Formel1

Kritik am Kampf gegen Rassismus Hamilton tadelt "ignoranten" Ex-Weltmeister

imago0047531340h.jpg

Gemeinsam mit Lewis Hamilton gingen viele F1-Fahrer gegen Rassismus aufs Knie.

(Foto: HOCH ZWEI/Pool/Motorsport Images)

Ex-Formel-1-Weltmeister Mario Andretti kritisiert den aktuellen Champion Lewis Hamilton wegen dessen Einsatz gegen Diskriminierung, weil er Sport und Politik nicht vermischen solle. Hamilton holt daraufhin zum Rundumschlag aus, weist den ehemaligen F1-Piloten zurecht - und will weiter gegen Rassismus kämpfen.

Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton hat die Kritik von Mario Andretti an seinem Einsatz gegen Rassismus scharf zurückgewiesen. Es sei "enttäuschend, aber leider Realität", dass einige der älteren Generation nicht aus ihrer Haut könnten und "erkennen, dass es ein Problem gibt", schrieb Hamilton in den sozialen Netzwerken. Das sei "reine Ignoranz, es wird mich aber nicht davon abhalten, mich weiter für einen Wandel einzusetzen."

Der 80-jährige US-Amerikaner Andretti, 1978 Formel-1-Weltmeister, hatte Hamiltons Einsatz in der chilenischen Zeitung "El Mercurio" kritisiert. Politik und Sport sollten nicht miteinander vermischt werden, mahnte Andretti. "Ich respektiere Lewis sehr, aber warum wird er militant? Er ist immer akzeptiert worden, und er hat sich jedermanns Respekt verdient." Der englische Mercedes-Pilot verursache ein "Problem, das gar nicht existiert."

Hamilton ist der erste schwarze Fahrer in der Formel 1 und setzt sich vehement gegen Diskriminierung ein. Der Mercedes-Pilot hatte in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich die "Black-Lives-Matter"-Bewegung unterstützt. Zudem warf er der Formel 1 vor, ein "von Weißen dominierter" Sport zu sein und gründete eine Kommission, die mehr schwarzen Menschen den Weg in die Formel 1 ebnen soll.

Ecclestone ist "ignorant und ungebildet"

Den Fahrer-Protest vor dem letzten Grand Prix in Ungarn am vergangenen Sonntag hatte er als unorganisiert bezeichnet, nachdem unter anderem Piloten zu spät zur gemeinsamen Aktion gekommen waren. Schon beim ersten GP in Österreich war es zum Kniefall gekommen, Hamilton zeigte sich dort "dankbar" für die 13 Piloten, die sich ihm damals angeschlossen hätten, allerdings habe er "niemanden dazu aufgefordert". Auf ein Knie zu gehen, sei "immer noch eine wirklich kraftvolle Botschaft, aber letztlich wird es die Welt nicht verändern", sagte Hamilton, dessen Vater aus der Karibik stammt.

Im Juni hatte bereits der frühere F1-Boss Bernie Ecclestone in einem CNN-Interview behauptet, in vielen Fällen seien schwarze Menschen rassistischer als weiße Menschen. "Verdammt, ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll", leitete Hamilton seine Reaktion daraufhin ein und kritisierte Ecclestones Aussagen als "ignorant und ungebildet". "Wenn jemand, der den Sport über Jahrzehnte führt, so wenig von den tiefgreifenden Problemen versteht, mit denen schwarze Menschen jeden Tag umgehen müssen, wie können wir dann Verständnis von den Menschen erwarten, die unter ihm arbeiten".

Der 89 Jahre alte Ecclestone sei zwar nicht mehr Teil der Formel 1 und aus einer anderen Generation, seine Kommentare würden aber zeigen, was falsch laufe. "Es ergibt für mich nun Sinn, warum nichts gesagt oder getan wurde, um unseren Sport diverser zu machen oder den rassistischen Angriffen zu begegnen, denen ich in meiner ganzen Karriere ausgesetzt war", schrieb Hamilton damals bei Instagram.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa