Fußball-WM

82 Millionen Bundestrainer dabeiGegen die Leaks des WM-Kaders hilft nur ein Bunker

20.05.2026, 18:25 Uhr
imageEin Einwurf von Anja Rau
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Alle ab in die Kaserne! 55 Fußballer, der Bundestrainer, seine Assistenten und alle im Umfeld des DFB. Essen natürlich inklusive, aber der Kontakt zur Außenwelt wird gekappt. Anders ließen sich die Leaks vor der Fußball-WM offenbar nicht verhindern.

Julian Nagelsmann hatte hochgestapelt. "Es wird Überraschungen im WM-Kader geben", sagte der deutsche Bundestrainer im März dem "Kicker". Allerdings nicht, wenn er am morgigen Donnerstag bekannt gibt, wer mit dem DFB-Team zum Turnier in Kanada, Mexiko und den USA (11. Juni bis 19. Juli) reist. Nagelsmann wird in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main sitzen, in einen mit Presse voll besetzten Raum blicken - und für wenig Schnappatmung sorgen. Weil es gefühlt einfach nichts gibt, was er als Neuigkeit verkünden kann.

Alle infrage kommenden Spieler wurden längst durchgenudelt. Der Kader steht quasi, die Öffentlichkeit kennt ihn. So viele Leaks hat es noch nicht gegeben. Wer zwitschert da fröhlich seit Tagen? Hat Nagelsmann eine Wanze im Telefon? Steht da jemand neben jedem potenziellen WM-Fahrer und stenografiert, sobald der Anruf von Nagelsmann erfolgt? Sitzt ein Papagei in jedem Zimmer oder fängt der Hund plötzlich an zu sprechen?

Klar, Fußball ist Unterhaltung. Buntes gehört dazu, Transferjournalisten sind eine eigene Gattung im Geschäft. Bei Transfergesprächen haben Klubs, Berater und Spieler zudem durchaus ein großes Interesse an einem Leak. Verhandlungspositionen können sich verbessern, das Interesse an einem Spieler, einer Verpflichtung steigen.

DFB spielte vor Heim-EM 2024 mit

Aber beim DFB? Sicherlich geht es um Reputation. Wer zur WM fährt, gehört zu einem exklusiven Kreis. Jedoch es ist ja nicht so, als würde ein Leak noch etwas an der Meinung von Nagelsmann und seinem Team ändern. Spieler XY ist halt dabei - oder eben nicht. Ob das nun 24 Stunden oder mehrere Tage vorher vermeldet wird, hat für keinen Beteiligten einen wirklichen Mehrwert.

Ja, die Gerüchteküche sorgt für Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff. Die 82 Millionen Bundestrainer können schon vor dem Turnier eifrig diskutieren. Nagelsmann erfährt so unfreiwillig schon früher, was seine "Kollegen" von seinem Kader halten. Er ist dem Feuer bereits früher ausgesetzt.

Zur EM 2024 versuchte der DFB bekanntlich, dem Ganzen zuvorzukommen, indem der Verband selbst für vorzeitige Bekanntgaben sorgte. In der "Tagesschau" wurde Nico Schlotterbecks Teilnahme vermeldet. Nina Chuba erzählte bei einem ihrer Konzerte, dass Florian Wirtz zum Kader gehört. Beim Dönerstand in Berlin, dem liebsten von Antonio Rüdiger, wurde der Innenverteidiger vermeldet. Und so weiter, Bäcker, Lufthansa, Günther Jauch bei "Wer wird Millionär" - alle waren ein Teil der geplanten Überraschungen.

Wie man dem Ganzen den Riegel vorschieben kann? Früher war eben doch alles besser - und die Härte half? Da wurde niemand von einem freundlichen Herr Bundestrainer angerufen und vorab informiert. Da musste sich jeder hoffnungsvolle Kandidat noch selbst vor den TV setzen und gucken, ob sein Name genannt wird. Bleibt noch eine zweite Option: Alle 55 vorab bei der FIFA gemeldeten Spieler plus das Funktionsteam vom DFB werden Wochen vor dem Turnier gemeinsam einkaserniert. Ohne Handy, Funknetz und WLAN, ohne Postkasten, Brieftaube oder Teppich für Rauchzeichen.

Eines aber ist sicher, die 82 Millionen Bundestrainer würden trotzdem eifrig diskutieren.

Quelle: ntv.de

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