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Youngster beerbt Becker Zverev steht im Endspiel der Tennis-WM

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Zverev präsentiert sich bei den ATP Finals, der inoffiziellen Tennis-WM, spiel- und nervenstark.

(Foto: imago/Paul Zimmer)

Dank einer überragenden Vorstellung gegen Roger Federer spielt Alexander Zverev als erster Deutscher seit Boris Becker vor 22 Jahren um den Titel beim ATP-Saisonfinale. Vor allem auf seinen Aufschlag kann sich der Tennis-Star verlassen - nicht aber aufs Publikum.

Alexander Zverev greift im letzten Match des Jahres nach seinem bislang größten Titel. Der gebürtige Hamburger setzte sich beim ATP-Finale der acht Saisonbesten im Generationenduell gegen den Schweizer Rekordsieger Roger Federer 7:5, 7:6 (7:5) durch und zog als erster deutscher Tennisprofi seit Boris Becker 1996 ins Endspiel des prestigeträchtigen Turniers ein.

Mit einem Erfolg am Sonntag (19.00 Uhr MEZ/Sky) gegen den Serben Novak Djokovic oder Kevin Anderson aus Südafrika kann sich Zverev nach Boris Becker (1988, 1992, 1995) und Michael Stich (1993) als dritter Deutscher in die Siegerlisten eintragen. Doch schon der Triumph über sein einstiges Idol Federer (37) in einem über weite Strecken hochklassigen Match war ein weiterer Meilenstein in Zverevs junger Karriere.

Zuschauern reagieren heftig

Beim Siegerinterview pfiffen ihn die Zuschauer allerdings aus, eine unglückliche Situation im Tiebreak, als ein Balljunge das Spiel störte, hatte sie gegen Zverev aufgebracht. "Ich wollte nicht, dass es so endet", sagte Zverev und musste schlucken: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin gerade ein bisschen verloren." Vorzuwerfen hatte er sich indes nichts - sein Verhalten war absolut regelkonform gewesen.

Vor mehr als 17.000 Zuschauern in der Londoner o2-Arena hatte der Weltranglistenfünfte nahtlos an seine Leistung aus dem entscheidenden Gruppenspiel am Freitag angeknüpft, in dem er gegen John Isner (USA) den Einzug ins Halbfinale perfekt gemacht hatte. Von der Müdigkeit, die Zverev nach eigener Aussage seit zwei Monaten begleitet, war kaum etwas zu spüren. Vor allem in den wichtigen Momenten spielte der 21-Jährige hochkonzentriert.

Bis zum 6:5 im ersten Durchgang war die sechste Begegnung zwischen Zverev und Federer ausgeglichen, doch als der sechsmalige Sieger aus der Schweiz bei eigenem Aufschlag erstmals wackelte, war Zverev zur Stelle. Nach einem nahezu perfekten Returnspiel verwandelte er seinen ersten Satzball. Der dritte Sieg über den 20-maligen Grand-Slam-Champion nach den Erfolgen bei den Gerry Weber Open 2016 und in Montreal 2017 war nicht mehr weit entfernt. Doch Federer, der in London zuletzt 2011 triumphiert hat, wehrte sich und nahm Zverev im zweiten Satz den Aufschlag ab.

Youngster wirkt gefestigt

Die Zuschauer feierten ihren Liebling und stöhnten enttäuscht auf, als Federer das Break sofort wieder hergab. Fortan gab sich Zverev bei eigenem Aufschlag keine Blöße mehr, auch wenn er nicht ganz so herausragend servierte wie beim Sieg über Isner. Die Spannung erreichte ihren Höhepunkt im Tiebreak des zweiten Satzes. Zverev behielt auch in der turbulenten Schlussphase die Nerven und triumphierte nach 1:34 Stunden.

Während Federer damit mindestens bis zum kommenden Jahr auf seinen 100. Titel auf der ATP-Tour warten muss, darf Zverev auf einen glanzvollen Abschluss der Saison hoffen. Gegen Djokovic hatte er in der Vorrunde letztlich deutlich verloren, im ersten Satz aber mehr als mitgehalten.

Anders als bei seinem Turnierdebüt 2017 hatte sich Zverev von der Niederlage im zweiten Vorrundenspiel aber nicht aus dem Tritt bringen lassen. Damals verlor Zverev gegen Federer und schied aus. Der Finaleinzug verdeutlicht seine Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten, die er am Sonntag mit seinem bislang größten Erfolg krönen kann.

Quelle: ntv.de, Cai-Simon Preuten, sid