Sport

Frauen-Rugby im Iran Vermummte Jagd nach dem Ball

Laute Rufe schallen von einem kleinen Sportplatz in einem Vorort Teherans. Ein knappes Dutzend von Kopf bis Fuß vermummter Frauen hetzt auf der Jagd nach dem Rugby-Ball über das Spielfeld. Seit vier Jahren treffen sich die Iranerinnen unbeirrt von Vorurteilen und hinderlicher Kleiderordnung sowie mit dem Segen der Religionsführer zum Training.

"Rugby ist einfach mein Ding", sagt Elham Shahsavari. Für die kräftig gebaute 24-Jährige dreht sich seit einem Jahr alles um das eiförmige Spielgerät. Empfohlen wurde ihr der Sport in dem streng islamischen Land sogar von offizieller Stelle: "An meiner Uni wurde mir wegen meiner physischen Stärke empfohlen, es doch einmal mit Rugby zu versuchen."

"Einfach mal Dampf ablassen"

Zwar sehen sich die iranischen Frauen als die emanzipiertesten in der islamischen Welt, doch sind auch sie zuerst den traditionellen Erwartungen der Männerwelt verpflichtet. Im Rugby finden sie einen Ausgleich und die körperliche Aktivität, die ihnen im Alltag fehlt. "Wir können hier einfach mal Dampf ablassen", meint Team-Kapitän Zahra Nouri.

Doch auch im Sport sind sie ihrer Religion unterworfen. Durch den islamischen Schal, eine Weste, langarmige T-Shirts und lange Trainingshosen sind ihre Körper von Kopf bis Fuß verhüllt. Trainer Alireza Iraj muss jeglichen Körperkontakt zu seinen Spielerinnen vermeiden.

"Mir geht es nur um Rugby. Es ist mir egal, was ich dabei trage, und unbequem ist es auch nicht", erklärt die 16-Jährige Sahar Azizi. Ihre Mutter ist von dem Sportgeist ihrer Tochter ganz begeistert. "Hier kann sie ihre ganze Energie ablassen. Andernfalls bekomme ich sie zu Hause überhaupt nicht mehr unter Kontrolle", meint sie.

Strikte religiöse Regeln

Trainer Iraj weiß, dass er als Trainer eines Frauenteams auf einem schmalen Grat wandelt. Der 37-Jährige wahrt den gegebenen Abstand, er erklärt einer Spielerin, wie man richtig angreift oder passt, und diese führt die Übungen schließlich durch. Nach den islamischen Regeln des Iran darf das andere Geschlecht nur berührt werden, wenn man verheiratet ist oder die Person zur Familie gehört.

Die religiösen Einschränkungen machen es der Mannschaft letztlich auch unmöglich, sich mit westlichen Teams zu messen. "Die langen Ärmel und die weite Kleidung würde es denen einfach machen, uns niederzureißen. Wir hätten keine Chance", erklärt Iraj.

Zudem steckt Rugby im Iran noch in den Kinderschuhen und ist dem Verband für Base- und Softball angegliedert, von dem es kaum unterstützt wird. "Die im Verband denken, Rugby ist ein amerikanischer Sport. Außerdem haben sie etwas dagegen, dass ich als Mann das Team trainiere", sagt Coach Iraj.

Trotz der in den vergangenen 25 Jahren gewonnenen Rechte gibt es für die Frauen im Iran noch strikte Restriktionen im Sport. Sie dürfen nicht in Fußballstadien und Männern beim Sport zuschauen. Immerhin entsteht gerade ein 40.000 Zuschauer fassendes Stadion, das ausschließlich für Frauen gebaut wird. Und Teherans Rugby-Frauen träumen davon, eines Tages gegen eines der sieben anderen iranischen Teams in der Arena zu spielen.

Jaavid Badavi, dpa

Quelle: ntv.de