Fußball-WM

Hypothek für TV-Sender Die WM in Katar verkümmert zum Nischen-Event

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Die Einschaltquoten bei der WM sind enttäuschend.

(Foto: picture alliance / Daniel Kubirski)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft scheitert krachend - und damit das Fernseh-"Zugpferd". Für die übertragenden TV-Sender ARD, ZDF und MagentaTV wird es schwierig, die Zuschauerinnen und Zuschauer in den letzten zwei WM-Wochen noch zu begeistern.

Eine Fußball-WM als Nischen-Event im Fernsehen? Die umstrittene Winter-Weltmeisterschaft von Katar könnte in Deutschland eine bemerkenswerte Zeitenwende einläuten. Erstmals überhaupt scheint eine Männer-Endrunde kein Selbstläufer im deutschen TV zu sein, die Quoten erfüllen nicht ansatzweise die Erwartungen, auch mit Beginn der Achtelfinals hat sich daran nichts geändert.

Das K. o.-Spiel am Samstagabend zwischen Argentinien und Australien (2:1) bescherte dem Ersten mit 4,71 Millionen Fußball-Fans (Marktanteil: 18,9 Prozent) eine mäßige Quote zur Primetime. Dabei spielte der argentinische Superstar Lionel Messi teilweise groß auf. Während in anderen Ländern die Wüsten-WM im Winter eine große Resonanz beschert, zeigt der Fan in Deutschland dem Turnier die kalte Schulter.

Der Wintersport profitiert

Davon profitieren dann sogar andere, kleine Sportarten. Der Wintersport war in Bezug auf die Quote am Samstag im Ersten nicht weit von der WM am Persischen Golf entfernt. Die ARD verzeichnete mit dem Biathlon-Weltcup (2,86 Millionen/MA: 26,5 Prozent bzw. 2,04/28,0), dem Langlauf-Weltcup (1,98/19,4) und dem Rodel-Weltcup (1,70/20,6) vier weitere Sport-Übertragungen unter den Top Ten.

Das Vorrunden-Aus des viermaligen Weltmeisters Deutschland könnte sich als riesige Hypothek für ARD und ZDF, aber auch den Streamingdienst MagentaTV (überträgt alle 64 WM-Partien) erweisen. "Die Leistungen und das Auftreten der DFB-Elf in der letzten Zeit scheinen also auch eine wichtige Rolle für das Zuschauer-Interesse zu spielen. Wir hoffen aber, dass dies in den nächsten Monaten mit Blick auf die UEFA EURO 2024 in Deutschland wieder besser wird", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Der "kontinuierliche Rückgang" der Zuschauerzahlen bei Länderspielen der deutschen Männer-Fußball-Nationalmannschaft sei nicht zu negieren, betonte Balkausky.

"Nur" 17,43 Millionen schauen deutschen K. o.

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So ist schon bemerkenswert, dass das EM-Finale der deutschen Fußballerinnen mit 17,9 Millionen (MA: 64,8 Prozent) am 31. Juli immer noch die am meisten gesehene Übertragung in 2022 ist. Das 4:2 gegen Costa Rica und der damit verbundene K. o. der deutschen Elf in der Gruppenphase lockte "nur" 17,43 Millionen vor die TV-Geräte (MA: 53,7 Prozent).

Besserung ist kaum in Sicht. In der Vergangenheit wurden auch WM-Spiele ohne deutsche Beteiligung vom Zusehenden gerne konsumiert, Quoten im zweistelligen Millionenbereich waren auch hier gang und gäbe. Anno 2022 ist das anders. Die Reichweiten liegen deutlich hinter den Zahlen der letzten WM-Turniere zurück. Straßenfeger-Qualität haben die WM-Spiele von Katar in Deutschland nicht. Ob sich das in den kommenden zwei Wochen noch ändert, darf stark bezweifelt werden.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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