Formel1

"Hulks" Drama, Vettels Desaster Hamilton holt wilden Sieg auf drei Reifen

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton gewinnt auch in Silverstone, wenn auch nach einem Reifenschaden kurz vor dem Ziel denkbar knapp. Sebastian Vettel wird Zehnter, der deutsche "Blitz-Comebacker" Nico Hülkenberg kann wegen technischer Probleme gar nicht erst an den Start gehen.

Auch mit einem Mercedes-Dreirad steuert Lewis Hamilton unaufhaltsam seinem siebten WM-Titel entgegen, Sebastian Vettel landet mit Ferrari als Zehnter im Niemandsland der Formel 1, und Nico Hülkenberg kann sein Comeback bei Racing Point nach einem "krassen Krimi" schon vor dem Start abhaken: Während es für die beiden deutschen Fahrer beim britischen Grand Prix in Silverstone nicht viel zu holen gab, sammelte Hamilton den 87. Rennsieg seiner Karriere mit einer für die Konkurrenz unerträglichen Leichtigkeit ein - trotz eines sich auflösenden linken Vorderreifens eine halbe Runde vor dem Ziel.

"Wow, das war knapp", funkte Hamilton nach der Zieldurchfahrt an seine Boxencrew. "Bis zur letzten Runde war alles easy. Ich bin quasi dahingesegelt", erklärte Hamilton weiter: "Als ich gehört habe, dass sich der Reifen bei Valtteri verabschiedet hat, habe ich etwas langsamer gemacht. Plötzlich ging auch bei mir die Luft raus. Ich bin kaum noch um die letzten beiden Kurven rumgekommen. Gott sei Dank hat es geklappt. Mein Herz ist fast stillgestanden, deswegen war ich wohl so cool."

Verstappen hätte das Rennen wohl gewonnen, wäre er kurz vorher nicht noch einmal an die Box gefahren, um sich die schnellste Rennrunde zu sichern: "Die Mercedes waren im Rennen zu schnell. Die Reifen sahen nicht gut aus. Dann hatte ich Angst, dass mir der Reifen platzt, deswegen bin ich noch einmal rein. Dann platzt Lewis der Reifen. Ich bin trotzdem zufrieden mit dem zweiten Platz."

Bitterer Tag für Hülkenberg und andere

Den Vorsprung in der WM-Wertung baute der 35-Jährige Hamilton nach seinem dritten Saisonsieg im vierten Rennen weiter aus, bereits 30 Punkte trennen ihn nach vier Rennen von seinem ersten Verfolger Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Dass Hamilton am Ende der Saison zu Rekord-Weltmeister Michael Schumacher aufschließt, scheint bereits jetzt in Stein gemeißelt.

Einen erneuten Mercedes-Doppelsieg verhinderte ein Ausrutscher von Bottas zwei Runden vor dem Ende, der Finne fiel als Elfter aus den Top Ten und musste Max Verstappen im Red Bull und Charles Leclerc im Ferrari die weiteren Plätze auf dem Treppchen überlassen.

Hülkenberg erlebte derweil das Rennen als Zuschauer am Racing-Point-Kommandostand, nachdem er am Donnerstag in einer Hau-Ruck-Aktion als Ersatz für den positiv auf Corona getesteten Mexikaner Sergio Perez eingeflogen worden war. "Vor mir liegt das härteste Rennen meiner Karriere", hatte er noch kurz vor dem Start voller Vorfreude gesagt: "Es wird eine Herausforderung, aber auch eine, auf die ich mich freue."

Die Freude war von kurzer Dauer, ein Defekt an der Antriebseinheit stoppte Hülkenberg schon auf dem Weg in die Startaufstellung. Der Computer hatte eine Fehlermeldung gesendet, alle Versuche der Mechaniker, diesen Fehler rechtzeitig zu finden und zu beseitigen, scheiterten.

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"Ganz genau kann ich nicht sagen, was los war", sagte Hülkenberg am RTL-Mikrofon: "Der Motor war nicht zu starten. Das ist bitter. Ein krasser Krimi, in dem ich mich befinde. Es ging nix, da war nix zu reparieren." Ob er es nächste Woche an gleicher Stelle erneut versuchen darf, entscheidet sich laut Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer "spätestens am Donnerstag".

Vettel glaubt nicht mehr an Wunder

Vettel wird es auf jeden Fall erneut versuchen, obwohl der viermalige Weltmeister von der Leichtigkeit des Seins so weit entfernt ist wie Hamilton von der letzten Startreihe. Schier endlose technische Probleme im Training und im Qualifying schürten Vettels Frust, dennoch bemühte er sich um gute Miene zum bösen Spiel. "Wir kommen von Platz zehn, und ich gehe nicht von einem Wunder aus, dass wir auf das Podium fahren", hatte er vor dem Rennen gesagt und wenigstens "auf ein bisschen mehr Spaß als in den letzten beiden Tagen" gehofft: "Idealerweise geht es ein paar Plätze nach vorne, viel schlimmer kann es ja nicht mehr werden."

Viel Spaß dürfte er in einem an Höhepunkten armen Rennen in der Heimat des britischen Motorsports allerdings kaum gehabt haben. "An diesem Wochenende fanden das Auto und ich nicht zusammen. Insgesamt habe ich wenig Vertrauen in das Auto gehabt", sagte der sichtlich bediente viermalige Weltmeister nach dem Rennen bei RTL: "Es ist grundlegend was faul, entweder bei mir oder im Auto. Es ist nicht die schönste Zeit. Es war eher ein Retten als ein Attackieren. Wir können nur arbeiten, mehr bleibt uns nicht übrig."

An der Spitze zog Hamilton einsam seine Kreise, nur Bottas konnte dem Weltmeister in der Form seines Lebens einigermaßen folgen. Mercedes fuhr erneut ein eigenes Rennen im Rennen, die Konkurrenz hatte keine einzige Chance, die Silberpfeile zu attackieren. Hamiltons Vorsprung war letztlich so groß, dass Verstappen ihn auch nach seinem Reifenschaden nicht mehr einholen konnte.

Quelle: ntv.de, Raphaelle Peltier und Angela Bern, sid