Fußball-EM

Die EM-Vorschau: Gruppe D Ein gefährliches Déjà-vu für England

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Der junge Gareth Southgate bejubelt den Sieg Englands über Schottland bei der EM 1996. Mittlerweile ist er Cheftrainer der Three Lions.

Ein Duell, das Jürgen Klopp gerne gesehen hätte, muss ausfallen. Dafür wird das älteste Länderspiel-Duell der Fußballgeschichte fortgeschrieben und irgendwie wirkt es, als wäre es wieder 1996. Die EM-Gruppe D verspricht Historisches.

Am 11. Juni 2021 beginnt die EM 2020 mit einjähriger Verspätung. Das in ganz Europa ausgetragene Turnier wird erstmals mit 24 Teams gespielt. Aus den insgesamt sechs Gruppen (A bis F) können sich bis zu drei Länder für das Achtelfinale qualifizieren. Wenig ist klar vor dieser Europameisterschaft, aber eins steht fest: Die Finalrunde mit den beiden Halbfinals und dem Finale wird ab dem 6. Juli im Londoner Wembley-Stadion gespielt. Vorher gibt es für einige Nationen einen wilden Ritt mit Spielorten zwischen Sevilla und Baku. Wir blicken vorab jeden Tag auf eine Gruppe. Nach Gruppe E folgt nun die Gruppe D. Dort trifft England auf Vize-Weltmeister Kroatien, den britischen Nachbarn Schottland und den Vize-Europameister von 1996, Tschechien.

Auf diesen Spieler sollten Sie achten:

Beim FC Liverpool hat Jürgen Klopp sie zum aktuell vielleicht besten Außenverteidiger-Duo der Welt geformt. Weil Trent Alexander-Arnold sich allerdings in der Vorbereitung der englischen Auswahl am Oberschenkel verletzt hat und das Turnier verpasst, muss das Duell mit Schottlands Kapitän Andrew Robertson ausfallen. Alexander-Arnold spielt rechts, Robertson links, sie hätten sich die Außenbahn geteilt und den direkten Vergleich ausgetragen.

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Robertson führt Schottland als Kapitän ins Turnier.

(Foto: imago images/PA Images)

Daraus wird nun nichts, was Robertson zum wahrscheinlichen Sieger des Duells mit dem macht, der nun statt seines LFC-Kollegen für England aufläuft. Denn Robertson ist das, was gerne "Unterschiedsspieler" genannt wird. Seine Vorstöße und seine scharfen und präzisen Bälle in die Spitze sorgen für Gefahr, dazu kommt, dass er auch mit Standards und Flanken das gegnerische Tor bedroht. Da lohnt es sich eindeutig, genauer hinzuschauen.

Das sollten Sie unbedingt wissen:

Die Gruppe D ist eine, die einen besonderen Charme versprüht, den der EM 1996. Wie vor 25 Jahren treffen Schottland und England in der Gruppenphase aufeinander, wieder spielen die Three Lions all ihre Vorrundenspiele im Wembley-Stadion. Das britische Duell ist auch 2021 das zweite Gruppenspiel für beide Mannschaften, 1996 trafen Alan Shearer und Paul Gascoigne zum englischen 2:0-Sieg. Das ist aber längst nicht alles.

Das Achtelfinale (gegen Spanien) gewannen die Engländer im Elfmeterschießen, auch im Halbfinale gegen Deutschland musste der Sieger vom ominösen Punkt aus ermittelt werden. Gareth Southgate scheiterte entscheidend an Andreas Köpke und Andreas Möller schoss die DFB-Elf ins Endspiel. Eben jener Southgate ist heute Nationaltrainer, führte die Engländer 2018 ins WM-Halbfinale, das wiederum gegen Kroatien verloren ging. Jene kroatische Mannschaft hatte die Elf von Berti Vogts damals im Achtelfinale ausgeschaltet und ist nun Englands Auftaktgegner.

Fehlt noch Tschechien, das 1996 seinem ersten großen Titel so nah war wie nie zuvor und bislang auch nie mehr danach - es gibt die Mannschaft in dieser Form allerdings auch erst seit der Aufspaltung der Tschechoslowakei in zwei eigenständige Staaten. Im ersten großen Turnier nach dieser Teilung zogen die Tschechen damals ohne Gegentor in der K.-o.-Runde ins Finale ein, führten dort gegen Deutschland sogar mit 1:0. Dann wurde Oliver Bierhoff eingewechselt: Ausgleich, Verlängerung, das wohl bekannteste Golden Goal der Fußballgeschichte, Deutschland war Europameister. Das erklärt dann auch, warum "England, Schottland, Kroatien, Tschechien" so nach 1996 klingt. Und das Finale steigt auch diesmal wieder in London.

