Redelings Nachspielzeit

Was ist da bloß los?Nagelsmanns nächstes PR-Desaster macht nur noch fassungslos

18.05.2026, 11:56 Uhr Ben-RedelingsVon Ben Redelings
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Was werden Manuel Neuer und Julian Nagelsmann besprechen? (Foto: IMAGO/osnapix)

Ob Manuel Neuer bei der WM nun im Tor steht oder nicht, ist eigentlich gar nicht mehr so wichtig. Denn das Kind ist bereits jetzt in den Brunnen gefallen. Und wieder einmal irritiert das Verhalten des Bundestrainers die Fans. Was ist da nur los?

Deutschland vor 20 Jahren, der Tag der Kadernominierung für die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land war gekommen. Deutschland rätselte eifrig, wer bei der nahenden WM mit dabei sein würde. Viele Namen fielen - aber ein Name wurde nie genannt: David Odonkor.

Als am 15. Mai 2006 im Berliner Olympiastadion Bundestrainer Jürgen Klinsmann sein Aufgebot präsentierte, staunte die komplette Weltöffentlichkeit. Er und sein Team hatten es tatsächlich geschafft, den Namen selbst vor dem inneren Kreis des DFB geheim zu halten. Eine außergewöhnliche Glanzleistung.

Odonkor?

Ronald Reng lässt in seinem aktuellen Buch "Der deutsche Sommer" den damaligen Torwarttrainer Andreas Köpke über diese Tage erzählen: "Wenn sich das Trainerteam zu Videokonferenzen zusammenschloss, hat niemand den Namen Odonkor ausgesprochen, selbst wenn wir über ihn geredet haben. Da wurde bloß allgemein die Notwendigkeit erwähnt, Schnelligkeit von der Ersatzbank ins Spiel bringen zu können, oder von dem 'ihr wisst schon, wen ich meine' gesprochen. Wir hatten es so verinnerlicht, die Idee mit Odonkor geheim zu halten, dass wir den Namen nicht mal erwähnten, obwohl wir nur unter uns waren."

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Auch damals schon waren die Medien omnipräsent und häufig sogar näher dran als heute. Deshalb schreibt Ronald Reng völlig zu Recht: "Gemessen an den Gepflogenheiten des Profifußballs, wo Klatsch und Tratsch zum Geschäft gehörten, war es bemerkenswert, wie wenig Indiskretionen in den Klinsmann-Jahren nach außen gelangten."

Fatales PR-Desaster

Man kann auch im Lichte dieser Ereignisse aus dem Jahr 2006 aktuell nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Denn egal wie die Geschichte um Manuel Neuer in den nächsten Tagen auch ausgehen mag, es ist jetzt schon ein weiteres, fatales PR-Desaster - mit weitreichenden und nicht absehbaren Folgen für die gesamte WM-Mission der DFB-Elf - des Julian Nagelsmann. Mit welcher Naivität der Bundestrainer dieses höchst sensible Thema angegangen ist, ist kaum zu glauben. Man fragt sich völlig fassungslos: Was ist da bloß los?

Aber auch unabhängig von allen medialen Geschichten wirft die ganze Thematik so viele neue Fragen und Probleme auf, dass man als Fan der deutschen Nationalmannschaft dieses unwürdige Schauspiel nur kopfschüttelnd und irritiert staunend begleiten kann und sich ungläubig fragt: Wieso macht der Bundestrainer allen Ernstes dieses Fass so kurz vor der Weltmeisterschaft auf? Vor allem vor dem Hintergrund, dass man nicht den Eindruck gewinnt, dass das Thema - mit allen Schwierigkeiten, die dieses automatisch mit sich bringen würde - tatsächlich zuvor intern bis zum Ende durchdacht wurde.

Über Nagelsmanns Interview im "Aktuellen Sportstudio" am Samstagabend hat der Kollege Sebastian Schneider völlig zu Recht geschrieben, dass sich der Bundestrainer in "peinliche Neuer-Ausreden geflüchtet" hat - und das ist noch äußerst nett formuliert. Wieso sich Julian Nagelsmann trotz der zeitlichen Verschiebung der Nominierung des WM-Kaders ins TV-Studio gesetzt hat und damit sehenden Auges in ein weiteres PR-Desaster marschiert ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Schaden ist entstanden

Dass damit allerdings schon jetzt ein folgenschwerer Schaden für den Kampf des DFB-Teams um den WM-Titel entstanden ist, sollte allen Beteiligten klar sein. Und: Das hätte allen auch schon vor dem ersten Gedanken, der öffentlich wurde, an eine mögliche Neuer-Nominierung klar sein müssen. Entweder so etwas bleibt, wie damals die Odonkor-Idee bei Klinsmann und seinem Team, im allerengsten Kreis - oder so ein Gedanke sollte gleich umgehend wieder verworfen werden.

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Jetzt ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen, egal wie auch immer die Geschichte nun ausgehen mag. Und das ist mehr als schade. Denn tatsächlich muss ein Bundestrainer im stillen Kämmerlein nach den Großtaten von Manuel Neuer in der Champions League eine mögliche WM-Nominierung einmal durchspielen.

Und vielleicht wäre er dann zu der festen Überzeugung gelangt, dass dies die für Deutschland beste Lösung für die kommende Weltmeisterschaft ist. Doch der Moment, in dem er diese Idee dann im besten Wissen und Gewissen und mit voller Überzeugung der Mannschaft und der Nation präsentiert, ist nun leider bereits vorbei.

Hoffnung wird immer geringer

Was bleibt, ist das irritierende Gefühl einer großen Fassungslosigkeit. Die Hoffnung, dass der Glaube an eine erfolgreiche Weltmeisterschaft des DFB-Teams noch einmal zurückkommt, wird von Stunde zu Stunde geringer. Ab Donnerstag, dem Tag der Nominierung, wird es wenigstens keine weiteren Überraschungen mehr geben.

Und vielleicht haben Julian Nagelsmann und sein Team für diesen besonderen Augenblick ja auch noch einen Trumpf im Ärmel. David Odonkor hatte schließlich 2006 auch keiner im Sinn. Und nur wenige Wochen später war er für eine unsterbliche Nacht der König von Deutschland. Mit einem strahlenden und glücklichen Bundestrainer Jürgen Klinsmann inklusive.

Quelle: ntv.de

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