Sport

"Risiko einer Demütigung" Viel Druck und Ärger um russische Biathleten

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Alexander Loginow und die russische Biathlon-Mannschaft werden bei den anstehenden Weltcups fehlen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Biathlon-Weltverband will russische Sportler nur unter neutraler Flagge starten lassen. Diese Entscheidung sorgt im russischen Lager für Empörung - und Konsequenzen: Bei den anstehenden Weltcups werden gar keine Russen an den Start gehen.

Der russische Biathlon-Verband RBU hat eine Entscheidung des Weltverbands IBU scharf kritisiert, wonach Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus bei den letzten drei Weltcups in diesem Winter nur unter neutraler Flagge antreten dürfen. Die RBU halte den Schritt für "rechtswidrig, unvernünftig und kategorisch inakzeptabel", hieß es in einem Statement auf der eigenen Webseite am Samstagabend.

"Um die russischen Athleten nicht dem Risiko einer Demütigung auszusetzen" und ihre Sicherheit zu gewährleisten, habe man nun von sich aus entschieden, weder bei den anstehenden Weltcups noch im zweitklassigen IBU-Cup anzutreten. Die RBU habe keine offiziellen Regeln verletzt, hieß es in der Begründung: "Dies ist eine direkte Diskriminierung unseres Landes und russischer Athleten." Man sei "empört über dieses rechtswidrige Vorgehen der IBU" und werde seine Rechte "vor Gericht verteidigen".

Ukrainer treten nicht an

Zuvor hatte die IBU am Samstag als Reaktion auf den russischen Einmarsch in die Ukraine Sanktionen gegen die russischen und belarussischen Skijäger verkündet. Demnach dürfen bis auf Weiteres weder die russische noch die belarussische Flagge an den Wettkampforten zur Schau gestellt werden. Die Teamkleidung muss ohne die Nationalfarben neutral bleiben, nationale Symbole sind verboten. Auch die Hymnen werden nicht gespielt, zudem können neutrale Athleten keine Weltcup-Punkte für die Nationenwertung mehr sammeln.

Die Biathleten aus der Ukraine hatten bereits am Freitag mitgeteilt, bei den Weltcups im finnischen Kontiolahti, Otepää in Estland sowie in Norwegens Hauptstadt Oslo bis Mitte März nicht mehr anzutreten. Die IBU teilte mit, die Mannschaft bei einer Rückkehr in Zukunft finanziell, logistisch und technisch unterstützen zu wollen. Die estnische Regierung hatte bereits angekündigt, dass das russische und das belarussische Team nicht in Otepää starten würden, da sie nicht in das Land einreisen dürfen.

Der ehemalige Weltmeister Dmytro Pidrutschnji hatte die internationale Biathlon-Gemeinschaft in einem eindringlichen Appell um Hilfe für seine ukrainische Heimat gebeten. "Erzählt mir nicht, Sport und Politik hätten nichts miteinander zu tun. Sie haben miteinander zu tun, wenn Soldaten und Zivilisten in meinem Heimatland sterben, während du das hier liest", schrieb der 30-Jährige. "Ich bitte euch, uns zu helfen! Ich bitte dich, bleib' nicht weg!"

Zugleich forderte Pidrutschnji auch internationale Freunde und Fans dazu auf, in ihren Heimatstädten auf die Straße zu gehen sowie Regierungen und die NATO um Hilfe zu bitten. "Niemand wird an weiteren Wettkämpfen teilnehmen", schrieb er und erklärte: "Mein Team und ich bleiben in der Ukraine, um unser Zuhause und unsere Familien vor den russischen Streitkräften zu beschützen, die die Ukraine am 24. Februar überfallen haben."

Norweger wollen "keine Beteiligung Russlands"

Norwegens Nationales Olympisches Komitee hatte sich zuvor für einen Ausschluss russischer und belarussischer Athleten von allen internationalen Sportveranstaltungen stark gemacht. Ein Ausschluss der Aktiven aus Russland und Belarus außerhalb ihrer Heimatländer sei "die klare Meinung" des Verbandes. Zudem müssten russische und belarussische Funktionäre in internationalen Verbänden von ihren Ämtern suspendiert werden.

Im nächsten Schritt sollen neben den 55 nationalen Verbänden und internationalen Sportorganisationen auch das Internationale Olympische Komitee und das Internationale Paralympische Komitee dazu ermutigt werden, "denselben Standpunkt einzunehmen". Geht es nach den Norwegern, sollen bei den anstehenden Winter-Weltcups in den kommenden Wochen auch keine Russen in Norwegen antreten dürfen.

"Wir haben deutlich gemacht, dass wir keine Beteiligung Russlands wollen. Wir werden dies der Fis mitteilen und warten dann auf Feedback dazu", sagte Erik Röste, der Präsident des norwegischen Skiverbands, der Zeitung "Verdens Gang". Bei den Gesprächen mit dem Ski-Weltverband Fis geht es um die anstehenden Veranstaltungen im Skilanglauf, Skispringen und Ski alpin. Zudem ist im März noch das Weltcup-Finale der Biathleten in Oslo geplant.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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