Formel1

Tücken der Formel-1-Revolution Warum das Gehoppel Mercedes ins Dilemma stürzt

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Hamilton ist einer der am stärksten vom Porpoising betroffenen.

(Foto: IMAGO/Motorsport Images)

Die Regelreform soll die Formel 1 spannender machen. Die neu konzipierten Boliden sorgen aber auch für ganz neue Probleme. Vor allem hoppeln die Autos stark über den Asphalt. Die einfachste Lösung erzeugt zugleich ein Dilemma, an dem vor allem Mercedes zu leiden scheint.

Tiefergelegte Autos sind schnell. Das gilt natürlich erst recht in der Motorsport-Königsklasse. Die Boliden der Saison 2022 sind aufgrund der Regelreform völlig neu konzipiert, erstmals seit den 1980er-Jahren sind es sogenannte "Ground-Effect-Autos". Sie liegen sehr tief, werden extrem an den Asphalt angesaugt. Das erzeugt aber auch Probleme, denn zu tief dürfen sie nicht liegen, sonst können sie anfangen zu hoppeln.

"Man hat keinen flachen Unterboden mehr, sondern man fährt mit einem Flügelprofil unterm Auto", erläutert RTL/ntv-Experte Christian Danner die neuen F1-Regeln. "Das saugt das Fahrzeug gerade bei hoher Geschwindigkeit sehr stark an den Boden an. Wenn es dann aufsetzt, reißt der Luftstrom ab und es geht wieder nach oben. Dadurch entsteht dieses Gehoppel oder Porpoising, wie die Engländer sagen: Wie der Delfin, der ins Wasser springt und wieder rauskommt."

Das Auf und Ab der Autos sei leicht zu beheben, so Danner. Die Teams müssten einfach "das Auto ein bisschen höher fahren, dann ist das Problem gelöst". Aber einfach ist in der Formel bekanntlich kaum etwas. Die vermeintlich simple Problemlösung stürzt die Teams in ein Dilemma. Denn: "Je niedriger ein Auto ist, desto mehr Abtrieb hat es, desto mehr Geschwindigkeit kann es durch die Kurve mitnehmen", erklärt Danner. "Wenn man das Auto höher anstellt, hat man weniger Anpressdruck, aber eben auch kein Porpoising mehr. Dann ist es zwar gemütlich auf den Geraden, aber langsamer in den Kurven." Momentan bereitet dieses Dilemma vor allem Mercedes Kopfzerbrechen. Die Silberpfeile seien trotz der Hoppelei noch nicht bereit, "Kompromisse in Sachen Bodenfreiheit zu machen", so der RTL-Experte.

DRS entschärft Gehoppel

Bereits beim ersten Test in Barcelona ist noch ein weiteres Problem offensichtlich geworden: DRS entschärft das Gehoppel. Bei aktiviertem DRS setzt das Auto nicht so stark auf den Boden auf. Allerdings darf das DRS im Rennen nur eingesetzt werden, wenn man nah genug am Vordermann dran ist. Im Qualifying wird das DRS dagegen in jeder Zone eingesetzt. "Es hängt vom Set-up ab, das man fährt, und davon, ob man das DRS benutzt oder nicht. Es ist eine ganz neue Welt und ein neues Verständnis, das wir erlernen müssen, denn es könnte ein Thema für dieses Jahr sein", hatte Carlos Sainz Anfang März gesagt. Sein Ferrari gehörte zu den am stärksten von Porpoising betroffenen Boliden. Es kommt also auch auf die Abstimmung des Autos an, da zwischen Qualifying und Rennen nicht mehr getüftelt werden darf.

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Mercedes hat in Bahrain versucht, dem Gerumpel entgegenzuwirken. Der Unterboden war neu konzipiert im Vergleich zu Barcelona, eine Metallstrebe sollte den Unterboden davon abhalten, sich zu sehr zu verbiegen. Diesen Umbau hatte die FIA erlaubt, auch Ferrari, Alfa Romeo und Haas hatten bereits darauf gesetzt - und offenbar eine zufriedenstellende Lösung erzielt. Außerdem hat Mercedes laut formel1.de dem Boliden etwas mehr Frontflügel verpasst, um mehr Balance zu erhalten. So schien das Weltmeister-Team dem Bericht zufolge das Untersteuern in den Griff zu bekommen und zugleich das Heck leicht anzuheben, was gegen das Porpoising helfen könnte. Es könnte sich als wunder Punkt am W13 von Lewis Hamilton und George Russell entpuppen.

Wenn die Saison am Wochenende in Bahrain startet, wird man sehen, welche Teams hoppeln und welcher Rennstall den besten Kompromiss gefunden hat. Die ersten Punkte, die ersten Podestplätze werden am Sonntag ab 16 Uhr (im ntv.de-Liveticker) vergeben.

Quelle: ntv.de, ara/rtl.de

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