Formel1

Mercedes sucht dringend Lösung Hamilton hat jetzt vielleicht ernsthaft Probleme

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Rund läuft es für Hamilton noch nicht.

(Foto: IMAGO/Motorsport Images)

Bei den Testfahrten zur neuen Formel-1-Saison liegt Mercedes überraschend zurück. Lewis Hamilton glaubt sogar, dass Siege erstmal kein Thema sind. Die Konkurrenten Red Bull und Ferrari sind allerdings skeptisch, wie viel Wahrheit in den Aussagen steckt.

Mercedes hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, zumindest bei der Konkurrenz. "Das ist typisch für Mercedes", sagte Ferrari-Pilot Carlos Sainz bei den Testfahrten zur neuen Formel-1-Saison: "Erst reden sie die anderen stark, dann kommen wir zum ersten Rennen und sie fahren uns in Grund und Boden." In den Vorjahren hatte Mercedes die eigene Überlegenheit vor Saisonbeginn regelmäßig infrage gestellt und dann doch überlegen das Feld angeführt. So ist es keine Überraschung, dass Sainz & Co. nicht allzu viel darauf geben, dass die Silberpfeile sich nach den abschließenden Testtagen in Bahrain nicht in weltmeisterlicher Form wähnen.

Wenn Mercedes das zum ersten Mal täte, führte Sainz weiter aus, "dann würde ich das vielleicht glauben". Mit dem Blick in die Vergangenheit, in der auf silberne Besiegbarkeitsbekundungen 15 von 16 möglichen WM-Titeln seit 2014 folgten, "gebe ich da nicht so viel drauf", so der Spanier. Und auch Max Verstappen, als amtierender Fahrer-Champion im Red Bull für den einzigen Nicht-Mercedes-Titel der jüngeren Vergangenheit verantwortlich, gibt wenig auf die selbst verkündete vermeintliche Schwäche des Teams um Lewis Hamilton: "Das ist doch immer so."

Die Sorge allerdings scheint echt zu sein. So zumindest lesen sich die Aussagen des siebenfachen Weltmeisters, der in seiner 16. Saison in der Formel 1 nach dem achten Titel strebt, der ihn an Michael Schumacher vorbei zum alleinigen Rekordsieger machen würde. "Wenn wir dieses Übersteuern und die Probleme beim Handling nur hätten, um unsere wahre Pace zu verstecken, dann wären wir wirklich, wirklich, wirklich gut." Der 37-Jährige ging in seiner Einschätzung des W13 sogar noch weiter: "Im Moment sind wir meiner Meinung nach nicht in der Lage, um Siege zu fahren."

"Mercedes hat keinen Weg gefunden, das zu beheben"

Eine Problemstelle scheint Mercedes dabei im Vergleich zur Konkurrenz besonders zu beschäftigen: das "Porpoising", das Hüpfen der komplett neu entwickelten Autos vor allem auf den Geraden. Das liegt im Ground-Effekt begründet, der in dieser Saison erstmals seit den frühen 1980er Jahren wieder erlaubt ist, Anpressdruck mithilfe des Unterbodens generiert und die Abhängigkeit von optimal angeströmten Front- und Heckflügeln verringern soll. Eine der zentralen Regeländerungen, mit denen die Formel 1 wieder mehr Ausgeglichenheit erzeugen möchte.

Beim Porpoising berührt der Unterboden allerdings die Strecke, dadurch reißt der Luftstrom ab, das Auto beginnt zu schaukeln. Zwar hatten alle zehn Rennställe während der Tests mit diesem Problem zu kämpfen, Mercedes jedoch stärker als die Konkurrenz. Laut "Autosport" ist das Aufschaukeln beim W13 deutlich ausgeprägter als bei Red Bull und Ferrari, die bislang den stärksten Eindruck hinterließen: "Und Mercedes hat bislang noch keinen Weg gefunden, das zu beheben."

Das wiederum ist deshalb problematisch, weil es zu einem unberechenbaren Fahrverhalten führt. Der Bremsweg verlängert sich etwa deutlich, wenn der Luftstrom gerade abgerissen und das Auto nach oben geschaukelt ist. Während die meisten Fahrer damit vor allem am Ende von Geraden zu kämpfen haben, müssen Hamilton und sein von Williams beförderter neuer Teamkollege George Russell im Mercedes auch in Kurven damit klarkommen - also dort, wo optimaler Anpressdruck umso wichtiger für maximale Geschwindigkeit ist, weil es das Auto sonst nach außen aus der Kurve herausträgt.

Einfache Lösung ist nicht praktikabel

Russell sieht zwar "ziemlich viel Potenzial im W13", aber "wir müssen noch einen Weg finden, unsere Performance nutzen zu können." Das Auf-und-Ab-Hüpfen verhindere bislang, das Auto bestmöglich abstimmen zu können. Die simple Lösung ist, den Boliden vor allem in Richtung des Hecks anzuheben, also mit etwas mehr Bodenfreiheit zu fahren. Das löst zwar das Porpoising-Problem. Es schiebt den Mercedes allerdings auch aus dem Bereich, in dem er am besten funktioniert, also mutmaßlich am schnellsten ist. Das wiederum kostet Rundenzeit, sogar eine ganze Menge, in einem Tausendstel-Sport wie der Formel 1 kein akzeptabler Ausweg.

Laut "Autosport" habe Mercedes bei den Testfahrten mehrere Lösungsansätze probiert. Das Anheben des Hecks und eine Veränderung am Unterboden hätten dann den erwünschten Fortschritt gebracht, wird Ingenieur Andrew Shovlin zitiert: "Da ist noch viel Pace zu holen, wenn wir uns weiter verbessern, was das Hüpfen angeht und das Auto besser auf der Strecke liegt." Auch Hamilton war trotz aller Zurückhaltung weiter zuversichtlich, in seinem Arbeitsgerät stecke reichlich Erfolgspotenzial: "Wir müssen es nur hervorholen und ein paar Probleme beheben, das ist es, woran wir arbeiten."

Wie gravierend und vor allem anhaltend die Probleme wirklich sind, ist vor dem Saisonauftakt in Bahrain am kommenden Sonntag (16 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) allerdings reine Spekulation. Keines der zehn Teams dürfte all seine (vermeintlichen) Trümpfe bereits ausgespielt haben. Und ohnehin ist der erste Grand Prix der Saison 2022 nur eine Momentaufnahme in einem Jahr, in dem sich die Boliden von Rennen zu Rennen verändern werden. Das weiß auch Max Verstappen, der Titelverteidiger, der am letzten Testtag zwar die klare Bestzeit gefahren war, diese jedoch auch gleich relativierte: "Das Wichtigste in dieser Saison, mit diesen neuen Autos, wird die Entwicklungsgeschwindigkeit sein."

Quelle: ntv.de

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