Fußball-WM

Homophobie-Skandal vor WM Salman fühlt sich missverstanden, die FIFA schweigt

eb12b9c91eb57b3c1c126fb06f18c1ce.jpg

Khalid Salman rudert zurück, ein wenig.

(Foto: dpa)

Die homophoben Aussagen von Khalid Salman gehen um die Welt und sorgen für Wut und Unverständnis. Der Ex-Nationalspieler hatte Schwulsein als "geistigen Schaden" bezeichnet. Nun meldet sich der 60-Jährige bei Twitter und versucht, die Dinge klarzustellen.

Der katarische WM-Botschafter Khalid Salman, der Homosexualität in einer ZDF-Dokumentation als "geistigen Schaden" bezeichnet hatte, fühlt sich nun missverstanden. Er bedauere, dass seine Äußerungen "aus dem Zusammenhang gerissen" worden seien, schrieb der frühere Nationalspieler bei Twitter. "Es ist weder unsere Religion noch unsere Natur, zu beleidigen oder zu verletzen", erklärte der 60-Jährige und führte aus: "Jeder ist in Katar willkommen, aber unsere Religion und Kultur wird sich durch die Weltmeisterschaft nicht ändern." Salman ist einer von zehn "lokalen" WM-Botschaftern.

Salman sagte in der am Dienstag ausgestrahlten Dokumentation "Geheimsache Katar" vor laufenden Kameras in einem Interview, Homosexualität sei "haram" - im Islam verboten. Das Interview wurde daraufhin von einem Offiziellen des Organisationskomitees abgebrochen. Salmans Aussage schlug international hohe Wellen bei Politik, Menschenrechtsorganisationen und LGBTQ-Organisationen. Auch deutsche Nationalspieler hatten sich zu Wort gemeldet. Unter anderem der sehr meinungsstarke Leon Goretzka. Für den 27-Jährigen ist die Homophobie im WM-Gastgeberland "sehr beklemmend. Das ist ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend".

Mehr zum Thema

"So eine Aussage zu treffen, ist absolut inakzeptabel", sagte Goretzka. Die schwulenfeindliche Haltung im Emirat sei "nicht das, wofür wir stehen und was wir vorleben". Auch Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic verurteilte Salmans öffentlich vorgetragene Homophobie als "einfach inakzeptabel". Das Auswärtige Amt verurteilte durch Sprecherin Andrea Sasse die abwertenden Äußerungen. "Es handelt sich aus unserer Sicht um einen unglaublich homophoben Ausfall", sagte sie in der Bundespressekonferenz. "Das widerspricht auch dem, was unsere Ansprechpartner in der katarischen Regierung uns zugesagt haben." Das WM-Organisationskomitee und der Weltverband FIFA haben die Aussagen bislang nicht kommentiert. Zuletzt hatte die FIFA für Empörung gesorgt, als Boss Gianni Infantino die Teilnehmer per Brief bat, sich nun nur noch aufs Sportliche zu konzentrieren.

Katar beteuert seit Monaten, dass auch LGBTQ-Personen bei der Endrunde "willkommen" seien, sofern sie die lokale Kultur respektierten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beschuldigt den reichen Golfstaat indes, im Vorfeld der Weltmeisterschaft LGBTQ-Personen inhaftiert und misshandelt zu haben, was von der Regierung in Doha vehement bestritten wurde. Die Kapitäne mehrerer europäischer Nationalmannschaften, darunter von Deutschland, Frankreich und England, haben angekündigt, während des Turniers Armbinden in Regenbogenfarben mit der Botschaft "One Love" zu tragen.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen