Fußball-EM

In die Wolken wie Hoeneß 1976 Türkei droht trotz Bales Riesen-Bock das Aus

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Bale kann es selbst kaum fassen.

(Foto: dpa)

Es gibt Szenen im Fußball, die gehen in die Historie ein. So wie der verschossene Elfmeter von Uli Hoeneß im EM-Finale 1976. Fast deckungsgleich passiert es bei dieser EM nun Gareth Bale. Sein Fehler bleibt ungesühnt - Wales siegt gegen die Türkei. Das Spiel endet turbulent mit Streit und Torjubel.

Trotz der Unterstützung Tausender fanatischer Fans steht die Türkei nach dem nächsten bitteren Rückschlag bei der Fußball-EM bereits vor dem Aus. Die Milli Takim verlor auch das "Heimspiel" im Nationalstadion von Baku vor den Augen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan 0:2 (0:1) gegen Wales. Vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen die Schweiz am Sonntag ist das Achtelfinale in weite Ferne gerückt.

"Für dieses Spiel gibt es keine Erklärung. Ich kann es nicht glauben, und ich will es auch nicht glauben", kommentierte Nihat Kahveci von Mesut Özils Klub Fenerbahce Istanbul am TRT-Mikrofon die neuerliche Enttäuschung für die Türkei.

Zwar zeigte sich die Mannschaft von Nationalcoach Senol Günes verbessert, nach dem völlig verpatzten Eröffnungsspiel gegen Italien (0:3) gab es jedoch die nächste schwere Enttäuschung. Aaron Ramsey (42.) und Connor Roberts (90.+5) befeuerten dagegen mit ihren Treffern die Hoffnungen der walisischen Anhänger auf die nächste Überraschung nach 2016, als die Dragons bei ihrer Endrunden-Premiere ins Halbfinale gestürmt waren.

Dabei setzte Superstar Gareth Bale seine erschreckende Torflaute fort - der Kapitän schoss einen Foulelfmeter deutlich über das Tor (61.) und wartet weiter auf seinen ersten Treffer im Nationaltrikot seit Oktober 2019. Dennoch reisen die Briten nun mit vier Zählern im Gepäck zum Duell mit Italien.

Bale warnte in der BBC sein Team trotz aller Freude über den Erfolg vor verfrühter Selbstzufriedenheit: "Ich bin total erleichtert. Wir haben auch hart gearbeitet, und das zweite Tor war das Sahnehäubchen. Wir sind in einer fantastischen Situation, aber wir müssen noch abwarten."

Türkische Wiedergutmachung bleibt aus

Die vor der EM hoch gehandelten, aber zum Auftakt tief gefallenen Türken hatten Wiedergutmachung versprochen. Kapitän Burak Yilmaz kündigte an, dass die Mannschaft zeigen werde, "wer wir wirklich sind". Und der frühere Bundesliga-Profi Hakan Calhanoglu wollte seinen Landsleuten ein "Lächeln ins Gesicht zaubern".

Vor über 30.000 Zuschauern - darunter zahlreiche aus der Türkei und etliche Einheimische, die ebenfalls der türkischen Mannschaft die Daumen drückten - starteten beide Teams mit offenem Visier. Ganz zur Freude von Erdogan, der die Partie demonstrativ an der Seite von Ilham Alijew, dem autoritären Herrscher des türkischen "Bruderstaates" Aserbaidschan, auf der Tribüne verfolgte.

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Das Ende ist turbulent.

(Foto: AP)

Die Türken attackierten weiter vorne als noch vor fünf Tagen und agierten gefährlicher - auch wegen Kaan Ayhan und Cengiz Ünder, die in die Startelf gerückt waren. Nach dem ersten Abschluss von Yilmaz (9.) scheiterte Ünder (13.), der die zuletzt harmlose Offensive belebte, am walisischer Keeper Danny Ward. Und auch Ayhan (29.) meldete sich nach einer Ecke mit einem Kopfball.

Wales rettet mehrfach in höchster Not

Die Waliser ließen sich von der verbesserten türkischen Elf und der hitzigen Atmosphäre in Baku aber keineswegs beeindrucken. Die Mannschaft von Robert Page wirkte teilweise strukturierter, allein Ramsey (6./24.), neben Bale der zweite Star im Team, vergab gleich zweimal freistehend vor Ugurcan Cakir. Erst nach großartigem Zuspiel von Bale vollendete er aus kurzer Distanz.

Mit dem Rücken zur Wand, den Erinnerungen an die EM 2008, als das Team nach verpatztem Start trotzdem das Halbfinale und die bislang beste EM-Platzierung erreicht hatte, im Kopf und Yusuf Yazici als frischer Kraft startete die Türkei in den zweiten Durchgang. Calhanoglu (50.) und Yilmaz (54.) setzten gleich Warnschüsse ab.

In die Druckphase der Türken hinein vergab Bale, der von Mehmet Zeki Celik von den Beinen geholt worden war, die große Chance zur Entscheidung - und verlieh der Günes-Elf nochmals Schwung für die Schlussphase. Angeführt von Yilmaz drängte die Türkei den Gegner in eigene Hälfte, Wales sorgte dagegen kaum mehr für Entlastung. Ward rettete in höchster Not bei einem Kopfball von Merih Demiral (87.). Eine Rudelbildung "belohnte" Schiedsrichter Artur Soares Dias mit gleich drei Gelben Karten. Anschließend sorgte Roberts für den sportlichen Schluss.

Quelle: ntv.de, ara/sid

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