Fußball-EM

Fehlt DFB Geld für Lufthansa? Nationalmannschaft reist mit Dumping-Airline

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Einen "Siegerflieger" der Lufthansa wird es dieses Jahr nicht geben, egal wie die EM verläuft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Lufthansa muss wegen der Corona-Pandemie Geld sparen. Das hat direkte Konsequenzen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Die schaut sich auf der Suche nach alternativen Transportmöglichkeiten in Litauen um. Gewerkschaften kritisieren "Sozialdumping".

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verzichtet bei der Europameisterschaft auf die Dienste der Lufthansa, die das Team in der Vergangenheit traditionell zu den Spielen geflogen hat. Stattdessen vertraut der Deutsche Fußball-Bund (DFB), wie der "Spiegel" berichtet, auf den hierzulande kaum bekannten Charterflug-Anbieter Klasjet aus Litauen. Der soll im europäischen Vergleich allerdings besonders niedrige Löhnen zahlen.

"Statt auf Sozialdumping zu setzen, hätte der nicht gerade am Hungertuch nagende DFB einen kleinen Beitrag dazu leisten können, Menschen aus der Kurzarbeit herauszuholen", kritisiert ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi im "Spiegel". "Wir haben genug Fluglinien in Deutschland, die auf den Transport von Mannschaften spezialisiert sind, da muss man wirklich nicht nach Litauen ausweichen."

Die Lufthansa hatte die Kosten für den Transport der Nationalmannschaft bislang im Rahmen eines Sponsorenvertrags übernommen. Aufgrund ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­der Corona-Pandemie und der milliardenschweren Rettung durch die Bundesregierung muss die Fluggesellschaft aber sparen. "Lufthansa hat aufgrund der Krise ihre Marketing- und Werbemaßnahmen bis auf Weiteres reduziert", erklärt eine Unternehmenssprecherin in dem Bericht. Jetzt müsste der DFB für die Dienste bezahlen und habe sich deshalb "für ein Charterangebot außerhalb der Lufthansa Group entschieden".

Die drei Vorrundenspiele des deutschen Teams finden alle in München statt. Sie sind aus dem Basislager nahe Nürnberg mit dem Mannschaftsbus des Sponsors Volkswagen zu erreichen. In der K.o.-Runde wären je nach Abschneiden in der Gruppenphase Begegnungen in London, Bukarest, Sevilla oder Budapest möglich. Später könnten Reisen nach Rom, Baku oder Sankt Petersburg anstehen. Halbfinale und Finale der EM finden in London statt.

540 Euro im Monat?

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Der DFB ist nicht der einzige Fußballverband, der auf die Dienste von Klasjet vertraut. Die internationale Transportgewerkschaft ETF hatte das Geschäftsmodell des Billiganbieters zuletzt in einem offenen Brief an den belgischen Verband kritisiert. "Sie beutet den europäischen Binnenmarkt und ihre Angestellten aus, indem sie ihrem Kabinenpersonal zwischen 540 und 1300 Euro pro Monat zahlt", heißt es in dem Schreiben.

Nach vielen skandalträchtigen Jahren mit Razzien und Steuernachzahlungen in Millionenhöhe scheint es finanziell um den deutschen Verband nicht gut bestellt. Abstriche müssen die Nationalspieler bei der EM allerdings nicht fürchten: Sollten sie die Europameisterschaft gewinnen, winkt jedem der 26 Spieler im Aufgebot von Bundestrainer Joachim Löw eine Rekordprämie von 400.000 Euro.

Quelle: ntv.de, chr

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