Formel1

Gänsehaut-Bericht zu F1-Drama Grosjean war bereit, im Feuer zu sterben

Formel-1-Pilot Romain Grosjean hofft trotz der Verletzungen nach seinem Feuer-Unfall von Bahrain weiter auf einen Einsatz beim Saisonfinale in Abu Dhabi. Mit diesen Bildern wolle er seine Karriere nicht beenden. Wie er den Horrorcrash erlebt hat, hat er nun emotional erzählt.

Romain Grosjean hob am Ende den Daumen. Und lächelte. Womöglich auch wegen der Aussicht auf das, was in den nächsten Wochen kommen wird. Zeit mit der Familie nämlich. Radfahren und Kitesurfen. Das ist geplant, wenn die Saison der Formel 1 nach dem Rennen in Abu Dhabi am übernächsten Wochenende zu Ende geht. Für den Franzosen bedeutet das Saisonende am 13. Dezember gleichzeitig den Abschied aus der Königsklasse des Motorsports. Der Vertrag des 34-Jährigen beim kleinen Rennstall Haas wurde nicht verlängert. "Vorige Woche war meine Priorität, einen Vertrag zu unterschreiben und Rennen zu fahren. Das hat sich ein bisschen verändert", erklärte er in einer Videokonferenz am Freitag.

Geändert hat sich alles am vergangenen Wochenende. In Sakhir, beim Großen Preis von Bahrain, war der Franzose nach nur wenigen Fahrsekunden, nach der dritten Kurve, nach einer Berührung mit dem Alpha Tauri des Russen Daniil Kvyat mit 221 Kilometern pro Stunde in die Leitplanke gekracht. Sein Bolide brach in zwei Teile und ging in einem spektakulären Feuerball auf. Es war eine Szene, die die Formel 1 in Schockstarre versetzte. Es waren Sekunden. Unendliche. Unerträgliche.

Es war ein intensives Bangen um das Leben von Romain Grosjean. In Worten, die Gänsehaut verursachen, beschreibt er nun die Momente in der Feuerhölle. "Es waren 28 Sekunden im Feuer, es hat sich aber viel länger angefühlt. Als ich rauswollte, habe ich mir den Kopf gestoßen. Ich habe mich wieder gesetzt und gedacht: Ich warte, ich habe mich irgendwie überschlagen. Ich warte, bis mir jemand hilft. Ich habe das Feuer erst nicht gesehen. Ich drehte mich nach links und habe mir wieder den Kopf gestoßen. Aber ich habe dann überall Feuer gesehen. Da war keine Zeit, zu warten. Ich musste an Niki Lauda denken. Ich dachte, es kann nicht so enden, es kann nicht mein letztes Rennen gewesen sein. Niemals. Ich habs immer wieder probiert, aber ich steckte fest. Mein Fuß steckte fest."

In den verzweifelten Kampf um die Flucht aus dem Cockpit mischte sich die Todesangst. Wobei es keine Angst war, vielmehr ein innerer Frieden. "Plötzlich hat sich mein Körper entspannt", berichtet der Franzose. "Ich war im Reinen mit mir und dachte, ich würde sterben. Ich habe mich gefragt, wo es anfängt. Verbrennt meine Hand, mein Fuß? Tut es weh? Dann musste ich an meine Kinder denken. Und ich dachte: Die können ihren Papa nicht heute verlieren!" Was dann genau passiert, weiß Grosjean nicht mehr. Irgendwann habe er es dann irgendwie mit seinem Oberkörper geschafft, sich zu befreien. "Meine Hände kamen ins Feuer. Ich habe meine roten Handschuhe gesehen. Einer wurde vom Feuer schon ganz schwarz. Ich war erleichtert, dass ich endlich aus dem Auto raus bin, und spürte dann, wie mich jemand berührt. Da habe ich dann gemerkt, dass ich ein laufender Feuerball bin."

"Ich hatte nie Panik"

Ein Streckenposten löschte das Feuer. Grosjean sollte sich auf eine Trage legen. Aber er wollte nicht. Er wollte zum Medical Car laufen. Er wollte das Signal senden, dass es ihm gut gehe. "Ich hatte nie Panik. Ich habe mathematisch genau gewusst, was ich tun muss. Ich weiß nicht, ob das angeboren ist oder ob man das lernen und trainieren kann. Aber das hat mich gerettet", berichtet er.

Besonders emotional wurde dann das Wiedersehen mit seiner Frau Marion: "Sie kam am Mittwochabend in Bahrain an. Für sie war wichtig, mich zu umarmen. Sie konnte nicht fassen, dass ich noch in einem Stück bin." Das Leiden seiner Familie, seiner Freunde, das beschäftigt Grosjean mehr als die Folgen des Unfalls. "Sie dachten fast drei Minuten, dass ich sterben werde. Dass sie das durchmachen mussten, treibt mir die Tränen in die Augen."

Doch trotz dieser dramatischen Momente will Grosjean noch einmal in seinen Boliden zurückkehren. "Mit diesen Bildern will ich meine Karriere nicht beenden." An einen Einsatz an diesem Wochenende ist indes nicht zu denken, zu schmerzhaft sind die Folgen des Unfalls, den er unfassbarer Weise nur mit leichten Verbrennungen und zwei gebrochenen Zehen überstanden hatte. Grosjean hofft daher auf einen echten Abschied in Abu Dhabi. "Mir ist das Rennen wichtig, aber ein Rennen ist nicht so wichtig wie der Rest meines Lebens." Sollte er nicht rechtzeitig fit werden, wolle er "jedes Formel-1-Team anrufen und bitten, ob sie mir im Januar einen privaten Test ermöglichen mit 10, 15 Runden nur für mich selbst".

Quelle: ntv.de