Venezuela siegt, USA phantasiertDonald Trump nutzt historische Baseball-Pleite für peinlichen Post

Venezuela hat erstmals die World Baseball Classic gewonnen und darf sich somit Weltmeister nennen. Im Finale besiegten die Südamerikaner die USA 3:2. Donald Trump zeigte sich - mal wieder - als schlechter Verlierer.
Sie tanzten, sie hüpften, sie waren schlichtweg außer sich vor Freude. Die Goldmedaillen um den Hals, ihre gelb-blau-roten Nationalfahnen in den Händen oder um die Schultern, feierten Venezuelas Baseballspieler am Dienstagabend auf dem Podium im Stadion von Miami den größten Erfolg in der Sportgeschichte ihres Landes. "World Baseball Classic Champion, Ve-neeee-zu-eee-laaaa", hallte es aus den Stadion-Lautsprechern durch die Arena.
Die Südamerikaner hatten im Finale die USA 3:2 besiegt. Sie sind somit nun "Best in Baseball", wie es auf ihren grauen T-Shirts stand. Die Besten im Baseball, und zwar weltweit. Die alle drei Jahre ausgetragenen World Baseball Classic gelten als inoffizielle Weltmeisterschaft. Denn die Besten der Besten, also die Superstars der nordamerikanischen Major League Baseball, sind mit dabei.
"Dies ist für unser Land"
"Unser Land wird jetzt für eine Woche feiern, dies ist für unser Land", betonte Nationaltrainer Omar Lopez. Er sang nach der Siegerehrung ebenso inbrünstig die Nationalhymne mit, wie alle seine Spieler, Teambetreuer und die Tausenden venezolanischen Fans in der Arena. Die Augen geschlossen, die Münder weit auf. Einige Spieler klopften sich dabei immer wieder stolz mit der Faust auf die Brust.
Sie wussten, dass sie historisches erreicht hatten. Dieser 17. März 2026 wird in die Geschichte Venezuelas eingehen. Mehr noch: Der 17. März dürfte bald zum Nationalfeiertag ernannt werden. Denn dieser Triumph ist mehr als nur der Gewinn einer prestigeträchtigen Meisterschaft. Er ist auch so viel mehr als nur Baseball.
Baseball als einzige Konstante in Venezuela
Er ist ein Ausrufezeichen eines geschundenen Landes, dessen Einwohner zwar so fröhlich und leidenschaftlich sein können, die aber seit Jahren kaum Grund zu Freude und Frohsinn haben. Denn Venezuela steckt in einer Wirtschaftskrise. Es herrschen trotz der größten Ölvorkommen der Welt Armut, Hungersnot, Korruption und massive Misswirtschaft.
Doch der Baseball vereint die knapp 34 Millionen Menschen im Land. Er ist seit Jahrzehnten eine Art Trost und zuverlässige Konstante. Denn im Gegensatz zu allen anderen Ländern Südamerikas ist in Venezuela nicht der Fußball die populärste Sportart, sondern Baseball. "Heute Abend werden alle zusammen sein. Das ganze Land wird wie gelähmt das Spiel gucken", hatte Nationaltrainer Lopez vor dem Finale gesagt. Und Venezuela werde "gemeinsam bessere Generationen für unsere Nation haben - vereint ohne Farbe, ohne politische Couleur oder Ideologie", so der 47-Jährige.
Finale mit politischer Brisanz
Im Viertelfinale hatte sein Team Titelverteidiger Japan 8:5 besiegt, im Halbfinale den überraschend starken Italienern die einzige Turnierniederlage zugefügt und so erstmals das Endspiel erreicht. Die USA hingegen waren zum dritten Mal im WBC-Finale. Und die Amerikaner galten als leicht favorisiert. Doch in diesem Duell ging es nicht nur um Sport. Denn USA gegen Venezuela - das hatte natürlich auch reichlich politische Brisanz.
Am 3. Januar 2026 hatten US-Spezialkräfte auf Anweisung von Donald Trump in Venezuelas Hauptstadt Caracas Staatspräsident Nicolás Maduro und dessen Frau, Cilia Flores, entführt und nach New York gebracht. Mehrere Experten und NGOs, unter anderem Amnesty International, kritisierten den Militärschlag als völkerrechtswidrig. Maduro ist in den USA unter anderem wegen Drogenhandels angeklagt.
Trump provoziert und polarisiert
Nun, 73 Tage nach dem Zugriff, hatte Trump den Finaleinzug von Venezuelas Baseballspielern dafür genutzt, mal wieder zu provozieren und polarisieren. Venezuelas Team mache einen "großartigen Eindruck", schrieb der US-Präsident nach dem 4:2-Halbfinalsieg der Südamerikaner gegen Italien auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Doch dabei beließ es der 79-Jährige nicht. Es würden, so Trump, "in letzter Zeit gute Sachen für Venezuela geschehen" und er frage sich, womit diese "Magie" wohl zusammenhänge? Damit spielte Trump natürlich auf die Entmachtung von Maduro an.
Und selbst nach der Finalniederlage der USA zündelte Trump weiter. "STATEHOOD!!!", schrieb er bei Truth Social. Es war eine Anspielung, Venezuela womöglich zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. Diese Annexions-Fantasien hatte Trump in der Vergangenheit bereits öfter gegenüber Kanada geäußert.
Keine politischen Statements von Venezuela
Die Venezolaner ließen sich durch die Provokationen des US-Präsidenten nicht ablenken. Sie hatten in den vorangegangenen 12 Turniertagen bereits auf politische Statements verzichtet - und blieben auch in der Stunde ihres größten Erfolges bescheiden. "Wir haben für 30 Millionen Menschen in unserem Land gespielt. Ich bin so stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein und hier 30 Millionen Venezolaner zu repräsentieren", sagte Maikel Garcia, der zum wertvollsten Spieler (MVP) des Turniers gewählt wurde.
Wie er sind fast alle Akteure von Venezuelas Nationalmannschaft Profis in der MLB, verdienen hier Millionen-Gagen. Doch keiner von ihnen hat vergessen, wo sie einst herkamen, in welchen, mitunter ärmlichen Verhältnissen, sie in Venezuela aufgewachsen sind - und welche Rolle sie nun für die Fans in ihrer Baseball-verrückten Heimat einnehmen.
"Eine Feier, die unser Land gebraucht hat"
Deshalb geht es für Eugenio Suarez und Co um so viel mehr, wenn sie ihr Nationaltrikot anziehen und Venezuela auf der bedeutendsten Baseballbühne der Welt vertreten. "Wir spielen mit Leidenschaft und Liebe, denn wir spüren, wie unser Land mit uns fiebert. Und dies ist eine Feier, die unser Land gebraucht hat", meinte Suarez.
Der 34-Jährige war im neunten und letzten Inning mit einem weiten Schlag ins Outfield maßgeblich an der entscheidenden Aktion zum Sieg beteiligt. "Das ist unglaublich. Niemand hat an Venezuela geglaubt, aber jetzt haben wir die Meisterschaft gewonnen. Wir sind nicht mit nur Mitspieler, sondern eine Familie", betonte Suarez.
Er war unmittelbar nach dem Sieg auf die Knie gefallen, hatte seine Arme ausgebreitet und gen Himmel geschaut. Trainer Omar Lopez weinte, ein Teambetreuer neben ihm auch. Doch es waren endlich mal venezolanische Freudentränen. Passend dazu die Worte von Kommentator Joe Davis vom übertragenden TV-Sender "Fox Sports": "Venezuela! Die Besten im Baseball!"