Formel1

Formel-1-Rennstall vor Rückzug Caterham versinkt im Chaos

imago17764205h.jpg

Letzter Auftritt in Sotschi? Caterham steht vor einer ungewissen Zukunft.

(Foto: imago/LAT Photographic)

Wem gehört eigentlich der Formel-1-Rennstall Caterham? Diese Frage sorgt für Streit. Inmitten der Wirren tritt der Teamchef zurück, in den USA wird Caterham wohl nicht starten - und das ist gut so, schaut man sich an, wie das Team arbeitet.

Stell dir vor, du kaufst ein Formel-1-Team und stellst dann Monate später fest, dass es dir gar nicht gehört. So geschehen im Fall Caterham. Ein Streit um die Besitzverhältnisse zwischen den Vorbesitzern und den jetzigen, vermeintlichen Eigentümern droht, den Rennstall im Saison-Endspurt lahmzulegen. Ein Start von Caterham beim kommenden USA-GP in Texas ist äußerst fraglich.

Obwohl das Team seit Monaten von einem schweizerisch-arabischen Investorenzusammenschluss mit Berater Colin Kolles an der Spitze geführt wird, gehören die Anteile offenbar noch der Gruppe um den malaysischen Vorbesitzer Tony Fernandes. Laut der jetzigen Caterham-Führung sei der Kaufvertrag am 29. Juni 2014 unterschrieben worden. "Seit diesem Datum weigert sich der Verkäufer, seinen rechtlichen Pflichten nachzukommen und seine Anteile an den Käufer abzugeben. Der Käufer wird in der ärgerlichen Situation belassen, das Team zu finanzieren, ohne einen Rechtsanspruch zu haben", teilte das Team in einer Pressemitteilung mit. Der Käufer sehe sich nun gezwungen, "alle Möglichkeiten zu sondieren, dazu zählt auch ein Rückzug des Management Teams".

Teamchef weg?

Der Konter von Fernandes ließ nicht lange auf sich warten. Beim britischen Sender "BBC" bezeichnete er das Statement des Rennstalls schlichtweg als "Müll". Seine Version der Geschichte: Kolles & Co. hätten kein Geld überwiesen. "Wenn du etwas kaufst, solltest du auch dafür bezahlen. Ganz einfach", twitterte der Unternehmer aus Malaysia.

Der Streit um die Besitzverhältnisse wirkt sich bereits direkt auf den Rennstall aus. So soll sich Teamchef Manfredi Ravetto nicht mehr in der Verantwortung befinden. "Ich wurde von meinen direkten Vorgesetzten gebeten, zurückzutreten. Das habe ich befolgt", wird Ravetto von "Crash.net" zitiert. "Was ab morgen geschieht, entzieht sich meiner Kontrolle."

Noch verworrener wird der Fall beim Blick auf das inzwischen insolvente Unternehmen "Caterham Sports Limited", das zwar im gleichen Gebäude sitzt wie der Caterham-Rennstall, laut Kolles aber lediglich "Zulieferer" war und nicht in direkter Verbindung mit dem F1-Team stehe. Die Berufung eines Insolvenzverwalters habe jedoch verheerende Wirkung auf die Aktivitäten des Rennstalls, heißt es in der Stellungnahme.

Aufhängung mit Karbon geflickt

Dass bei Caterham momentan das Chaos regiert, zeigte auch ein Vorfall beim Russland-GP. Laut "BBC" wandte sich während des 3. Freien Trainings Kamui Kobayashi in einer Facebook-Mitteilung an seine Fans und fragte, ob er mit dieser Aufhängung tatsächlich fahren solle. "Erschreckend! Letzte Nacht wurde ein Defekt an der Aufhängung gefunden. Es gibt keine Ersatzteile, also wurde es repariert, indem man Karbon drumwickelte", zitiert der britische Sender aus Kobayashis Post, der mittlerweile gelöscht worden ist. Dazu stellte er ein Foto online, das nicht nur für einen Motorsport-Laien besorgniserregend wirkt. Es zeigt, dass Bruchstellen an der Aufhängung mit Klebeband geflickt wurden.

Der 28-Jährige spielte aufgrund der notdürftigen Reparatur mit dem Gedanken, nicht in seinen Boliden zu steigen. "Ich würde am liebsten nach Hause gehen." Dieser Wunsch könnte ihm jetzt erfüllt werden.

Quelle: ntv.de, n-tv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.