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Wechsel-Wahnsinn im US-Sport Wenn der Kollege plötzlich beim Gegner spielt

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Während des Spiel kam die Nachricht, dass er ab sofort nicht mehr für die Dallas Mavericks aufläuft: Harrison Barnes.

(Foto: imago/Icon SMI)

In der Fußball-Bundesliga ist es undenkbar, dass ein Spieler zur Halbzeitpause den Verein wechselt. Im nordamerikanischen Profisport hingegen ist das nichts Ungewöhnliches und erst vor wenigen Tagen wieder vorgekommen - zur so genannten Trade Deadline.

Rick Carlisle, der Trainer der Dallas Mavericks, sprach von "einem Wahnsinn". Auch Dirk Nowitzki war überrascht, als er mitten im Heimspiel der Texaner in der NBA gegen die Charlotte Hornets erfuhr, dass Harrison Barnes, der da noch auf der Ersatzbank der Mavs saß, plötzlich nicht mehr sein Mitspieler war, sondern ab sofort ein Basketballprofi der Sacramento Kings. "Wir hatten noch acht Minuten zu spielen und ich dachte, es ist Zeit, dass Harrison für mich reinkommt. Aber er blieb auf der Bank sitzen", sagte Nowitzki, der Barnes als "engen Freund" bezeichnet.

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"Ich dachte, es ist Zeit, dass Harrison für mich reinkommt": Dirk Nowitzki.

(Foto: imago/Imaginechina)

Beide Vereine hatten natürlich schon vorher verhandelt, waren sich aber erst während des Spiels am 6. Februar - und somit einen Tag vor Ablauf der so genannten Trade Deadline, dem offiziellen Ende der Wechselfrist, einig geworden. Die Mavericks schickten Barnes, der gegen Charlotte noch bis zum Ende des dritten Viertels gespielt und zehn Punkte erzielt hatte, nach Sacramento und erhielten im Gegenzug Zach Randolph und Justin Jackson.

Tauschgeschäfte wie diese sind nichts Ungewöhnliches in Nordamerikas Profiligen. Vor allem kurz vor dem Ende der Trade Deadline glühen die Handys der Klub-Manager und Spieleragenten. Einige Vereine wollen sich für die anstehenden Playoffs verstärken. Andere, bei denen absehbar ist, dass sie die Ko-Runde verpassen, nutzen das Wechselfenster dazu, hoch bezahlte Profis abzugeben, deren Verträge am Saisonende ohnehin auslaufen, um so noch einen Gegenwert zu bekommen. Die Spieler haben bei den Deals wenig bis gar kein Mitsprache-Recht. Sie sind quasi Handelsware. Einige kuriose Wechsel hat n-tv.de zusammengestellt:

17. März 1993: Eishockey-Profi Doug Weight spielt seit zwei Jahren für die New York Rangers. Als der Stürmer zum Heimspiel gegen die Edmonton Oilers in den Madison Square Garden kommt, erfährt er, dass er gerade getraded worden ist - und zwar nach Edmonton. Weight geht in die Umkleide der Rangers, holt seine Sachen und marschiert direkt in die Oilers-Kabine. Wenig später steht er für Edmonton gegen seinen nun Ex-Klub auf dem Eis. Ehefrau Allison weiß von dem Tausch noch nichts, als sie in die Arena kommt - und wundert sich, dass sie ihren Mann nicht unter den Rangers-Spielern findet, sondern Weight ein Oilers-Trikot trägt.

Und dann geht alles ganz schnell

30. November 2005: Marco Sturm setzt sich in der Gästekabine der Dallas Stars seinen Helm auf und ist kurz davor, für die San Jose Sharks aufs Eis zu gehen. Sturm hat seit 1997 bereits 553 Spiele für die Kalifornier absolviert. Was er nicht weiß: Zu einem 554. Match im Sharks-Trikot kommt es nicht mehr. "Wir waren schon in Richtung Eisfläche, und auf einmal heißt es Sturm, Primeau, Stuart, zurück in die Trainerkabine. Da stand dann der Manager und sagte, Jungs, ihr seid gerade getraded worden", erzählt Sturm im Gespräch mit n-tv.de.

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Und schon ist er in Boston: Marco Sturm im Dezember 2005.

Zusammen mit seinen Teamkollegen Wayne Primeau und Brad Stuart wurde Sturm an die Boston Bruins abgegeben. Im Gegenzug sicherte sich San Jose die Dienste von Bruins-Kapitän Joe Thornton. Der Wechsel kommt für Sturm überraschend, denn die NHL-Saison ist gerade mal einen Monat alt. Nach der Bekanntgabe, erinnert sich der Deutsche, sei alles "ziemlich schnell gegangen." Duschen, umziehen, zurück ins Hotel. Und am nächsten Morgen saß er mit Primeau und Stuart um 6 Uhr im Flieger nach Boston.

Sportlich fand sich der Bayer dort schnell zurecht. Bereits am Abend schoss er im Heimspiel gegen die Ottawa Senators nach nur 77 Sekunden das 1:0. Privat hingegen war er lange allein. "Meine Familie habe ich monatelang nicht gesehen. Mein Sohn war gerade ein Jahr alt und meine Frau schwanger", sagt Sturm. Zudem ärgerlich: er hatte nur Kleidung für die ursprünglichen drei Auswärtsspiele der Sharks in Dallas, Buffalo und Toronto dabei. "Du wirst einfach durchgereicht und das ist das Harte an diesem Geschäft, dass du von heute auf morgen deine Koffer packen musst. Ich glaube, es ist noch in Ordnung, wenn man alleine ist, oder nur mit Freundin oder Frau. Aber es wird schwieriger, wenn man dann Familie hat."

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"So ist das nun mal": Jalen Rose.

3. Februar 2006: NBA-Profi Jalen Rose wacht in seinem Apartment in Toronto auf. Er spielt seit 2004 für die Toronto Raptors, die am Abend auf die New York Knicks treffen. Im Laufe des Tages wird bekannt, dass die Raptors Rose zu den Knicks abgegeben haben. "Ich habe während des Spiels auf der Knicks-Bank gesessen und bin danach mit denen nach New York geflogen. So ist das nun mal", sagt Rose.

12. Januar 2012: Die Montreal Canadiens spielen bei den Boston Bruins. Zu Beginn des Schlussdrittels fällt zunächst kaum auf, dass Mike Cammalleri nicht mehr auf der Gästebank sitzt. Mitspieler Travis Moen geht davon aus, dass sich der Stürmer verletzt hat. Erst allmählich sickert die Nachricht durch, dass Cammalleri in der zweiten Drittelpause zu den Calgary Flames getraded worden war.

Quelle: n-tv.de

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