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Comeback zur Heim-WM in Hamburg Warum die "Beach Girls" 2018 nicht baggern

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Die Verschnaufpause kommt für Laura Ludwig (r.) und Kira Walkenhorst (l.) zu einem guten Zeitpunkt.

(Foto: dpa)

Hamburg freut sich auf die Beachvolleyball-WM 2019. Dann wollen auch "Golden Girls" wieder angreifen: Laura Ludwig legt derzeit eine Babypause ein, Kira Walkenhorst ist verletzt. Doch die Zwangspause kommt für das Ausnahmeduo gerade recht.

Hoch oben im Atlantikhaus im Stadtteil Sankt Pauli hat man im Penthouse des 20. Stockwerks einen wunderbaren Blick über den Hafen und das Panorama der Hansestadt Hamburg. Ein idealer Ort, um über hochfliegende Pläne zu berichten. Es passte also ziemlich gut, dass der Präsident des Volleyball-Weltverbandes FIVB an diesem Ort Hof hielt, um die große Neuigkeit zu verbreiten. Die Weltmeisterschaft der Beachvolleyballer wird vom 28. Juni bis zum 7. Juli des kommenden Jahres in Hamburg stattfinden. Er habe "sehr viel gehört über diese wunderschöne Stadt und dieses reiche Land", verkündete Ary Graca.

Der ebenso umstrittene wie unerschütterlichen Funktionär aus Südamerika sieht sich in erster Linie als Geschäftsmann, dessen Aufgabe es ist, seine Sportart zu promoten. Der hemdsärmelige Brasilianer musste in seiner Heimat zwar nach gravierenden Korruptionsvorwürfen als Präsident des dortigen Volleyball Verbandes zurücktreten, was ihn jedoch nicht davon abhält, als Chef des Weltverbandes weiterhin selbstbewusst seine Kreise zu ziehen.

"Hamburger Coolness gerät ins Wanken"

Hamburg ist für ihn ein idealer Standort für die Austragung der Welttitelkämpfe, "weil Deutschland ein exzellenter Markt ist". Das sieht Andy Grote, der als Innensenator der Hansestadt für den Sport verantwortlich zeichnet, ähnlich, auch wenn er einen anderen Zugang wählt. Grote spricht von "emotionalen und begeisternden Bildern, die von Hamburg aus in die Welt transportiert werden. Bei diesem Event wird die Hamburger Coolness ins Wanken geraten."

Der österreichische Turnierorganisator Hannes Jagerhofer, der mit der Ausrichtung der WM im vergangenen Sommer auf der Wiener Donauinsel neue Standards setzte, beleuchtet die Dinge eher aus dem sportlichen Blickwinkel: "Hamburg ist in der Sportart Beachvolleyball international der Hotspot. Nicht Rio oder die USA." Das liegt nicht nur daran, dass in der Hansestadt seit zwei Jahren das Finale der World Tour durchgeführt wird und der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hier seinen Leistungsstützpunkt hat, sondern vor allem daran, dass hier die Olympiasieger Laura Ludwig und Kira Walkenhorst leben und trainieren. Die werden in diesem Jahr allerdings nicht im Sand zu bewundern sein.

Laura Ludwig erwartet mit ihrem Freund, dem Frauen-Bundestrainer Imornefe Bowes aus den Niederlanden, ein Baby. Kurz vor dem Jahresende teilte die Abwehrspielerin ihrer Fangemeinde via Facebook mit: "Langsam deutet sich eine kleine Murmel an – und sie kommt nicht nur von der Weihnachtsgans." Die Murmel dürfte inzwischen noch ein bisschen gewachsen sein. Laura Ludwig hat dieses Jahr sämtliche sportliche Ambitionen hintenan gestellt, derzeit gibt es andere Prioritäten.

Deutsches Gold-Duo will wieder angreifen

Danach will sie allerdings wieder angreifen: "An unseren sportlichen Plänen ändert sich nichts: Ich halte mich fit, damit Kira und ich 2019 und 2020 unsere Titel verteidigen können. Ich freue mich auf alles was kommt", betont Deutschlands Ausnahme-Beachvolleyballerin. Während sich die begnadete Abwehrspielerin derzeit auf Teneriffa fit hält ("bis auf Hechtbagger kann sie alles machen", berichtet Kira Walkenhorst), ist die Partnerin nach einer Operation an der rechten Schulter zur Passivität verurteilt. Der Eingriff sei gut verlaufen, "bei der Weltmeisterschaft in Hamburg werde ich härter auf den Ball schlagen als bei den Olympischen Spielen in Rio und bei der WM in Wien", verspricht die Blockerin.

Überhaupt scheint das Übergangsjahr 2018 ideal gewählt, um so stark wie zuvor zurückzukehren, wie Jürgen Wagner betont. Der Trainer des Ausnahmeduos spricht von einer "dringend notwendigen Pause nach fünf Jahren unter Volldampf". Das durch Schwangerschaft und Verletzung verordnete Verschnaufen komme zur rechten Zeit, "sonst wäre irgendwann ein Burnout gekommen".

Dass die Familienplanung einer Frau und ihre Karriere als Volleyballerin im Sand nicht zwangsläufig kollidieren müssen, hat Kerry Walsh-Jennings eindrucksvoll nachgewiesen: Die kalifornische Beachvolleyball-Legende ist dreifache Mutter, sie bekam ihre Kinder "im Vorbeigehen", wie Wagner in seiner typisch trockenen westfälischen Diktion berichtet. Nicht nur in diesem Punkt dient Kerry Walsh-Jennings als Vorbild: So ganz nebenbei räumte die US-Amerikanerin in ihrer einzigartigen Karriere auch noch drei olympische Goldmedaillen ab.

Quelle: ntv.de

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