Sport

Lauter Spitzenspiele Super-Sonntag statt Super-Tuesday

Eine alte Fußballweisheit besagt: Wie wichtig ein Spieler ist, erkennt man, wenn er nicht mehr auf dem Platz steht. Der ehemalige Mathelehrer Ottmar Hitzfeld bewies diesen Lehrsatz am vergangenen Wochenende: Er musste den angeschlagenen Spielmacher Frank Ribry zur Halbzeit auswechseln, woraufhin seine Bayern gegen Hansa Rostock trotz 2:0-Führung fast noch den Sieg verspielten.

Die Lehre aus Hitzfelds Unterrichtsstunde: Bayern München ohne Ribry ist wie ein Duracell-Hase ohne Batterie. Zwar hat Ribry bis jetzt nicht mal halb so viele Tore vorbereitet wie der Bremer Ballzauberer Diego, doch allein die Anwesenheit des quirligen Franzosen treibt den Abwehrreihen der Liga Angstschweiß auf die Stirn. Bayern-Gegner Werder Bremen ist da in einer komfortablen Situation. Beim Liga-Gipfel in München wird Ribry am Sonntag verletzt zuschauen müssen.

Problem für Werder: Die Bremer müssen das Spitzenspiel in München dringend gewinnen, um nicht weiter an Boden auf die Bayern zu verlieren. Und um den peinlichen Fehlstart gegen den VfL Bochum vergessen zu machen. Nach endlosen 37 Jahren kamen die grauen Mäuse aus dem Ruhrgebiet zum Rückrundenauftakt trotz eines zwischenzeitlichen 0:1-Rückstands zu ihrem ersten Sieg in Bremen überhaupt.

Dabei scheiterten die Werderaner wie so oft an sich selbst. Das große Problem der Schaaf-Truppe neben der immerwährenden Verletzungsmisere ist: Im Sturm tobt gerade der Kampf um den Titel des „Mr. Chancentod“. Die Kandidaten Aaron Hunt und Markus Rosenberg überboten sich gegen Bochum im Auslassen von Großchancen. Bayerns Abwehr, mit gerade einmal neun Gegentreffern die Beste der Liga und auf dem besten Weg zu einem Rekord für die Ewigkeit, kann das Spitzenspiel daher gelassen angehen.

Weniger entspannt wird es in Dortmund zugehen. Der schlichte Grund: Erzrivale Schalke 04 gibt sich mal wieder die Ehre. Im 131. Revierderby haben beide Teams noch offene Rechnungen zu begleichen – und Angst sich erneut zu blamieren. Beim BVB fürchtet man ähnlich unter die Räder zu kommen, wie beim 1:4 in der Hinrunde. Vor allem, weil die Schalker am vergangenen Wochenende Meister Stuttgart ebenfalls mit 4:1 abfertigten. Pech für "Königsblau": Doppeltorschütze Kevin Kuranyi sah gegen seinen Ex-Klub die fünfte gelbe Karte, weil er sich nach seinem zweiten Treffer entrückt seines Trikots entledigt hatte. Dumm gejubelt.

Mut macht den Dortmundern auch die Genesung ihrer Sturm-Wunderwaffe Alexander Frei. Gegen Duisburg sorgte der Schweizer nach seiner Einwechslung sofort für Alarmstufe Rot im gegnerischen Strafraum. Sein Comeback-Tor hob er sich aber für das große Derby auf.

Freis Rückkehr verzückt die Borussia, umso mehr, da den Schalkern beim Gedanken an den Schweizer ohnehin noch immer die Knie schlottern: Sein Tor zum zwischenzeitlichen 1:0 am 33. Spieltag der vergangenen Saison war der Anfang vom Ende aller Schalker Meisterträume. Unvergessen weil unvergleichlich schön: Das Dortmunder Fan-Transparent mit der Meisterschale und dem Spruch: "Nur gucken, nicht anfassen."

Das wäre eigentlich ein schönes Ende für diesen Text, würde die Bundesliga nicht nur aus den super Sonntagsspielen bestehen. Deshalb noch kurz ein Blick in den Tabellenkeller. Dort will Cottbus im Schatten der beiden Spitzenspiele mal wieder versuchen, endlich, endlich sein viertes Saisonspiel zu gewinnen. Gegen Leverkusen waren die Kicker aus der Lausitz nah dran. Doch zwei nicht gegebene Tore und ein Elfmeter, den man nicht geben muss, sorgten für lange Gesichter im "Stadion der Freundschaft".

Jetzt reist Trainer Bojan Prasnikar mit seinem Team nach Bochum. Der VfL freut sich auf den Besuch aus dem Osten, denn Cottbus ist immer ein netter Gast. Schon seit April 2007 hat Energie nicht mehr auswärts gewonnen. Bochum dagegen ist dank des Premierensiegs in Bremen inzwischen auf Tabellenplatz 11 geklettert und steht damit auch vor dem großen Rivalen aus Dortmund.

Malte Buhse, Sportjournalist und begeisterter Hobbykicker, wirft für n-tv.de jeden Freitag einen Blick auf das kommende Bundesligawochenende.

Quelle: ntv.de

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