Kurz vor Relegations-Sensation?1. FC Heidenheim feiert "größte Auferstehung seit Jesus"

Der Klub galt lange als chancenlos und nun ist er mittendrin: Der 1. FC Heidenheim zieht im Abstiegskampf mit St. Pauli und Wolfsburg gleich. Der Kellerkrimi steuert auf sein furioses Finale zu.
Holger Sanwald musste grinsen. Ein Freund habe die Aufholjagd des 1. FC Heidenheim als "größte Auferstehung seit Jesus" bezeichnet, erzählte der Vereinsboss. "Naja", sagte Sanwald, der Vergleich schien ihm dann doch etwas zu groß. Aber eine Wiederauferstehung sei das, was der FCH in den vergangenen Wochen im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga geleistet habe, "auf jeden Fall".
Abgeschlagen, abgeschrieben, beinahe schon abgestiegen - und plötzlich wieder mittendrin! Die Überlebenskünstler des FCH haben sich mit dem 3:1 (2:1) beim 1. FC Köln einen Showdown um die Relegation erkämpft. Aus dem Zweikampf zwischen dem FC St. Pauli und dem VfL Wolfsburg wird am Samstag ein Dreikampf. Zum ersten Mal in der Bundesliga-Geschichte gehen die letzten drei Teams der Tabelle punktgleich in den letzten Spieltag. Der Ausgang? Vollkommen offen!
"Wir haben Bock drauf"
"Das ist wirklich unglaublich. Vor Ostern hat keiner mehr einen Cent auf uns gewettet", sagte Sanwald. Noch vor sieben Spielen hatte der kleine Klub von der Ostalb zehn Punkte Rückstand auf den Relegationsrang, nun liegt er lediglich drei Tore hinter Wolfsburg. "Für den Fußball, für die Spannung, kann es nicht schöner sein. Wir haben Bock drauf. Wir werden versuchen, unsere beste Leistung zu zeigen", sagte Trainer Frank Schmidt.
Nach sieben Punkten aus den vergangenen drei Spielen ist Heidenheim erstmals seit dem 18. Spieltag nicht mehr Schlusslicht. "Auch jetzt kann man nicht davon ausgehen, dass wir automatisch nächstes Jahr Bundesliga spielen", sagte Schmidt: "Aber wir haben die Chance dazu."
Mit einem weiteren Sieg gegen den FSV Mainz 05 am Samstag ist der Sprung in die Relegation noch möglich - vor allem, wenn die Konkurrenten im direkten Duell unentschieden spielen. Doch die besten Karten hat Wolfsburg. Gewinnt das Team von Dieter Hecking am Millerntor, benötigt Heidenheim einen hohen Sieg. Entsprechend müsse der VfL "auf Pauli auf jeden Fall auf Sieg spielen", sagte Hecking im ZDF-Interview.
"Das letzte Spiel wird einfach ein Krieg"
Zwar verlor Wolfsburg, das seit 1997 ununterbrochen im Oberhaus spielt, gegen Bayern München (0:1), doch: "Für das Gefühl war es trotzdem ein gutes Spiel. Die Mannschaft hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie zu solchen Leistungen fähig ist. Das nehmen wir mit", sagte Hecking.
Am Millerntor wartet St. Pauli schon angriffslustig. "Das letzte Spiel wird einfach ein Krieg, eine Schlacht. So muss man das angehen", sagte Verteidiger Louis Oppie. Trainer Alexander Blessin forderte, das Stadion müsse "brennen". Die Hamburger gehen nach neun Spielen ohne Sieg mit der Roten Laterne in die finale Woche. Alles stehe auf dem Spiel, sagte Kapitän Jackson Irvine. Sein Team könne "dieses fucking Spiel gewinnen".
Drei Teams, zwei Spiele, ein gemeinsames Ziel - der Abstiegskrimi steuert auf sein furioses Finale zu. Und Heidenheim arbeitet weiter an seinem Wunder.