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"War nicht weit von Überdosis"Vorfall beim FC Bayern führt Jason George in den Abgrund

12.01.2026, 06:51 Uhr
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Jason George und der damalige Trainer des FC Bayern, Andrea Trinchieri, im Jahr 2022. (Foto: IMAGO/Eibner)

Beim FC Bayern ist er eines der größten Basketball-Talente Deutschlands, dann folgt für Jason George ein tiefer Absturz. Auf die Flucht in die Betäubungsmittel folgt das Erwischtwerden, eine lange Sperre - und die Chance, wieder zu sich selbst zu finden.

Mehr als zweieinhalb Jahre nach seinem positiven Dopingtest hat Basketballprofi Jason George erstmalig öffentlich Einblicke in sein Seelenleben gegeben und bedrückende Zustände geschildert. Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" nannte der Flügelspieler - nach verbüßter Sperre inzwischen bei den Würzburg Baskets unter Vertrag - mentale Probleme als zentralen Treiber seines Konsums. Hinter der Abhängigkeit habe stets eine betäubende und keine leistungssteigernde Absicht gestanden, so George.

"Ich brauchte die Drogen, sie wurden meine Medizin gegen den Schmerz, keinen Spaß mehr zu empfinden beim Basketball", sagte der 24-Jährige, der angab, von der Kälte und Härte im Spitzensport überfordert gewesen zu sein. Anfangs habe er Marihuana geraucht, später Kokain konsumiert. Crystal Meth, das ihm in einer Probe nachgewiesen wurde, habe er dagegen nie wissentlich eingenommen, so der zweimalige Nationalspieler.

Allerdings habe sich sein Konsum in der Zeit vor dem positiven Test deutlich gesteigert. "Wenn ich also nicht positiv getestet worden wäre, wenn ich nicht davon losgekommen wäre, dann, ja … keine Ahnung", sagte George: "Aber ich glaube, ich war nicht weit weg von einer Überdosis." Er habe "ein Doppelleben" geführt, "ich und dieser Spieler im Kostüm", als der er sich nur noch gefühlt habe.

Zu den Substanzen habe er erstmals während seiner Zeit bei Bayern München gegriffen: "Es müsste in etwa vier Jahre her sein, zur Weihnachtszeit. Es gab da den Zwischenfall mit meinem Trainer." Der damalige Bayern-Coach Andrea Trinchieri hatte George während einer Auszeit in den Bauch geschlagen und geschubst. "Ich hatte meine Sachen schon gepackt, ich war aus der Wohnung raus", so George, der "nicht als Opfer erscheinen" will, aber: "Es gab Momente, in denen ich mich nicht geschützt habe." In der Folge habe er sich entschieden, den Klub zu verlassen.

"An dem Abend, bevor ich gegangen bin, habe ich dann Alkohol getrunken und bin in Kontakt mit Kokain gekommen, zum ersten Mal." In der anschließenden Zeit bis zur Enttarnung habe George "nur noch funktioniert". Auch wenn es vorerst den Anschein gemacht habe, als "ob die Welt untergeht", sieht der 24-Jährige den Test samt Sperre heute als Befreiung. "Es musste was Drastisches passieren. Jetzt weiß ich, dass der positive Test für mich letztlich das Beste war, was passieren konnte", sagte er im Rückblick: "Es hat sich viel verändert in meinem Kopf. Ich meine, ich bin daran gewachsen."

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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