spielt für Meister Golden State Warriors, Seth bei den Portland Trail Blazers. Und das bringt die Eltern ein wenig in die Bredouille. Wem die Daumen drücken? Wessen Trikot anziehen? "Wir werden eine Münze werfen", sagt Vater Dell.

Und um zu ermitteln, wer zuerst die Münze werfen darf, wollen sie - natürlich - eine Münze werfen. Der Sieger darf sich dann einen Sohn aussuchen und dessen Trikot anziehen. Der Verlierer unterstützt den anderen Sohn. Und vor jedem Spiel wird dieses Prozedere wiederholt. Bis einer der Söhne mit seinem Team viermal gewonnen und somit die Endspielserie erreicht hat. "Normalerweise werde ich nicht nervös, wenn ich den einen oder den anderen spielen sehe", sagt Dell Curry, der einst selbst 16 Jahre lang NBA-Profi war. Aber nun, betont er, da beide gegeneinander antreten, da sei er "schon ein bisschen aufgeregt."

Win-win-Situation für die Eltern

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Wer kann es ihm verdenken? Es ist schließlich das erste Mal, dass der 31 Jahre alte Wardell Stephen Curry II und sein drei Jahre jüngerer Bruder Seth Adam Curry in der K.o.-Runde aufeinandertreffen. Mehr noch: Curry gegen Curry ist das erste Bruderduell in einem Playoff-Halbfinale der NBA-Geschichte. "Eigentlich ist es für unsere Eltern eine Win-win-Situation. Denn sie werden auf jeden Fall einen von uns in den Finals sehen", sagt Steph Curry.

Er hatte Seth am Sonntag sofort eine SMS geschrieben, als dieser mit Portland das entscheidende siebte Spiel der Serie bei den Denver Nuggets gewonnen und somit das Halbfinale erreicht hatte: "Ich sehe dich am Dienstag (Anmerk. d. Red: deutscher Zeit schon Mittwoch)." Er freue sich drauf, betont Seth. In den Vorjahren hatte er die Playoff-Spiele seines Bruders immer von der Tribüne aus verfolgt - als Fan. Nun ist er erstmals selbst dabei. Gegen Steph im Western Conference-Finale zu spielen, sei "noch schwer zu begreifen", aber auf jeden Fall "ein Traum, der für beide wahr" werde, sagt Seth Curry.

Der Superstar gegen den "kleinen" Curry

Er ist nicht nur der jüngere, sondern auch der "kleine" Curry. Und das liegt am allerwenigsten an den drei Zentimetern, die er weniger misst als Steph. Vielmehr ist dieser einer der Superstars der Liga. Steph Curry ist selbstverständlich nichts in den Schoß gefallen, er musste sich alles hart erarbeiten. Der Warrios-Spielmacher ist einer der erfolgreichsten Profis der jüngeren NBA-Vergangenheit. Dreimal Meister, zweimal wertvollster Spieler (MVP), sechsmal Allstar, bester NBA-Scorer 2016. Hinzu kommen noch die Weltmeistertitel 2010 und 2014. Als bei der Draft. der jährlichen Talentauswahl, im Jahr 2009 die NBA-Klubs unter den besten Nachwuchsspielern der Welt aussuchen durften, fand er bereits als Siebter mit Golden State einen Klub.

Für Seth interessierte sich bei der Draft 2013 hingegen niemand. Er ist ohnehin einen komplett anderen, einen weitaus steinigeren Weg gegangen, um dort hinzukommen, wo er jetzt ist. Seine größten Erfolge: Zweimal Allstar-Team der Nachwuchsliga D-League - und der WM-Titel mit der U19 im Jahr 2009. Im Herbst 2013 durfte er mal bei den Warriors vorspielen, wurde nach sechs Testpartien weitergeschickt. Es folgten Memphis, Cleveland, Phoenix, Sacramento, Dallas. Currys Verweildauer reichte von einem NBA-Spiel bis maximal einer Saison. Die Spielzeit 2017/18 verpasste er wegen einer Schienbeinverletzung komplett. Steph spricht von einer "interessanten Reise" seines Bruders. Beide seien unterschiedliche Wege gegangen, aber das Selbstbewusstsein von Seth sei trotz schwerer Rückschläge nie gesunken. Seth sei einfach jemand, der sich schinden könne, um als Ziel zu kommen, betont Steph mit stolzer Stimme.

Erste Duelle vor 20 Jahren in der Haus-Auffahrt

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In Portland scheint Curry endlich so etwas wie eine sportliche Heimat gefunden zu haben. Er kommt zwar, im Gegensatz zu Steph bei den Warriors, von der Bank, stand aber in 74 der 82 Vorrundenpartien auf dem Parkett (Punkteschnitt: 7,9). Und im ligaweiten Ranking der Dreierschützen, wurde er in der der Vorrunde mit 45 Prozent Trefferquote auf Platz drei geführt - eine Position vor Steph. Fairerweise muss erwähnt werden, dass dieser weitaus mehr Versuche hatte. In den Playoffs hat Seth Curry keines der bisherigen zwölf Matches verpasst.

Es ist gut möglich, dass in den kommenden Tagen Steph Seth auf dem Parkett bewachen wird und der kleine Bruder wiederum versucht, die Aktionen seines großen Bruders einzuengen. Derartige Duelle hatte es bereits vor 20 Jahren gegeben. Damals in der Auffahrt des Curry-Hauses in Charlotte. "Manchmal ging's ziemlich hitzig zu, wie das halt unter Brüdern so ist. Und er hat mir immer vorgeworfen, zu betrügen", sagt Steph Curry.

Er ist mit den Warriors der Favorit. Und er kann sich gar nicht vorstellen, "was diese Spiele für die Familie bedeuten." Schließlich werde er schon nervös, wenn er die Partien von Seth im TV verfolge. Als extra Motivation sieht keiner von beiden dieses Aufeinandertreffen. Es geht ja schließlich um den Einzug ins Finale. Und deshalb werden beide ab heute nicht nur Brüder sein, sondern auf dem Parkett vor allem Gegner. Steph Curry geht die Sache diplomatisch an: "Wir können vor den Augen unserer Familie spielen. Lasst uns das einfach genießen."

Quelle: n-tv.de

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