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Niederlage im Anti-Dopingkampf Wenn Russland schon zufrieden ist ...

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Ein schwarzer Tag für den Kampf gegen Doping.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der CAS hat entschieden: Russland wird wegen des Dopingskandals für zwei Jahre gesperrt. Die Sportnation bleibt von weltweiten Großereignissen ausgeschlossen. Ein fauler Kompromiss statt harter Bestrafung.

Der Internationale Sportsgerichtshof (CAS) setzt russische Sportler und Mannschaften wegen systematischem Doping und Manipulation für zwei Jahre an die Luft. Und die russische Anti-Doping-Agentur (Rusada) köpft zur Feier des Tages ein, zwei Fläschchen Eigenblut. Verrückt!

Der Rusada-Chef jubiliert nach der Entscheidung des CAS. Es sei ein Sieg des "gesunden Menschenverstandes". Geht es noch paradoxer? Absolut! Saubere Athleten sollten nicht für die Taten einiger skrupelloser Sportler verantwortlich gemacht werden, sagt Rusada-Chef Michail Buchanow. Genau der Mann, dessen nationale Anti-Doping-Agentur 2015 wegen systematischer Manipulation von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Hops genommen worden ist.

Doch das Urteil des CAS ist alles andere als eindeutig. Denn es wird ein kleines, aber feines Hintertürchen offengehalten. So heißt es, wenn man sich nicht final festlegen möchte. Und genauso ist das Urteil des CAS im Hinblick auf die Doping-Maschinerie Russlands zu verstehen. 'Das war echt nicht okay, was Ihr da gemacht habt. Und Ihr müsst auch wirklich bestraft werden', sagen die Richter im Subtext. Doch beim Blick aufs Urteil bleibt ein großes Aber. Weil es wirkt, wie die Konsequenz von anti-autoritär erziehenden Eltern. Du warst böse, aber das ist okay. Jeder darf mal böse sein. Oder doof. Oder gedopt.

Russland bemüht einen schrägen Vergleich

An den olympischen Spielen 2021 und 2022 werden offiziell keine russischen Mannschaften teilnehmen dürfen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 darf ebenfalls kein Team unter russischer Flagge auflaufen, sofern es sich qualifiziert. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass sich trotzdem russische Sportler für Olympia und WM empfehlen können. Voraussetzung ist, dass sie "sauber" sind und unter neutraler Flagge einlaufen und auf ihre Hymne verzichten. Sie müssen allerdings unter anderem nicht mehr nachweisen, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren.

Natürlich ist Sippenhaft nicht okay. Und jeder hat eine zweite Chance verdient. Denn: Nicht alle russischen Sportler haben gedopt. Aber: Das Doping in Russland ist kein bedauerlicher Einzelfall, sondern offensichtlich berechnete Methode. "Aber es wäre auch rechtswidrig, allen Fahrern den Führerschein abzunehmen, weil sich manche betrunken hinters Steuer setzen", sagt Buchanow. Bei Äpfeln und Birnen hinkt der Vergleich. Bei Doping und Fahrten unter Alkohol- oder Drogeneinfluss auch.

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Die Wada hatte einen vierjährigen Ausschluss Russlands gefordert. Blöderweise ist diese Forderung gegen geltendes Recht. Entsprechend hat der CAS die Strafe halbiert. Es ist ein Streit, der am Ende keinen Sieger kennt. Russland jubelt, weil es mit einem blauen Auge davonkommt.

Ein Ausschluss für zwei Jahre ist überschaubar. Das ist quasi nur einmal nicht die Norm erfüllen oder eine verpasste Qualifikation. Im Umkehrschluss sind zwei Jahre aber auch zu wenig, um ein Exempel zu statuieren und dem systematischen Doping auf Dauer den Kampf ansagen zu können.

Quelle: ntv.de

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