Formel1

Formel-1-Legende? Reifer Lausbub Vettel will den Titel-Hattrick

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Sebastian Vettel ist vermutlich das schnellste Kind in einem Formel-1-Auto.

(Foto: REUTERS)

Mit dem dritten Formel-1-Titel in Folge kann Sebastian Vettel in Sao Paulo zu Legenden wie Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio aufschließen. Zur sportlichen Unsterblichkeit fehlt es ihm aber noch an Charisma, findet Bernie Ecclestone. Vettel sieht das genauso. Auch wenn er 2012 spürbar gereift ist, bleibt der 25-Jährige ein Champion mit zwei Seiten.

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Dritter Streich in Sao Paulo? Sebastian Vettel reicht ein vierter Platz.

(Foto: AP)

In Sao Paulo kann sich Sebastian Vettel heute zum dritten Mal nacheinander zum Formel-1-Weltmeister krönen. Der Red-Bull-Pilot startet in den finalen Grand Prix in Brasilien um 17 Uhr MEZ (im n-tv.de Liveticker) vom vierten Platz. Dieser würde ihm reichen, um den Titel-Hattrick perfekt zu machen. Vettels einziger Widersacher Fernando Alonso startet von Platz sieben. Der Ferrari-Pilot muss aber 14 Punkte mehr holen als der Titelverteidiger und WM-Spitzenreiter aus Deutschland.

WM-Stand nach 19 v. 20 Rennen
  1.Sebastian VettelRed Bull273
  2.Fernando AlonsoFerrari260

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Die Pole zum Großen Preis von Brasilien hatte sich Lewis Hamilton vor seinem McLaren-Rivalen Jenson Button geholt. Dritter wurde Vettels Teamkollege Mark Webber. Mercedes-Pilot Michael Schumacher muss sein letztes Formel-1-Rennen von Platz 14 in Angriff nehmen.

Auf einer Stufe mit Schumacher und Fangio

Während sich mit dem Rekordweltmeister einer der Größten Vertreter des Formel-1-Sports verabschiedet, könnte Vettel mit seinem dritten Titel sportlich in die Liga von Legenden wie Schumacher und Juan Manuel Fangio aufsteigen. Dem Status des "Mini-Schumi" ist Vettel schon jetzt entwachsen.

Manche sagen, Vettel sei in diesem Jahr auch extrem erwachsen geworden. Andere wie Jacques Villeneuve sehen das anders. Der Hesse benehme sich "manchmal wie ein Kind", sagte der kanadische Ex-Weltmeister noch in dieser Woche. In der Tat könnte man manchmal meinen, es gäbe zwei Sebastian Vettels.

Ein Champion, zwei Seiten

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Vettel ist neben dem schnellsten Kind der Welt auch das ehrgeizigste.

(Foto: dpa)

Der eine ist ein Lausbub, und wird es wohl immer bleiben. Ein Lausbub, dem vom Ehrgeiz getrieben manchmal die Emotionen durchgehen. Der andere Vettel ist schon lange erwachsen. Ein reifer, junger Mann, der Drucksituation hervorragend meistert und von dem sie in seinem Team schon lange sagen, dass er es ist, der vielen durch emotionale Täler hilft. Der immer pusht, nie den Glauben verliert, mit seinem Perfektionismus alle antreibt.

Natürlich gab es in diesem Jahr auch weniger glückliche Aktionen und Aussagen Vettels. Wie in Malaysia, als er den Inder Narain Karthikeyan nach einem Unfall als "Gurke" bezeichnete. Wie in Bahrain, wo er die Diskussionen über das Rennen im Krisenstaat bagatellisierte mit den flapsigen Worten: "Ich habe noch niemanden gesehen, der eine Bombe geworfen hat, das ist ein großer Hype." Oder wie in Abu Dhabi, wo er mit Kraftausdrücken auf dem Podium ("fuck up") dafür sorgte, dass alle Teams und Fahrer in einem FIA-Brief zu "angemessener Wortwahl" aufgerufen wurden.

Reifer Lausbub

Doch da ist auch der reife Vettel. Der sich nicht auf die mit zunehmender Saisondauer immer geschmackloser werdenden Psychospielchen seines WM-Rivalen Fernando Alonso einließ. Oder der sich, unvergessen, im Vorjahr in Indien, wie niemand im Formel-1-Zirkus auf Land und Leute einließ und sich die Zuneigung der Einheimischen verdiente.

Vettel ist eben ein reifer Lausbub. Und, das hat er auch seinen Kritikern in Abu Dhabi mit der größten Aufholjagd der jüngeren Formel-1-Geschichte bewiesen, auch ein hervorragender Rennfahrer. Einer, der eben nicht nur von Technik-Guru Adrian Newey profitiert. Der nicht nur dann gut sein kann, wenn er das Rennen aufgrund der mit dem überlegenen Auto gewonnenen Pole von vorne dominieren kann.

Das Klischee fährt mit

Doch vielleicht fährt bei vielen Bewertungen auch immer das Klischee mit. Vettel hat immer noch weiche Gesichtszüge. Und jemand, der immer "der jüngste" ist, muss in den Augen vieler eben auch jung sein. Immer noch ist Vettel der jüngste Fahrer, der punktete. Er ist der jüngste Pole-Inhaber, der jüngste Rennsieger, der jüngste Weltmeister, der jüngste Zweifach-Weltmeister und vielleicht auch bald der jüngste Dreifach-Weltmeister.

Über die Sprüche bezüglich seines Alters oder seiner Reife kann Vettel aber auch selbst schmunzeln. "Schnell gealtert" sei er, merkte er vor einigen Monaten an, und ergänzte, ganz der Lausbub: "An der Kinokasse oder beim Bier kaufen glaubt mir das aber keiner, da muss ich immer noch meinen Ausweis zeigen."

Die jüngste Kritik des ihm freundschaftlich verbundenen Formel-1-Bosses Bernie Ecclestone, ihm fehle es noch an Charisma zur echten Formel-1-Legende, wies Vettel deshalb sachlich nicht zurück. "Ich hoffe, dass ich noch ein paar Jahre habe und noch ein paar Spuren hinterlassen kann", sagte der 25-Jährige und fügte spitzbübisch an: "Es ist heute nicht mehr so leicht wie vorher. Keke Rosberg hat 1984 in Dallas noch auf dem Podium geraucht. Ich weiß nicht, ob die Leute das heute noch okay finden würden."

Quelle: ntv.de, dpa/sid

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