Fußball-EM

"Ich f***e deine Mutter" Arnautovic rastet aus - und beleidigt rassistisch?

imago1003135402h.jpg

David Alaba musste Marko Arnautovic bändigen.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Marko Arnautovic rastet nach seinem Treffer für Österreich aus und pöbelt nordmazedonische Spieler an. Dabei sollen rassistische Beleidigungen gefallen sein, auch ein Handzeichen sorgt für Ärger. Arnautovic weist die Vorwürfe zurück, die UEFA startet "keine Untersuchungen".

Als umgänglicher, höflicher Profi war Marko Arnautovic noch nie bekannt. Im EM-Spiel gegen Nordmazedonien sorgt der Österreicher wieder einmal für Aufsehen. Nach seinem Tor in der 89. Minute zum 3:1-Endstand bricht er seinen kurzen Jubellauf ab, dreht sich um zu den Spielern von Nordmazedonien und pöbelt sie auf aggressive Art und Weise an. Erst der herbeieilende Kapitän David Alaba kann ihn auf deutliche Art und Weise wieder herunterkochen, versucht ihm sogar den Mund zuzuhalten.

Serbische und kroatische Medien berichten nun, dass man an Arnautovic' Lippen deutlich erkennen könne, dass er gerufen habe: "Ich f***e deine Shiptar-Mutter". Auch in den sozialen Medien wollen Nutzer die Beschimpfungen erkannt haben. Die Spieler Nordmazedoniens oder die UEFA bestätigten dies bisher nicht. Auf Serbisch wird "Shiptar" als eine abwertende rassistische Beleidigung für Albaner gebraucht.

Arnautovic ist in Wien geboren und aufgewachsen, aber seine Familie stammt aus Serbien und viele Verwandte wohnen dort. Wie er selbst einmal sagte: "In mir steckt ein Serbe." Seine mutmaßlichen Beleidigungen im Anschluss an das Tor richteten sich wohl speziell gegen Ezgjan Alioski, der für Leeds United spielt und eine albanische Herkunft hat. Beide Spieler hatten sich während der Partie vorher in einer Art Privatduell schon mehrfach beharkt. Im Anschluss an die Partie unterhielten sich Arnautovic und Alioski auf dem Feld in Ruhe.

"Werde niemals ein Rassist sein"

imago1003134260h.jpg

Marko Arnautovic pöbelt nach seinem Treffer in Richtung der Nordmazedonier - wohl auch per Handzeichen.

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Auch das Handzeichen des Österreichers nach seinem Treffer - Daumen und Zeigefinger zusammengeführt, die anderen Finger abgespreizt - wird im Balkan als nonverbale Version von Arnautovic' Beleidigungen verstanden (allerdings ohne den rassistischen Kontext). Die Geste wird ebenfalls weltweit (wenn auch nicht sehr verbreitet) von Neonazies als Symbol für "White Power" benutzt. Ob Arnautovic auch über die letztere Bedeutung Bescheid weiß, ist nicht bekannt.

Gegen den Vorwurf der rassistischen Äußerungen wehrte sich Arnautovic am Tag nach dem Spiel und schrieb in einer Instagram-Story: "Ich bin kein Rassist und werde niemals ein Rassist sein." Dennoch sah er sich genötigt, eine Entschuldigung auszusprechen: "Es war ein Wortgefecht in der Emotion, von beiden Seiten. Das gehört einfach nicht dazu, das müssen wir streichen." Er wolle sich "ganz besonders bei meinen Freunden aus Nordmazedonien und Albanien" entschuldigen, führte Arnautovic aus: "Ich habe Freunde in fast jedem Land und ich stehe für Vielfalt. Jeder, der mich kennt, weiß das." Am Ende der Story schrieb der Österreicher die Worte "Më falni", was "Entschuldigung" auf albanisch bedeutet.

Der ethnische Konflikt zwischen Serbien und Albanien hat eine lange Historie und reicht bis ins Mittelalter zurück. Heute wird besonders um Kosovo gestritten, das sich 2008 für Autonom erklärte und in dem Albaner mehr als drei Viertel der Einwohner ausmachen. Serbien erkennt den Kosovo nach wie vor nicht als eigenständiges Land an.

Arnautovic bekräftigte, seine Worte nach dem Treffer hätten "überhaupt nichts mit Politik zu tun. An alle Leute, die sich angesprochen gefühlt haben: Es tut mir leid. Lass uns das alles vergessen, es gehört nicht zum Fußball." Bei der WM 2018 im Gruppenspiel zwischen Serbien und der Schweiz hatten die Schweizer Nationalspieler Xerdan Shaquiri und Granit Xhaka (beide mit kosovarischen Wurzeln) ihre Treffer mit dem Symbol des albanischen Doppeladlers bejubelt. Sie wurden damals von der FIFA mit Geldstrafen belegt. Die nun zuständige UEFA startet jedoch "keine Untersuchungen zu den gestrigen Spielen", wie ein UEFA-Sprecher auf SID-Anfrage sagte.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.