Wenn Ihnen diese Art der Nostalgie völlig fremd sein sollte, gibt's ein Schmankerl aus der Kategorie "Das hatte ich schon mal irgendwo gelesen": Schottland gegen England, so lautete auch die Ansetzung des ersten offiziellen Fußball-Länderspiels. Am 30. November 1872, also vor rund 139 Jahren, sahen in Glasgow rund 4000 Zuschauer … ein torloses Unentschieden. Das erste von bislang 114 offiziellen Duellen beider Länder, die sich danach noch 30 weitere Male gegenüberstanden, ehe erstmals zwei nicht-britische Auswahlen ein Länderspiel bestritten.

Dieses Spiel sollten Sie nicht verpassen:

Offensichtlich wäre es an dieser Stelle, das Auftaktspiel der Engländer zu wählen. Im Wembley findet am 13. Juni um 15 Uhr die Neuauflage des WM-Halbfinals von 2018 statt, in dem die Three Lions früh in Führung gingen und dann nach Verlängerung doch die kroatische Nationalelf ins Finale einzog. Es ist das Duell der beiden Favoriten in dieser Gruppe D und wenn es einen Sieger gibt, darf der wohl schon fast sicher mit dem Weiterkommen planen. Für den möglichen Verlierer dagegen wird es dann trotz der Option, dass auch der Gruppendritte aufs Achtelfinale hoffen darf, schon eng.

Denn die defensivstarken Schotten - in den jüngsten 16 Länderspielen gab es nur zweimal mehr als ein Gegentor und auch nur zwei Niederlagen - sind ein unangenehmer Gegner. Dazu gewannen sie gewannen in der jüngsten Nations League beide Partien gegen Tschechien (2:1 und 1:0), die daher als zumindest auf dem Papier schwächste Elf anzusehen sind. Aber mit Tomáš Souček haben sie einen Antreiber im defensiven Mittelfeld, der mit zehn Saisontoren in der Premier League auch offensiv gefährlich ist. Und dessen Fleißfußball und physisches Spiel beispielhaft für die tschechische Herangehensweise stehen dürfte. Nämlich, sich den Sieg zu erlaufen, zu ergrätschen, zu erkämpfen.

Hier wird gespielt:

In zwei Stadien, die guten Gewissens als "Kathedralen des Fußballs" bezeichnet werden dürfen. Im alten Wembley-Stadion spielte sich einer der legendärsten Szenen der (deutschen) Sportgeschichte ab, bis heute wird darüber gestritten, ob der Schuss von Geoff Hurst in der 101. Minute des WM-Endspiels 1966 denn nun von der Unterkante der Latte auf die Torlinie herabprallte oder doch dahinter landete. Die Namen von Schiedsrichter Gottfried Dienst - der zunächst eine Ecke gab, weil Wolfgang Weber den Ball anschließend geklärt hatte - und Linienrichter Tofik Bachramow, der Dienst dann überstimmte, klingen bis heute nach.

Der Hampden Park in Glasgow, in dem die drei Partien ohne englische Beteiligung ausgetragen werden, gilt derweil als ältestes Fußballstadion der Welt, war zeitweise auch das größte. Eintracht Frankfurt verlor dort 1960 das Landesmeister-Finale gegen Real Madrid mit 3:7. Und nicht nur das Ergebnis wirkt aus der Zeit gefallen, auch die Zuschauerzahl von über 127.000 klingt schwer nach früher. Sechs Jahre gewann an selber Stelle dann Borussia Dortmund mit dem Pokalsieger-Cup als erste deutsche Mannschaft einen Europapokal. Jetzt reicht's aber auch wirklich mit der Geschichtsstunde. Beide Stadien planen nach aktuellem Stand mit 25-prozentiger Auslastung, was in London 22.500 Zuschauer:innen bei 90.000 Plätzen und in Glasgow 12.750 Fans bei 51.000 Plätzen bedeuten würde.

Jetzt sind Sie dran! Wer wird die Gruppe gewinnen?

Quelle: ntv.de

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