Formel1

Von Platz elf weit nach vorne Sebastian Vettel kann es ja doch noch

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Ein Bild, das selten geworden ist.

(Foto: Pool via REUTERS)

Es ist ein Highlight in einer an Höhepunkten sehr armen Saison für Sebastian Vettel: Beim Großen Preis der Türkei fährt der Formel-1-Pilot mit einer starken Leistung erstmals im Jahr 2020 unter die Top Drei. Dort angekommen, ist jubeln aber erstmal gar nicht so wichtig.

"Ein klein wenig überrascht" war Sebastian Vettel nach dem Großen Preis der Türkei, und nicht nur er. Denn üblicherweise muss der Ferrari-Pilot nach dem Rennen erklären, warum er gerade die nächste Enttäuschung in einer für die Ansprüche eines vierfachen Weltmeisters so desaströsen Formel-1-Saison erlebt hat. In Istanbul aber zeigte der 33-Jährige die Klasse, die ihm so mancher Beobachter in den vergangenen Monaten schon abgesprochen hatte.

Auf der ohnehin anspruchsvollen und dann auch noch regennassen Strecke in Istanbul arbeitete sich Vettel von Startplatz elf aus mit einer herausragenden ersten Runde weit nach vorne und krönte sein Rennen, als er wenige Meter vor der Zielflagge seinen Teamkollegen Charles Leclerc doch noch von Platz drei verdrängte.

"Es war ein tolles Rennen unter schweren Bedingungen", resümierte Vettel anschließend und machte deutlich, dass er seinen Ehrgeiz längst nicht verloren hat: "Ich hätte gerne am Ende nochmal Slicks aufgezogen, ich denke, das wäre eine Chance auf den Sieg gewesen." Knapp 32 Sekunden fehlten am Ende der 58 ereignisreichen Runden auf Rennsieger Lewis Hamilton, es wäre eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen.

Bevor Vettel aber öffentlich darüber nachdachte, was noch hätte sein können, zollte er dem alten und neuen und damit nun siebenfachen Weltmeister seinen Respekt und seine Anerkennung - und gratulierte Hamilton schon, als der seinen Mercedes gerade erst vor dem Schild drauf abgestellt hatte, auf dem sonst eine große weiße "1" steht, diesmal aber in goldenen Buchstaben "World Champion". Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte Vettel durchaus überraschend seinen ersten Titel gefeiert.

"Habe nie daran gezweifelt"

"Wir dürfen ihm zuschauen, wie er Geschichte schreibt, das habe ich ihm gesagt", erklärte Vettel, was er seinem langjährigen Rivalen mit auf den Weg gegeben hatte: "Das ist bewundernswert." Danach durfte der Ferrari-Pilot erstmals im Jahr 2020 aufs Podium klettern, zuvor war ein sechster Platz beim Grand Prix von Ungarn sein bestes Ergebnis in dieser Saison. "Was für eine unglaubliche letzte Runde" twitterte deshalb auch der offizielle Formel-1-Account seine Glückwünsche an den Hessen, der demnächst von Ferrari zum Racing-Point-Nachfolger Aston Martin wechselt.

Warum der englische Rennstall auf Vettel setzt, zeigte dieser bei seiner insgesamt 121. Fahrt auf das Siegertreppchen eindrucksvoll. Während sich Valtteri Bottas im zweiten Mercedes schon kurz nach dem Start mit einem Dreher aus dem Kampf um den Sieg und verabschiedete und seinem Teamkollegen damit die Tür zum Titelgewinn ganz weit öffnete, steuerte Vettel seinen Boliden kontrolliert durch die ersten Kilometer und überholte dabei einen Konkurrenten nach dem anderen.

"Es gab sicher Phasen, in denen ich nicht meine beste Leistung abgerufen habe", resümierte der Deutsche in der anschließenden Pressekonferenz auf die Frage, ob ihn seine Platzierung überrascht habe: "Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich zu solchen Leistungen noch fähig bin." Wobei sich beim Blick auf die WM-Wertung durchaus zeigt, woher diese Nachfrage kommt.

Denn mit den 15 Punkten, die Vettel für Rang drei in der Türkei erhält, verdoppelte er seine Ausbeute aus den vorangegangenen 13 Rennen annähernd. Dass er mit nun 33 Punkten trotzdem nur auf Platz 13 der Fahrer-WM steht, und damit so weit hinten wie seit seiner ersten Formel-1-Saison nicht mehr, verkam aber zumindest vorübergehend zur Nebensache.

Quelle: ntv.de