Formel1

Wechsel auf Mercedes-Motoren McLaren übersteht "OP am offenen Herzen"

Beim britischen traditionsrennstall McLaren setzt man in der kommenden Formel-1-Saison auf Mercedes-Motoren. Im Gespräch mit RTL/ntv gibt Teamchef Andreas Seidl Einblicke in die komplizierte Mission, unter diesen Umständen einen Rennwagen für die großen Ziele zu schaffen.

Feuer frei für den neuen McLaren-Papaya. Teamchef Andreas Seidl ist mit der Entwicklung des 2021er Wagens MCL35M sehr zufrieden, vor allem angesichts der schwierigen Bedingungen der vergangenen Monate. Ein Großteil des neuen Renners sei im Home Office entwickelt worden, verriet er im großen RTL/ntv-Interview. Den Wechsel auf die Mercedes-Power-Unit bezeichnete Seidl als "Operation am offenen Herzen".

Seidl verteilte im Gespräch mit RTL/ntv Extralob an sein Team. "Sie haben einen super Job gemacht in den letzten zehn Monaten unter diesen Bedingungen". Herausgekommen ist der neue MCL35M – entwickelt "zu 90 bis 95 Prozent" aus dem Home Office. "Das hat erstaunlicherweise auch super funktioniert", sagte der 45-Jährige. "Dem Team kann man gar nicht genug danken."

Neben den Anpassungen an der Aerodynamik hatten die McLaren-Ingenieure eine wichtige Aufgabe auf dem Offseason-Zettel: die neue Mercedes Power Unit zu integrieren. Der Einbau des neuen Antriebs sei eine "Operation am offenen Herzen", erklärte Seidl.

Der enge Vierkampf um Platz drei

Die Zielsetzung des Teams aus Woking ist klar: Platz drei gegen die starke Konkurrenz verteidigen und den Platzhirschen auf die Pelle rücken. Das Duo Lando Norris und Neuzugang Daniel Ricciardo soll dem Rennstall zum "nächsten Schritt" verhelfen. Das heißt: McLaren möchte näher an die Über-Teams Mercedes und Red Bull heranrücken. "Gleichzeitig unterschätzen wir nicht die starke Konkurrenz aus dem vergangenen Jahr. Wir erwarten einen extrem engen Kampf mit den gleichen Gegnern wie letztes Jahr", so Seidl.

Das bedeutet ein Vierkampf ums Treppchen mit Aston Martin (ehemals Racing Point), Alpine (ehemals Renault) und Ferrari. Im vergangenen Jahr trennten McLaren und Racing Point in der Team-WM lediglich sieben Pünktchen. "Wenn wir Platz 3 erreichen können, wäre das ein Mega-Erfolg", stellte Seidl klar. Aber der Teamchef erinnerte auch daran, wie knapp dieser Kampf 2020 bis zum letzten Rennen in Abu Dhabi war. Und mit Sebastian Vettel soll künftig ein viermaliger Weltmeister noch mehr Punkte für den neuen Aston-Martin-Rennstall einfahren als sein Vorgänger Sergio Perez für Racing Point gesammelt hatte.

Dem großen Angriff auf die Spitze stünde noch das ein oder andere Defizit im Weg, so Seidl. Als Beispiel nannte er den eigenen Windkanal, den McLaren erst in zwei Jahren benutzen könne. "Das dauert einfach", sagte Seidl. Bis dahin gilt: Platz drei verteidigen.

Quelle: ntv.de, esc/ter