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"Überragendes Spiel"Titan Wolff macht Österreicher heiß und kocht sie dann gnadenlos ab

16.01.2026, 07:36 Uhr
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Andreas Wolff spielte groß auf. (Foto: IMAGO/Eibner)

Der deutsche National-Torwart bringt Österreich gegen sich auf - und liefert dann groß ab. Zum Auftakt der Handball-Europameisterschaft liefert Andreas Wolff seinem Team genau das, was es braucht.

Andreas Wolff ist Deutschlands wichtigster Handball-Spieler: Treibt sich der Nationaltorwart zu einer seiner Weltklasseleistungen - und das tut er besonders bei den Großturnieren in berauschender Regelmäßigkeit - kann das DHB-Team gegen beinahe jeden Gegner der Welt gewinnen. Ein Weltklasse-Wolf ist nicht Garant für große deutsche Handball-Momente, aber die Voraussetzung. Das ist bei der gerade mit einem hart erkämpften 30:27 (12:8)-Sieg gestarteten Europameisterschaft nicht anders. Zum Auftakt liefert der Schlussmann mal wieder groß ab - nachdem er sich zuvor den größtmöglichen Druck aufgeladen hatte.

"Anti-Handball"! "Das möchte eigentlich keiner sehen"! "Sehr unattraktiv, auch für uns Spieler"! "Zwei Anführer, die das Angriffsspiel in seiner Hässlichkeit leiten.": Vor dem Duell mit Österreich, das der deutschen Mannschaft zuletzt zwei schmerzhafte Unentschieden abringen konnte, hatte Wolff etwas überraschend in Richtung des Nachbarn gepöbelt. Und sich damit voll in den Fokus gestellt: Österreichische Fans und Medien schäumten.

Der "Kurier" schrieb, dass Wolff "seit Kurzem alles, nur kein Sympathieträger" sei. Das Portal Heute.at wiederum titelte in Anlehnung an die Niederlage der deutschen Fußballer gegen Österreich bei der WM 1978, die als Schmach von Cordoba in die Geschichtsbücher einging: "Deutscher Tormann poltert vor Handball-Cordoba". Auch bei den Spielern war Wolffs Tirade Thema: "Uns spornt das nur noch mehr an", sagte Österreichs Starspieler Nikola Bilyk in der "Kronenzeitung". Torwart Constantin Möstl freute sich bei Sport1: "Wenn jetzt noch der letzte Spieler Motivation gebraucht hat, soll er sich nochmal das Video anschauen, dann sind die letzten Prozentpunkte da, um 100 Prozent zu geben."

"Überragendes Spiel"

Doch der Torwart wurde immer wieder zu vielarmigem Kryptonit für die österreichischen Werfer, die im Angesicht des deutschen Titanen immer wieder zu ungenau zielten. Allen voran Rückraumschütze Bilyk, von Wolffs Provokation eigener Aussage zufolge extra angespornt, kam nie ins Spiel: Am Ende stand nur ein Treffer für den Kieler zu Buche. "Andi hat ein überragendes Spiel gemacht. Nach so einer Aussage muss man liefern - das hat er gemacht", schwärmte Bundestrainer Alfred Gislason.

Nur einmal zerlegte es den deutschen EM-Helden von 2016 kurzzeitig: Als Österreichs Linksaußen Sebastian Frimmel ihm Mitte der zweiten Hälfte aus kurzer Distanz einen Ball voll ins Gesicht zirkelte, ließ sich der schwer gezeichnete Wolff kurz auswechseln. Wenig später kehrte er jedoch zurück, um sein Werk zu vollenden - egal, ob mit Händen und Armen, mit auf Kopfhöhe hochgeschnellten Füßen oder anderen Körperpartien. Zwölf Paraden zeigte Wolff, kurz vor Schluss fraß er beim Stand von 28:25 einen Siebenmeter des zuvor überragenden Frimmel und würgte damit die letzten Hoffnungen des Außenseiters auf einen Coup endgültig ab. Zum Vergleich: Österreichs Torwart Constantin Möstl, der die deutschen Werfer beim 22:22 beim EM-Duell vor zwei Jahren noch zu unfassbaren 22 Fehlwürfen trieb, hielt diesmal insgesamt nur sechs Bälle.

Zuvor hatte Österreich der deutschen Mannschaft tatsächlich das von Wolff prophezeite unangenehme Spiel geliefert. Das von Wolff so schwer gegeißelte ungeliebte 7-gegen-6-Angriffsspiel der Österreicher sorgte für viel Arbeit, insbesondere Lemgos Lukas Hutecek tankte sich in Überzahl immer wieder zum Torerfolg durch. Hart in der Verteidigung schaffte es der Außenseiter mit frühen Stoppfouls mal um mal, den deutschen Angriff ins Stocken zu bringen. So war es mal wieder vor allem die deutsche Defensive, die am Ende einen Start-Ziel-Sieg und damit einen hart erkämpften, aber doch perfekten Start in dieses Turnier ermöglichte.

"Wir können jeden schlagen"

"Ey Jungs, das ist eine phänomenale Abwehr. Wir zermürben sie in der Abwehr", rief Gislason in einer Auszeit in der ersten Hälfte seinen Spielern zu. Hinterher war er zufrieden: "Erstmal bin ich zufrieden mit dem Sieg, dass wir gewonnen haben. Wir haben eine überragende Abwehr gesehen, das ganze Spiel eigentlich. Diese Abwehr macht mir sehr viel Spaß. Aber im Angriff müssen wir uns steigern."

Wolff startete mit einer starken Fangquote von 35 Prozent ins Turnier, das für die deutsche Mannschaft einen - so Wolff - "Albtraum"-Weg zur Medaille vorsieht: "Wir können jeden schlagen. Auch Dänemark, wenn wir einen perfekten Tag erwischen. Wir müssen eine Euphorie entfachen, ein Selbstbewusstsein aufbauen, das uns - wie 2016 - ermöglicht, ins Halbfinale zu kommen", sagte der Torwart-Titan im November der "Bild"-Zeitung: "Ich bin überzeugt, dass wir eine Mannschaft haben, die - wenn sie am Limit spielt - sich eine Medaille zum Ziel setzen darf." An Andreas Wolff wird es nicht scheitern.

Die weiteren Vorrundenspiele bestreitet das deutsche Team gegen Serbien am Samstag (20.30 Uhr/ARD) und gegen Spanien am Montag (20.30 Uhr/ZDF). Nur die ersten beiden Teams erreichen die zweite Turnierphase, in welche die Punkte gegen die ebenfalls qualifizierte Mannschaft mitgenommen werden.

Quelle: ntv.de, ter

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