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Hype um einen Hochbegabten Wie die NBA von Luka Doncic profitiert

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Yes! Si! Da! Pressekonferenzen mit Luka Doncic gibt es in dreifacher Sprachausgabe.

(Foto: USA TODAY Sports)

Für Shootingstar Luka Doncic könnte die NBA-Saison kaum besser laufen. Der 20-Jährige trumpft mit überragenden Statistiken auf und steht verdient im All-Star-Team. Dazu wird der sprachbegabte Slowene abseits des US-Markts immer wichtiger für die Liga.

Luka Doncic ist die neue Attraktion der NBA. Der Slowene, der eine Rekordspielzeit in der wichtigsten Basketballliga der Welt ansteuert, ist beim All-Star-Game in Chicago omnipräsent. Der 20-Jährige könnte sowohl das neue Gesicht der Liga und als auch zum Zugpferd der NBA im Ausland werden.

Doncic war in Chicago quasi überall: Bei der Rising Stars Challenge wirkte er auf dem Court mit, beim All-Star Game steht er in der Startformation. Mit seinem versenkten Wurf von der Mittellinie sorgte er für das Highlight des Rookie-Spiels. Dabei gab es bereits vorab eine Art Ritterschlag - ein Treffen mit Barack Obama. Der Ex-Präsident marschierte beim Pressetermin der Rookies schnurstraks auf Doncic zu, um mit ihm ein paar Worte zu wechseln. "Er hat mir nur gesagt, dass ich einen fantastischen Job mache", sagte Doncic danach. "Das inspiriert mich."

Wer sich die Statistiken und Rekorde von Doncic ansieht, wird gar nicht denken, dass es noch weiterer Inspiration bedarf. In dieser Saison liegt er im Durchschnitt bei 28,9 Punkten, 9,5 Rebounds und 8,7 Assists und führt die Dallas Mavericks in jeder Kategorie an. Er ist auch der jüngste Spieler, der jemals solche Zahlen vorweisen konnte. Darüber hinaus hat durch ein Triple-Double im Januar mit über 17 Assists einen jahrzehntelangen Rekord von Magic Johnsons eingestellt.

Nicht nur sportlich überzeugt der Slowene, er verleiht der NBA auch international durch sein Auftreten noch mehr Gewicht. Seine Pressetermine während des All-Star Wochenendes handelt der Slowene gleich dreisprachig ab - er wechselt dabei fließend zwischen Englisch, Slowenisch und Spanisch. Die sechs Jahre bei Real Madrid machen sich an der Stelle bezahlt. Beim Spiel seiner Dallas Mavericks in Mexiko City im Dezember wurde er frenetisch gefeiert, nachdem er sich auf Spanisch vorgestellt hatte.

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Doncic will mit den Mavericks unbedingt in die Playoffs.

(Foto: USA TODAY Sports)

Die Fähigkeit mit vielen Menschen in Kontakt treten zu können, wird hoch geschätzt in der NBA, vor allem von Commissioner Adam Silver. Der 57-Jährige erwähnte in der Pressekonferenz eine Situation, in der Doncic während eines Spiels Sprüche aus dem Publikum auf Slowenisch hatten ertragen müssen. Der Trash-Talker war der verstorbene Kobe Bryant, der als sprachbegabter Mensch problemlos mit anderen Verbindungen schaffen konnte. Auch wenn zwischen Doncic und Bryant angesichts der sportlichen Errungenschaften noch Welten liegen, besitzt auch der Slowene diese soziale Fähigkeit.

Bescheiden und bodenständig wirkt Doncics Auftreten. MVP des All-Star-Wochenendes, das werden seiner Meinung nach andere. "LeBron James oder Anthony Davis", antwortete er auf die Frage nach seinen MVP-Ambitionen.

NBA vertieft Europa-Ambitionen

Entsprechend galt der ganz große Jubel in Chicago LeBron, doch die NBA entwickelt immer globalere Fühler, die über den US-Markt hinausgehen. Ein großer Markt war für die NBA vor wenigen Monaten weggefallen. Nachdem Daryl Morey, der Manager der Houston Rockets, auf Twitter seine Unterstützung für die Demonstranten in Hongkong kundtat, wurden NBA-Spiele nicht mehr über den chinesischen Staatssender CCTV ausgestrahlt. Der Liga fehlen dadurch Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich, wie Commissioner Adam Silver bestätigte. Ob sich die Wogen zeitnah glätten lassen, da ist sich Silver nicht sicher. "Es ist eine Entscheidung, die sicherlich außerhalb unserer Kontrolle liegt, und ehrlich gesagt, bin oft nicht sicher, bei wem diese Entscheidung in China überhaupt liegt", betonte Silver.

Daher intensiviert die NBA ihre Ambitionen in bekannten und neuen Märkten. Einen intensiveren Vorstoß Richtung Europa wurde im Januar mit dem Spiel in Paris zwischen den Charlotte Hornets und den Milwaukee Bucks bereits gemacht. Die beiden Stars des Spiels: Nicolas Batum (Frankreich) und Giannis Antetokompou (Griechenland) - beides Europäer, die das französische Publikum begeistern. Im kommenden wird Paris wieder eine Ligaspiel der NBA austragen. Dafür - und für weitere NBA-Spiele in Europa - kann man sich bereits auf der Webseite vormerken lassen.

Ein weiteres weniger erschlossenes Territorium ist Afrika. Dort startet eine kontinentale Subliga der NBA, um Talente zu fördern. Aber auch um den Markt weiter zu erschließen. Schließlich hätten 400 Millionen Afrikaner mittlerweile ein Smartphone und könnten die NBA streamen, ist sich Silver sicher.

Um diese Märkte zu erobern, brauchen die Menschen dort Identifikationsfiguren. Die werden rund um das All-Star-Wochenende medienwirksam ins Schaufenster gestellt. Für den afrikanischen Raum sind Spieler wie Pascal Siekam oder Joel Embiid (beide Kamerun), in Mexiko und Europa ist Luka Doncic der zurzeit gefragteste NBA-Star.

Quelle: ntv.de