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Vereintes Korea bei Handball-WM Wenn aus Feinden Mitspieler werden

Das koreanische Team zeigt sich geschlossen, hier nach dem Test in Oranienburg.

Das koreanische Team zeigt sich geschlossen, hier nach dem Test in Oranienburg.

(Foto: dpa)

Vor den Augen von Millionen TV-Zuschauern und 14.800 Gästen feiert das vereinte koreanische Handball-Team bei der WM in Berlin gegen Deutschland seine Premiere. Die ehemalige Mauerstadt bietet die passende Kulisse für die Annäherung der verfeindeten Brüder-Nationen.

Historische Partie in der ausverkauften Berliner Arena am Ostbahnhof: Die deutsche Handballnationalmannschaft empfängt an diesem Donnerstag ein Team aus süd- und nordkoreanischen Akteuren. Das allererste Pflichtspiel der Korea-Auswahl (ab 18.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) ist auch die Eröffnung für die WM in Deutschland und Dänemark.

Als Gäste haben sich unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Boss Thomas Bach angekündigt. Auch 200 Koreaner werden im Publikum erwartet. Ihre Mannschaft tritt bei der Handball-WM mit dem Länderkürzel COR und der weiß-blauen Flagge an, die das vereinte Land symbolisiert. Anstelle einer Nationalhymne wird vor dem WM-Auftakt das koreanische Volkslied "Arirang" erklingen. Es ist ein Klagelied eines Mädchens, das von ihrem Liebsten verlassen wurde. Wie man zusammenfinden kann, das wollen die Koreaner im Eröffnungsspiel zur Schau stellen.

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Trainer Cho Young-Shin aus Südkorea hat die Aufgabe, vier Nordkoreaner ins Team zu integrieren.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Koreas Cheftrainer Cho Young-Shin schöpft aus der besonderen Geschichte des Gastgebers Mut: "Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen. Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können". Für den südkoreanischen Botschafter Jong Bum-goo ist das vereinte koreanische Handball-Team ein "Puzzle-Stück" auf dem Weg der Annäherung beider Länder, wie er der "Süddeutschen Zeitung" sagte.

Andreas Michelmann ist sich der großen symbolischen Bedeutung ebenso bewusst. Der Sport habe die Aufgabe, "Mauern niederzureißen und Brücken zu bauen", betont der Präsident des Deutschen Handballbundes. Dass Koreaner aus zwei politisch gegensätzlichen Systemen zusammenhalten können, bewiesen sie bereits bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Die gesamtkoreanische Eishockey-Mannschaft war trotz des letzten Platzes eine der Attraktionen der Veranstaltung. IOC-Präsident Bach zeigte sich angetan, dass sich die Geschichte fortsetzt. "Ich freue mich, dass es gelungen ist, diese gemeinsame Mannschaft zu bilden."

Sportliches Abschneiden zweitrangig 

Hauptinitiator der Aktion war Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa, der sich ebenso wie die IOC-Funktionäre als Friedensstifter in Szene setzen möchte. Als sich die Handballer Südkoreas fast zeitgleich mit den Olympischen Spielen als Dritte der Asienmeisterschaft für die WM qualifizierten, forcierte Moustafa die sportliche Vereinigung in der Hallen-Sportart.

Anstelle der üblichen 16 Spieler darf das vereinigte koreanische Team mit 20 Akteuren in das Turnier starten. Zum südkoreanischen Kader stießen vier nordkoreanische Soldaten, die sich nach Aussagen von Ri Song-Jin bereits "in Freundschaft verbunden" fühlen. Kapitän Jung Su-Young, Südkoreaner, gibt aber zu: "Beim ersten Treffen haben wir noch etwas gefremdelt". Zudem verzichtete Trainer Cho aus politischen Gründen darauf, südkoreanische Soldaten für den Kader zu berufen.

Auch wenn sich tatsächlich ein Team-Spirit entwickeln und die Abläufe verinnerlicht werden sollten, dürfte es für den Außenseiter schwer werden. Das letzte Testspiel beim Drittligisten Oranienburger HC gewannen die Asiaten nur mit 34:29. DHB-Trainer Christian Prokop warnt dennoch pflichtbewusst, dass seiner Mannschaft zum Auftakt ein "echter Prüfstein" bevorstehe. Alles andere als ein Ausscheiden Koreas in der Vorrunde wäre allerdings eine große Überraschung. Allein die Teilnahme bedeutet für die grundverschiedenen Brüder-Nationen einen Erfolg, mit dem Kalkül, dem großen Ziel einen Schritt näher zu kommen: der gemeinsamen Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032.

Quelle: n-tv.de, che/dpa/sid