Sport

Missbrauch im Eiskunstlauf Trainer wegen sexueller Übergriffe angeklagt

imago0007148755h.jpg

Ein französischer Eiskunstlauftrainer wurde wegen sexueller Übergriffe in sechs Fällen angeklagt.

(Foto: imago sportfotodienst)

Gegen den ehemaligen französischen Trainer der Eiskunstläuferin Sarah Abitbol wird wegen Missbrauchs in sechs Fällen ermittelt. Die mittlerweile 45 Jahre alte frühere WM-Dritte hatte mit ihrer Enthüllungs-Biografie den Fall ins Rollen gebracht, der Coach bat um Verzeihung. Nun folgt ein Strafprozess.

Der frühere französische Eiskunstlauftrainer Gilles Beyer muss sich wegen Missbrauchs vor Gericht verantworten. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf juristische Quellen vermeldete, wird Beyer wegen sexueller Übergriffe in mindestens sechs Fällen angeklagt. Auslöser war die Anschuldigung der früheren Paarläuferin Sarah Abitbol, Beyer habe sie als Jugendliche sexuell missbraucht. Dies hatte sie im vergangenen Februar öffentlich gemacht. Abitbols Enthüllungs-Biografie "Un si long silence" (Auf Deutsch etwa "Solch eine lange Stille") hatte die Ermittlungen ins Rollen gebracht, die französische Justiz leitete eine Voruntersuchung ein.

Der Coach hatte sein Fehlverhalten später zugegeben und die mittlerweile 45 Jahre alte frühere WM-Dritte um Entschuldigung gebeten. Neben Beyer waren auch seine Trainerkollegen Jean-Roland Racle und Michel Lotz von anderen Läuferinnen beschuldigt worden, sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht zu haben. Die Vorgänge sollen sich zwischen Ende der 1970er und den 1990er Jahren ereignet haben. Auch Fälle aus anderen Sportarten wie Schwimmen wurden öffentlich.

Eislaufpräsident tritt zögerlich zurück

Das französische Olympia-Komitee CNOSF hatte den Opfern seine volle Unterstützung zugesagt. "Die Freiheit der Rede, die heutzutage viele Sektoren der Gesellschaft betrifft, muss aufrechterhalten werden, damit die Gerechtigkeit walten kann", hieß es in einer Erklärung des CNOSF. Man werde die "volle Verantwortung im Einklang mit dem Code of Sport wahrnehmen".

Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu hatte im Zuge der Ermittlungen Eislaufpräsident Didier Gailhaguet zum Rücktritt aufgefordert. Gailhaguet stand mit einer zwischenzeitlichen Unterbrechung (2004 bis 2007) seit 1998 an der Spitze des Verbandes. Er folgte dieser Aufforderung erst mit einiger Verspätung und wurde inzwischen durch die zweimalige Eistanz-Europameisterin Nathalie Pechalat ersetzt.

Die Einleitung eines Verfahrens bedeutet nun, dass die Ermittler schwerwiegende oder übereinstimmende Indizien für ein Fehlverhalten sehen. Das eingeleitete Verfahren könnte zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittlungsrichter am Ende ausreichende Beweise sehen. Andernfalls könnten sie das Verfahren einstellen.

Quelle: ntv.de, dbe/sid