Sport

Doping-Schwarzmarkt blüht Unsaubere Nahrungsmittel

Alarm für Dopingsünder und Dopingfahnder: Das Kölner Institut für Biochemie hat zum ersten Mal ein anaboles Steroid gefunden, das als Nahrungsergänzungsmittel getarnt war.

"Wir haben in England das Nahrungsergänzungsmittel Med A 17 diol bestellt, dann haben wir gemerkt, dass es das anabole Steroid Methadionon enthält. Und das sogar in wirksamen Mengen", erklärte Prof. Wilhelm Schänzer beim internationalen Symposium "Gesundheits- und Dopingrisiken von Nahrungsergänzungsmitteln und sozialen Drogen" in Köln. Insgesamt enthielten in einer vom IOC bei Schänzer in Auftrag gegebenen Studie 94 von 643 untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln Spuren der Dopingsubstanzen Nandrolon oder Testosteron.

Bisher war die Sachlage meist umgekehrt. In Nahrungsergänzungsmitteln wurden leichte Spuren von anabolen Steroiden oder Ephedrin festgestellt, die bei einigen Athleten auch schon zu positiven Dopingtests geführt hatten. Schänzer führt diese Kontaminierungen in der Regel darauf zurück, dass die Qualitätskontrollen bei den Herstellern nicht ausreichend seien. Bei der Produktion ist die Reinigung der Maschinen der höchste Kostenfaktor, so dass daran oft gespart wird.

Indes will Schänzer Kreatin auf die Verbotsliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bringen: "Für mich erfüllen die im Hochleistungssport gebräuchlichen Kreatin-Dosierungen eindeutig den Tatbestand des Dopings. Darauf muss das IOC endlich reagieren."

Eine große Gefahr sieht Schänzer in dem weiter steigenden Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln im Spitzensport. Die Möglichkeiten, etwas dagegen zu unternehmen, scheinen dagegen gering. "Allein auf dem US-Markt werden pro Jahr 15 Milliarden Dollar mit Nahrungsergänzungsmitteln umgesetzt", sagt Professor Dr. Ronald Maughan von der Universität Aberdeen.

Nandrolon ist das Karriere-Anabolikum, das im Hochleistungssport nie direkt, sondern über Prohormone eingenommen wird. Ein Nandrolon-Prohormon ist das Norandrostendion, das Olympiasieger Dieter Baumann nachgewiesen wurde, oder Norandrosteron, das im Urin von Ringer Alexander Leipold entdeckt wurde. Beide Prohormone werden im Körper zu Nandrolon umgewandelt.

Deshalb hatte Schänzer immer wieder vor dem Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln gewarnt: "Es kommen immer mehr Sportler mit Fragen zu uns. Wir können vor dem Gebrauch von Nahrungsergänzungsmitteln nur warnen. Die Athleten gehen ein sehr hohes Risiko ein."

Quelle: ntv.de