Sport

Zwei Jahre nach Karriereende "Turn-Oma" trotzt mit fast 95 der Pandemie

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Was Johanna Quaas mit über 90 beherrscht, beeindruckt.

(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)

Als Risikogruppe sollen Senioren während der Coronavirus-Pandemie möglichst selten das Haus verlassen. Wie man sich trotzdem im hohen Alter fit hält, verrät Johanna Quaas - via Internet und mit fast 95 Jahren.

Schon ihr giftgrünes T-Shirt ist ein echter Hingucker. Aber Johanna Quaas ist eben auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie die etwas andere Seniorin. Bändergymnastik am Bettpfosten, Dehnungsübungen auf der Matratze - die rüstige Hallenserin zeigt bei YouTube, wie man sich auch im hohen Alter fit und beweglich hält. Am Freitag wird sie 95 Jahre alt, größer gefeiert aber wird erst im Frühjahr 2021. "Nicht nur für die Corona-Risikogruppen ist es besonders wichtig, dass man schon am Morgen den Körper auf die Belastung des Alltags vorbereitet. Ich empfehle meine Mobilisations-Gymnastik allen, die im Moment nicht in die Sporthalle gehen können", sagt Quaas. Ergänzend setzt sie sich aber immer noch gern für ihr ganz persönliches Ausdauertraining auf ein Damenrad, zumindest in den Sommermonaten.

Was die "Turn-Oma", die noch völlig selbstständig lebt, aktuell draufhat, sind für sie leichte und lockere Leibesübungen. Denn längst ist Quaas als älteste Turnerin in die Sportgeschichte eingegangen. 1934 (!) bestritt sie mit neun Jahren ihren ersten Wettkampf. Erst 2018 musste sie das Turnpodium schweren Herzens verlassen - und unfreiwillig.

Ein Riss der Bizepssehne im linken Arm - erlitten nicht etwa am Stufenbarren, sondern beim unglücklichen Hantieren mit dem Babystuhl ihrer Enkelin - erzwang das Ende ihrer Wettkampfkarriere. "Der Nippel wollte einfach nicht durch die Lasche", kommentierte die agile Rentnerin seinerzeit ihr Missgeschick. Eine leichte Arthrose im linken Knie ist mittlerweile hinzugekommen.

"Sie hat Außergewöhnliches geleistet"

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Für Quaas war 90 genau das richtige Alter für den ersten Tandemsprung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Mitgefühl der großen Turnfamilie war ihr sicher, denn Quaas ist auch dank ihrer freundlichen Bescheidenheit seit nahezu zwei Jahrzehnten eine unverzichtbare Galionsfigur des Deutschen Turner-Bundes (DTB). Auch als Ehrengast beim Deutschen Turnfest im Mai 2021 in Leipzig war sie fest gebucht, ehe die Pandemie den DTB im Oktober zur Absage zwang.

Zuletzt hatten 2017 in Berlin Tausende von Turnfestteilnehmern über die Begeisterung der unermüdlichen Sportlerin für Bewegung und Fitness gestaunt. Ihr sportlicher Ehrgeiz reichte und reicht aber auch über das Turnen hinaus. 2016 absolvierte die damals 90-Jährige im Team mit dem ehemaligen Reck-Weltmeister Eberhard Gienger ihren ersten Tandem-Fallschirmsprung.

Schon vor dieser spektakulären Mutprobe war Quaas weltweit in zahlreichen TV-Talkshows zu Gast. Auch in die International Gymnastics Hall of Fame in Oklahoma City wurde sie 2015 eingeladen. Und mit dem Sportsmanship Award ausgezeichnet - überreicht durch Namensgeberin Nadia Comaneci.

"Was Johanna geleistet hat, ist absolut außergewöhnlich. Für das Turnen, aber vor allem für ihr eigenes Leben", sagte die wohl bekannteste Kunstturnerin der Welt bei ihrer Laudatio. Die so überschwänglich Geehrte, so wird es überliefert, soll bei diesen Worten einfach nur entspannt gelächelt haben.

Quelle: ntv.de, Andreas Frank, sid